Archiv des MonatsJune, 2007

In den Fängen der Stasi (Folge 6)

Immer fortgehender ideologischer Krieg

Sie ängstigten sich und bangten in einem „Tunnel der Verfolgung“, wie Papst Benedikt XVI. die Situation der christlichen Gemeinden in den Ländern Osteuropas während der kommunistischen Zwangsherrschaft beschreibt.

Vor den Bischöfen der Slowakei, die im Juni 2007 zum Pflichtbesuch („ad limina apostolorum“) in den Vatikan gekommen waren, wies der Papst darauf hin, dass sich die Verhältnisse nach dem Zusammenbruch des roten Imperiums zwar in einigen Punkten, in anderen aber nicht wesentlich geändert haben.

Vor allem in Europa werde geradezu beharrlich ideologischer Druck ausgeübt, der das Christentum auf eine rein private Dimension zurückdrängen wolle.

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Kommentar

In den Fängen der Stasi (Folge 5)

Auch die Bulgaren horchten mit

Europa lag in Trümmern. Den Überlebenden des Völkermordens stand der Sinn ab der Stunde Null, nach der Frage, auf die banale Formel gebracht: Wie geht es jetzt weiter. Mit der Familie, mit Arbeit, Lohn und Brot. Die Trümmerfrauen wurden zum Symbol dieses Lebenswillens. Der Vater, aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, werkelte schon wieder an der Drehbank in der alten Garage. Die Frage nach dem „Warum“ der soeben erlebten Katastrophe wurde in den Privathaushalten zunächst zurückgestellt. Nicht jedoch in den Parteizentralen und Denkstuben der Theoretiker. Welches gesellschaftliche Konzept würde die europäischen Nationen in eine neue friedliche Zukunft führen? Ideologien und Weltanschauungen, die sich behaupten konnten, wurden neu belebt.

Der Sozialismus, insbesondere seine materialistische Spielart, sah seine Stunde gekommen, obwohl er keine Bewährungsprobe hatte bestehen müssen.

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Urlaubsbekanntschaft

Mit Alex habe ich Brüderschaft getrunken. Wie das so üblich ist bei Männern, mit einem Schnaps, der über die Zunge durch die Kehle läuft und sich, wie der Fluss bei der Ankunft am Meer in  die Bucht, in diesem Fall Bauch genannt, ergießt. Zum Glück verzichten Magensäure und Branntwein darauf, sich zu vermischen, jedenfalls nicht spürbar. Wahrscheinlich würde das innerleibliche Narben hervorbringen. Andererseits: Brüderschaft muss besiegelt werden. Gottlob sind wir keine Indianer. Unser Ritual hielt sich insofern in Grenzen. Vielleicht, dass der Blutdruck um einige Punkte anstieg. Auch ritten wir nicht über die Prärie, sondern saßen gemütlich an der Hotelbar mit Blick auf das Schwimmbecken, worin eine ansehnliche Nixe schwamm. Am Horizont als blauer Streifen die Ägäis, denn wir befanden uns in der Zeitzone zwischen klassischem Altertum und modernem Ferntourismus. Aber die Welt war in Ordnung.

Zwei Wochen Abschied vom Alltag erlösen von mancher Konvention, die einem die gesellschaftlichen Ordnungsstrukturen zu Hause auferlegen.

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In den Fängen der Stasi (Folge 4)

Was Ostberlin besonders interessiert

In die Beziehungen zwischen den politisch-ideologischen und militärischen Blöcken auf europäischer Ebene ist Bewegung gekommen. Nicht zuletzt die Gespräche zur Vorbereitung der Verträge der Bundesrepublik Deutschland mit der Sowjetunion und der Volksrepublik Polen sollen zur Entspannung beitragen und den Zustand des Friedens, der durch die Nicht-Krieg-Situation auf den ehemaligen Schlachtfeldern keineswegs zwangsläufig gesichert ist, stabilisieren. Die diplomatischen Bemühungen, insbesondere die bilateralen Kontakte auf westlicher Seite, beschäftigen selbstredend die politischen Nachrichtendienste auf beiden Seiten. Fast allen Berichten, ob östlicher oder westlicher Provenienz, ist eine charakteristische Praxis eigen: sie erscheinen als ein Amalgam aus Sachinformationen, Einschätzungen und manchen gedanklichen Zutaten, die eher den Intentionen der eigenen politischen Führung entspricht, dieser gewissermaßen „entgegenkommt“, zumal dann, wenn der „Dienst“ seine Erkenntnisse als Erfolgsmeldung vorlegen kann.

So berichten die „Sicherheitsorgane der VR Polen“, Kardinal Wojtyla habe „während seines Aufenthaltes in Rom“ dem Staatssekretariat ein Memorandum Wyszinkis übergeben.

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In den Fängen der Stasi (Folge 3)

Mit Stenoblock und Tonband

In Folge 2 dieser Serie konzentrierte sich die Auswahl der Stasi-Dokumente auf Geheimdienstberichte über die politischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit diesem Thema beschäftigen sich auch die nachfolgenden vom polnischen Geheimdienst beschafften „Informationen“.

Am 4. Juli 1970 wird der US-Amerikaner Henry Cabot Logde von Papst Paul VI. in Audienz empfangen, am Tag zuvor hatte er mit Kardinalstaatssekretär Jean Marie Villot und dem Substituten im Staatssekretariat Erzbischof Giovanni Benelli gesprochen.

Über diese Begegnungen berichten die „Sicherheitsorgane der VR Polen“ und legen ein angebliches „Stenogramm des Gespräches mit dem Papst“ vor.

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