In den Fängen der Stasi (Folge 11)

Kirche im Reich der Roten Mandarine

„In offiziellen Kreisen des Vatikans wertet man den Umstand als einen bedeutenden Fortschritt, dass die Chinesen in letzter Zeit beginnen, die Möglichkeit der Existenz einer religiösen Ideologie auch unter sozialistischen gesellschaftlichen Verhältnissen anzuerkennen“. Mit dieser etwas sprachlich kompliziert gedrechselten „Information“ – eher wohl ein Problem der Übersetzung aus dem Russischen – überraschte der ungarische Geheimdienst die „Bruderorgane“ im August 1979. Die Genossen in Budapest zeigten sich einmal mehr „über alles“ was die vatikanische Diplomatie bewegte im Bilde, ob in Europa oder im Fernen Osten. (1) Sollte der Heilige Stuhl seinerseits diese „frohe Botschaft“ aus dem Reich der Roten Mandarine zum Anlass genommen haben, neue Schritte zu wagen, in der Hoffnung auf Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, die 1951 von Mao Zedong über Nacht abgebrochen worden waren.

Die Volksrepublik China hatte soeben ihre schwerste innenpolitische Krise, die Große Proletarische Kulturrevolution überwunden. Im September 1976 (am 9.9.) war Mao gestorben, Hua Guofeng hatte den Parteivorsitz übernommen. Die faktische Macht aber übernahm sein Rivale Deng Xiaoping, der den Terror der Roten Garden, Umerziehungslager und parteiinterne Säuberungsaktionen überlebte. Mit Deng setzte eine Phase der Öffnung nach außen (allerdings nicht nach innen) ein. Auch im Vatikan wagte man zu hoffen. (2)

Kopie einer „Information“ der Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik vom 22.8. 1979 über die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China. Quelle: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Kopie einer „Information“ der Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik vom 22.8. 1979 über die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China. Quelle: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Dreißig Jahre später: Anfang Juni 2007 sorgt Papst Benedikt XVI., im dritten Jahre seines Pontifikats, wieder einmal für Schlagzeilen. Er hat einen „Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China“ geschrieben, (3) datiert auf Pfingstsonntag, dem Fest des Heiligen Geistes, dem Geburtstag der Weltkirche.

Die Post aus dem Vatikan, datiert auf den 27. Mai 2007 und Ende Juni/Anfang Juli auch weltweit veröffentlicht traf, von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone Anfang Juni angekündigt, nicht ganz unerwartet ein. Dem Papstbrief wurde, vom Presseamt des Heiligen Stuhls verbreitete, ungezeichnete „Erläuternde Anmerkung“ beigefügt. „Bei der sorgfältigen Analyse der Lage der Kirche in China“ sei sich Papst Benedikt der Tatsache bewusst, „daß die katholische Gemeinschaft in ihrem Inneren an einer von starken Gegensätzen gekennzeichneten Situation, von der Gläubige wie Hirten betroffen sind, leidet.“

Für Beobachter der „neuen vatikanischen Außenpolitik“ unter dem Siegel eines neuen Pontifikats schien diese Initiative seitens des Papstes nur konsequent. So hatte er schon einen Monat nach seiner Amtsübernahme im Rahmen seiner Ansprache an das beim Heiligen Stuhl akkreditierte diplomatische Korps eine Offerte an jene Nationen gerichtet, mit denen der Heilige Stuhl noch keine diplomatischen Beziehungen unterhält. (vgl. die Ansprache von Papst Benedikt XVI. an das Diplomatische Korps am 12. Mai 2005). Dazu zählt die Volksrepublik China. Der Heilige Stuhl ist das einzige europäische „Völkerrechtssubjekt“, das in dieser Hinsicht von den Kommunisten in Peking bis heute geschnitten wird.

Zwar gilt der Brief des Papstes in erster Linie den Gläubigen der römisch-katholischen Kirche, aber es wäre naiv zu glauben, dieser und jener Abschnitt des Schreibens sei nicht auch für Leser in der Zentrale der Kommunistischen Partei Chinas bestimmt, respektive den „zivilen Autoritäten“ des Staates. Der Text, voller Empathie für die Christen, sachlich im Ton, wo die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse angesprochen werden, „hat es in sich.“ Benedikt nimmt sich nicht zurück, wo er auf den Punkt kommt.

Kurz gefasst: Der Papst stellte klar, wer auch über „die kleine Herde“ der geschätzten 13 Millionen römischen Katholiken (andere Zählungen sprechen von zig-Millionen mehr; die Regierung lässt nur vier Millionen Katholiken der von ihr kontrollierten Patriotischen Vereinigung gelten) im „Reich der Mitte“ das Sagen hat (4) – nicht der Staatspräsident oder der Parteichef der kommunistischen Volksrepublik China, nicht das Amt für religiöse Angelegenheiten und auch nicht der Vorsitzende der von der Partei kontrollierten Chinesischen Katholischen Patriotischen Vereinigung CCPA (einer Art staatlicher Ersatzkirche), sondern allein der Nachfolger des Apostels Petrus auf dem bischöflichen Stuhl zu Rom. (5)

Eindeutig in der Sache, verbindlich im Ton – so etwa kann der Sendbrief charakterisiert werden, kein „Apostolischer Brief“ der formalen Art, sondern ein persönliches Schreiben. Hoffte man in der Kurie, die Staatsautoritäten nicht zu provozieren, ein „katholisches Lächeln“ dem asiatischen entgegengebracht? Gleichwohl konnten die politisch Mächtigen den Inhalt der Botschaft nicht missverstehen: Keine Anerkennung von nach katholischem Kirchenrecht illegal geweihten, von der chinesischen Regierung bestimmten Bischöfen, sondern Einhaltung der „allgemeinen kanonischen Normen“. Wenn es Nachfragen gibt: Bitte schön, wozu gibt es Internet und Mobiltelefone, wenn andere Kommunikationswege verschlossen sind.

Die bisherigen Kompromisse bei Bischofsweihen sollen künftig ebenso wenig künftig gelten, wie das Regime aufgefordert wird, „romtreue“ Katholiken nicht zu geheimen Priester- und Bischofs-Weihen zu nötigen. Eine Unterscheidung zwischen einer dem Papst ergebenen, mit anderen Worten: „regimekritischen“ Gemeinschaft im „Untergrund“ und der vom Staat anerkannten regimetreuen „offiziellen“ Kirche wurde schon seit langem von der vatikanischen Diplomatie vermieden. Von schismatischen Verhältnissen zu sprechen wären den Bemühungen Roms, die kirchliche Einheit in China und somit auch im Blick auf die Weltkirche unter allen Umständen zu wahren, eher zuwidergelaufen als sie zu fördern. Zumal Anzeichen für einen Wandel zum Positiven zu erkennen sind. Die „überwiegende Mehrheit“ der „vom Staat anerkannten“ Bischöfe haben sich nach Aussage von Kardinal Joseph Zen-Kiu, dem Bischof von Hong Kong, „insgeheim“ mit dem Papst ausgesöhnt. Die römische Kurie ihrerseits reagiert in gewisser Weise konziliant, in dem sie die „patriotischen Bischöfe“, deren Weihe zumindest gültig ist, wenn auch nicht erlaubt, zu den Oberhirten der Gesamtkirche gezählt werden. Und das „heiße Eisen“ Taiwan? Die Nuntiatur bleibt „herabgestuft“. Aus dem Staatssekretariat wurde in jüngerer Zeit wiederholt zu verstehen gegeben, dass eine Verlegung nach Peking zu gegebener Zeit möglich sein könnte.

Papst Benedikt gibt in seinem Brief zu erkennen, dass es ihm an einem Ausgleich zwischen der so genannten Untergrundkirche und der staatlich kontrollierten „patriotischen“ und „amtlichen“ Kirche kommt, das heißt, dass tatsächlich verfolgte Christen endlich aus ihrem Katakomben-Dasein befreit werden und die anderen, die in einer gewissen Resistenz gegenüber dem atheistischen Staat wie auch gegenüber einer zu „diplomatischen“ Haltung des Vatikans verharren, diese Rolle aufgeben. Der Papst sucht, wie seine Vorgänger, den Dialog mit den staatlichen Autoritäten neu zu beleben mit dem Ziel, „die ersehnte Normalisierung der Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Regierung der Volksrepublik China herbeizuführen.“

Die Antwort der chinesischen Regierung fiel „dialektisch“ aus: Wohlwollende Anerkennung der Offerte des Papstes, die üblichen diplomatische Floskeln des Sprechers des Außenministeriums: China sei bereit, den „offenen und konstruktiven Dialog“ fortzusetzen – aber dann wird doch der bekannte Preis genannt: Aufgabe der diplomatischen Beziehungen des Heiligen Stuhls zu Taiwan, keine „Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas“, “auch nicht im Namen der Religion“. Kein „Partei-Chinesisch“, sondern Klartext: die Kraftprobe geht weiter. Und zum Beweis dessen, wurde sogleich angeordnet (und natürlich befolgt), den auf katholischen Webseiten verbreiteten Papstbrief sofort wieder aus dem Netz zu nehmen.

Der zweite Affront ließ ebenfalls nicht lange auf sich warten. Mitte Juli meldete der in Rom herausgegebene Pressedienst „Asianews“, dass die Patriotische Vereinigung den 43 Jahre alten Joseph Li Shan zum künftigen Bischof von Peking „gewählt“ habe. Dies sei „mit Zustimmung der chinesischen Religionsbehörden“ erfolgt aber „ohne Einwilligung des Vatikans“, der die Patriotische Vereinigung nicht anerkennt, dem Gremium insofern auch kein Wahlrecht zugesteht, wie etwa manchen Domkapiteln. Am 20. April 2007 war der bisherige „Amtsinhaber“, Michael Fu Tieshan (Jg. 1931), gestorben. Fu hielt auch die Leitungsämter der „offiziellen Kirche“, als Präsident der Patriotischen Vereinigung und der von Rom nicht anerkannten Bischofskonferenz. Er war 1949, nach der kommunistischen Machtergreifung, als erster Geistlicher 1949 ohne päpstliche Zustimmung zum Bischof geweiht worden. Mit der „Wahl“ von Li Shan hat die Regierung nun seinen Nachfolger bestimmt. Bei der Besetzung dieses auch für die politische Führung prestigeträchtigen Amtes wird dem Papst wohl keine Wahl bleiben. Erste Meldungen deuten auf ein Einlenken hin: Li Shan, in Peking geboren, gelte als beliebter Seelsorger. Angeblich habe auch der Vatikan bislang keine Einwände gegen ihn persönlich erhoben. Der nächste Schritt wird die Weihe des neuen Bischofs von Peking sein. Es wird sich zeigen, ob auch im nächsten Päpstlichen Jahrbuch (Annuario Pontificio), für das Erzbistum Peking/Beijing weiterhin der Name eines Ortsordinarius fehlt.

Anders in Shanghai, wo offenbar entsprechende Kompromissbereitschaft bei der Wahl und Weihe des Weihbischofs Giuseppe Xing Wenzhu seitens des Vatikans gezeigt wurde. Das Bild ging um die Welt, als Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ende ihres China-Besuches im Mai 2006 den greisen Bischof von Schanghai, Aloysius Jin Luxian aufsuchte und sich von dem 91 Jahre alten Oberhirten die Ignatius-Kathedrale zeigen ließ. Seit Matteo Riccis Zeiten im 17. Jahrhundert ist Schanghai der „Weinberg“ der Jesuiten. Auch Bischof Aloysius gehört der Gesellschaft Jesu an. 1985 von der Patriotischen Vereinigung zum Oberhirten bestimmt, ist er jedoch auch Opfer des Regimes. Siebenundzwanzig Jahre, von 1955 bis 1982, hat er wegen „Volksverhetzung im Auftrag des Vatikans“ in Gefängnissen, „Umerziehungs“-Arbeitslagern und im Hausarrest, verbracht. „Die Chinesen glaubten, dass ich ein Spion des Papstes Pius XII. war“. (vgl. Spiegel online v. 23.5.06) Dieses Martyrium mag Rom doch wohl bewogen haben, ihn – obwohl ohne päpstliches Mandat im Amt – in „implicite“ (stillschweigend) anzuerkennen, wie er es gegenüber einer westlichen Korrespondentin ausdrückte. (vgl. „30Tage“, Juli/August 2005.)

Nicht vergessen soll in diesem Zusammenhang das Schicksal des letzten „rechtmäßigen“ Bischofs von Shanghai, Ignatius Kung Pin-Mai, die Lebensgeschichte eines Verfolgten nach der ganzen Brutalität der frühen kommunistischen Jahre Chinas: 1950 übernahm Kung das Bistum, 1955 Verhaftung und Hausarrest, 1960 Verurteilung zu lebenslanger Haft, 1985 Entlassung und erneut Hausarrest, 1988 Ausreisegenehmigung in die USA, im amerikanischen Exil, im Jahre 2000, 98 Jahre alt, gestorben. Bereits 1979 hatte ihn Paul VI. „in pectore“ zum Kardinal ernannt; die öffentliche Proklamation erfolgte 1991. Auch bei Shanghai verzichtet das „Annuario“ – ein diskreter Hinweisgeber auf kirchenpolitische Verhältnisse und vatikanische Diplomatie – auf die Nennung von Namen.

Der „patriotische“ Bischof Jin ist um Ausgleich zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking bemüht, er kooperiere nicht mit der politischen Führung, sondern „dialogisiere.“ Die politische Führung lässt ihn wohl gewähren. Westliche Journalisten entdeckten ein Bild von Papst Benedikt in der Xujiahui-(früher St. Ignatius)-Kathedrale und dessen Konterfei auf einem Geschenkteller zum 20jährigen Bischofsjubiläum.

Man musste also nicht erst auf eine Spätwirkung warten, die der Vorstoß Benedikts auf einem der schwierigsten Schauplätze vatikanischer Seelsorge-Diplomatie nach sich zieht. Allerdings spielen nicht durch die Hauptstadt-Bedingungen eine Rolle, sondern auch örtlichen Faktoren. In Hongkong, 1997 als Kronkolonie aus britischer Obhut entlassen und als Sonderverwaltungsregion der Volksrepublik angeschlossen, stellt sich Kardinal Joseph Zen Ze-kiun immer mehr als starker Mann dar.

Der römisch-katholische Oberhirte, in Schanghai geboren, gehört dem Orden der Salesianer Don Boscos an. Er leitet seit 2002 das Bistum am Pearl River. Im Konsistorium am 23. März 2006 wurde er von Papst Benedikt zum Kardinal ernannt. Er ist wiederholt als Regimekritiker hervorgetreten und gilt als Verfechter der bürgerlichen Rechte und eines demokratischen Regierungssystem. Im Frühjahr 2007 hatte er der chinesischen Regierung vorgeworfen, sie darauf aus, die Kirche zu zerstören. Wie er die die offene Auseinandersetzung mit den politisch Mächtigen in Peking nicht scheut, so mit seinem Gegenspieler, dem Vizevorsitzenden der katholischen „Patrioten“, Anthony Liu Bainan, den die Medien gelegentlich als „Chinas Papst“ bezeichnen. Anthony und Joseph haben eine kurze Zeit gemeinsam im Priesterseminar in Peking verbracht, bis sich ihre Wege trennten, so weit voneinander abweichend.

Jahr der Abschottung und Spaltung

„Romtreue“ Christen konnten sich nur unter geheimen Bedingungen zum Gebet versammeln, und wurden doch immer wieder verraten. Im Westen sprach man, in Erinnerung an die Jagd auf Christen im alten Rom, von der Kirche der Katakomben. Auch später gewährte Konzessionen milderten zwar die äußeren Umstände, aber änderten nichts am Ziel der Partei. Wollte das Christentum nicht aussterben, von dem die Fundamental-Ideologen zunächst noch ausgingen, so sollte es doch unter Kontrolle der Staatsmacht gestellt werden. Dem Regime ergebenen Christen, katholischen wie protestantischen, wurde erlaubt, sich in so genannten Patriotischen Vereinigungen zu organisieren. (Ähnlich wurde mit Buddhisten und Moslems verfahren.)

Fast zeitgleich mit dem China-Brief des Papstes hat ein anderes geistliches Oberhaupt die Missachtung von Menschenrechten und mangelnde Religionsfreiheit für sein Volk beklagt: der Dalai Lama. Bei seiner Ankunft in Hamburg am 19. Juli 2007 sprach er erneut in die Mikrophone der Weltpresse von der bedrückenden Lage in Tibet, das 1950 von China okkupiert wurde. 1959, nach einem gescheiterten Volksaufstand flieht der ranghöchste politische und religiöse Führer Tibets nach Indien und bildet dort eine Exilregierung nach demokratischem Muster. (Tibet von den vorrevolutionären Verhältnissen des Herrschaftssystem der Mönche „befreit“ zu haben, wird gelegentlich selbst von westlichen Beobachtern in Peking ins Feld geführt, vorgetragen; die Fragwürdigkeit dieser Argumentation ersetzt nicht die kritische historische wie gegenwartsbezogene Auseinandersetzung mit der tibetischen Spielart des Buddhismus.)

Die religionsfeindliche Haltung des Systems ließ sich leicht hinter dem Argument der chinesischen Souveränität verbergen: Schluss mit westlicher Einmischung. China geht seinen eigenen Weg. Eine Mentalität, die nicht unbedingt von den Völkern am Rande des Riesen-Reiches geteilt wird, sondern eher der Mentalität der größten Volksgruppe entspricht, die unter dem Sammelbegriff der Han-Chinesen die überwältigende Mehrheit bilden. Auch Hegemonialansprüche, die denen der Kaiserzeit entsprechen, drücken sich in dieser machtpolitischen Haltung aus.

Wer zum Bischof geweiht werden sollte, wurde von den Pekinger Behörden bestimmt. Zweifel an der Gültigkeit ihrer Weihe konfrontierten den Papst mit einer der zentralen Fragen der römisch-katholischen Kirche: War die apostolische Sukzession gewahrt worden, die ununterbrochene, auf die Apostel zurückzuführenden Weihe-Linie. Die Entscheidung Roms war für das Überleben der Kirche im Reich der Mitte von existentieller Bedeutung. Das strikte Nein musste notgedrungen einer nachsichtigeren Haltung weichen: „Supplet ecclesia“. Das Kirchenrecht hält einen Ausweg bereit, der eine flexiblere Haltung bei bestimmten äußeren Umständen, die aber die Sakramentalität der Weihe nicht in Zweifel zieht, erlaubt. Mit anderen Worten: Wenn schon nicht nach Punkt und Komma gesetzeskonform, dann doch mit dem Segen der Kirche. (7)

Ein weiterer Brocken legte sich in den Weg der Annäherung: Die so genannte Taiwan-Frage. Der „Generalissimus Tschiang Kai-shek hatte sich nach der Niederlage im Bürgerkrieg auf die dem Festland vorgelagerte ehemalige portugiesische Insel Formosa zurückgezogen, um dort mit seiner Nationalpartei (Kuomintang) die „nationalchinesische“ Republik China fortzuführen. Peking spielt seit dem die Karte der „Ein-China-Politik“ aus, verbunden mit Konsequenzen politischer und nicht zuletzt ökonomischer Natur, gegenüber jedem, der mit Taipeh diplomatische Beziehungen unterhält. Der Vatikan verweigert sich zwar, alle Bindungen von der Kirche auf der Insel zu lösen, war jedoch bereit, seine diplomatischen Beziehungen auf Geschäftsträger-Ebene herabzustufen – den politischen Realitäten Rechnung tragend.

Fortsetzung folgt

Fußnoten:

1) MfS HA XX 12373, Abteilung X, Tgb. Nr. 4575 v. 22.8. 1979

2) Die Große Proletarische Kulturrevolution, vom „Großen Führer“ Mao in Gang gesetzt, um seine Position zu festigen. Das Wüten der Roten Garden forderte in den Jahren ab 1965 ungezählte Menschenleben; den Säuberungsaktionen fielen hochrangige politische Gegner und militärische Führer und im Gegenzug der realpolitischen Kräfte die Maoisten selbst zum Opfer.

Der IX. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas vom 1. April 1969 beendete zwar diese politische Kampagne, nicht aber die internen Machtkämpfe zwischen maoistischen Ideologen und den militärischen Spitzen. Diese Auseinandersetzungen prägten bis Mitte der 70er Jahre die Führungskrise in Peking. Erst unter Deng Xiaoping (Ministerpräsident von 1976-1997) setzte eine Periode der Reformen ein. Deng, der sich mit den Vizeposten in Partei, Staatsrat und Verteidigungsrat begnügte, übte faktisch die Macht aus. Der Prozess der Modernisierung bezog sich wesentlich auf den wirtschaftlichen Sektor bezog und schloss politische Freiheiten aus: Öffnung nach außen, aber nicht nach innen. Auf Deng geht das „Blutbad auf dem Tiananmen-Platz („Platz des Himmlischen Friedens“) in der Nacht des 5. Juni 1989 zurück, als Panzereinheiten die Studentenproteste niederwalzten.

3) „Brief des Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. an die Bischöfe, die Priester, die Personen des Gottgeweihten Lebens und an die Gläubigen Laien der Katholischen Kirche in der Volksrepublik China. 27. Mai 2007, Pfingstsonntag, im dritten Jahr meines Pontifikats“ / s.a. „Erläuternde Anmerkung“ (des Heiligen Stuhls) zum „Brief von Papst Benedikts XVI. an die chinesischen Katholiken, 27. Mai 2007, veröffentlicht am 30. Juni 2007.

4) In seinem Brief an die Katholiken Chinas bezeichnet Papst Benedikt die „Frage der Bischofsernennungen“ als eines der „heikelsten Probleme in den Beziehungen des Heiligen Stuhls mit den Autoritäten“ der Volksrepublik. Zwar räumt er den „Regierungsautoritäten“ ein gewisses Interesse an dieser Frage ein, „ weil das Bischofsamt auch im zivilen Bereich gesellschaftliche Auswirkungen“ besitze. Aber über die Auswahl und Weihe der Kandidaten entscheidet allein der Papst, denn es berühre „die Gewährleistung der Einheit der Kirche und der hierarchischen Gemeinschaft.“ Der Papst verweist auf Canon 1382 des Kirchenrechts, der schwere Strafen festlege, „ sowohl für den Bischof , der freiwillig die Bischofsweihe ohne apostolischen Auftrag spendet, als auch für den Empfänger.“ Eine solche Weihe stelle „ in der Tat eine schmerzhaft Wunde in der kirchlichen Gemeinschaft“ dar und sei „ eine schwere Verletzung der kanonischen Ordnung.“ Deshalb die eindeutige Botschaft an Peking: „Der Heilige Stuhl möchte bei der Ernennung der Bischöfe ganz frei sein.“ (Ähnlich entschieden hatte schon Papst Pius XII. auf illegale Weihen im Jahre 1958 reagiert.)

Papst Benedikt geht zuvor auf die bekannte Problematik seit Beginn der kommunistischen Kontrolle über die chinesischen Katholiken ein. Die Bischöfe stießen aus verschiedenen Gründen auf Schwierigkeiten, „da im Namen verschiedener staatlicher Organe nicht „geweihte“ – zuweilen nicht getaufte – Personen Entscheidungen in wichtigen kirchlichen Fragen kontrollieren und treffen, einschließlich der Ernennung von Bischöfen. Dies habe eine „Abwertung des Petrus- und Bischofsamtes“ zur Folge, „ weil nach Sicht der Kirche der Papst, die Bischöfe und die Priester Gefahr laufen, de facto Personen ohne Amt und ohne Amtsgewalt werden.“ Daraus ergibt sich, dass Rom keine Kompromisse in dieser Hinsicht eingehen und nur Bischöfe akzeptieren kann, „die die Bischofsweihe in Übereinstimmung mit der katholischen Tradition empfangen haben, das heißt, in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, dem Nachfolger Petri, und durch gültig und rechtmäßig geweihte Bischöfe unter Beachtung des Ritus der katholischen Kirche.“

Auf klaren Verhältnissen besteht Benedikt auch in der Frage des „Kollegiums der katholischen Bischöfe Chinas“. Es könne in seiner gegenwärtigen Form vom Apostolischen Stuhl nicht als Bischofskonferenz anerkannt werden. Denn die „Untergrundbischöfe“ (der Brief verwendet diesen Begriff), das heißt, „die von der Regierung nicht anerkannten Bischöfe, die in Gemeinschaft mit dem Papst stehen“, gehörten im nicht an, so der Papst, schließe andererseits aber Bischöfe ein, „die weiterhin unrechtmäßig sind“. Außerdem richte sich dieses Gremium nach Statuten, „die Elemente enthalten, die mit der katholischen Lehre unvereinbar sind.“

Liest man den Brief an die Katholiken Chinas in seiner grundsätzlichen Bedeutung und im Kontext zu den Ende Juni/Anfang Juli veröffentlichten Dokumenten des Heiligen Stuhls, dann zeichnet sich noch deutlicher die Konturen der Kirche ab, die der deutsche Papst in die Zukunft führen will. (vgl. auch: Das Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre „Zu einigen Aspekten bezüglich der Lehre über die Kirche“, von Papst Benedikt XVI. am 29.6. 2007 promulgiert sowie sein Apostolisches Schreiben (Motu proprio) „Summorum Pontificium“ vom 7. Juli 2007 “über den Gebrauch der römischen Liturgie aus der Zeit vor der Reform von 1970“.

5) Die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung CCPA (mit unterschiedlichen Schreibweisen) wurde 1957 von den Maoisten erzwungen, um die katholische Kirche dem Einfluss der Papstkirche zu entziehen, jeglichen Kontakt zum Vatikan zu unterbinden. Gottesdienste sind erlaubt, stehen aber unter staatlicher Kontrolle. Angeblich neigt die Mehrheit der „Patrioten“ inzwischen dazu, den Papst als geistliches Oberhaupt anzuerkennen. Sie ernennen und weihen aber ihre Bischöfe nach Weisung der Regierung und betrachten dies als eine innerchinesische Angelegenheit.

Vizevorsitzender (auch als Generalsekretär bezeichnet) ist der Regierungsbeamte Anthony Liu Bainian, der sich wiederholt scharf gegenüber der römischen Kirche abgegrenzt und diverse unrechtmäßige Bischofsweihen durchgesetzt hat, mit der Begründung, die „Ortskirche“ habe darauf einen legalen Anspruch. Doch weder die „Organisation“ und die von ihr getragene „offizielle Kirche“, noch deren „Bischofskonferenz“ werden vom Vatikan anerkannt. Beiden Institutionen wird jegliche Legitimation abgesprochen, im Namen des Papstes und der Kurie zu handeln. Doch tragen gewisse „Usancen“ den realpolitischen Gegebenheiten Rechnung. Das heißt gewisse Entscheidungen wurden „stillschweigend“ akzeptiert, bis nun der Papstbrief klare Linien gezogen hat.

Nach 2000 setzte eine „Ruhepause“ ein, bis dann erneut Störfeuer auf den Vatikan gerichtet wurde. Chinesische Bischöfe, auch „regierungsamtliche“ erhielten keine Reisegenehmigung, um an der Welt-Bischofssynode im Oktober 2005 in Rom teilzunehmen. Auch hielt die Patriotische Vereinigung an ihrer Praxis fest, Bischöfe ohne Abstimmung mit dem Papst zu ernennen.

Im Jahre 2006 kam es zu neuerlichen Provokationen des Vatikans durch die Ernennung und Weihe von einer Reihe von Bischöfen in verschiedenen Provinzen der Volksrepublik, mit denen die Patriotische Vereinigung in Übereinstimmung mit der Regierung sukzessive die Hierarchie einer „offiziellen“ Kirche, man könnte auch sagen: vom Staat kontrollierten Nationalkirche – zu komplettieren sucht. „Überalterte“ Bischöfe, unter ihnen Neunzigjährige, werden abgelöst, bisher vakante Stühle mit jüngeren Geistlichen besetzt. Wer mit „apostolischem Mandat“ oder ohne sein Amt übernahm, darüber gehen westliche Pressemeldungen auseinander, mit unübersichtlichen und eher Verwirrung als Klarheit stiftenden Ungenauigkeit, je nach dem, wer gerade zitiert wird: ein Regierungsvertreter, ein Mitglied der einen oder anderen katholischen Gruppierung oder der Vatikan.

Wie schwierig die Verhältnisse einzuschätzen sind, zeigt die Weihe von Giuseppe Xing Wenzhu zum Weihbischof in Shanghai am 28. Juni 2005. Angeblich noch von Papst Johannes Paul II. ernannt, nach den Vorgaben der Regierung von Priestern, Ordensfrauen und Laien „gewählt“ (eine Horror-Vorstellung im Vatikan, die an ähnliche Forderungen von Befreiungstheologen erinnert. Der greise Jin Luxian weihte selbst seinen künftigen Nachfolger, angeblich zunächst ohne römisches Plazet. Xing Wenzhu ist übrigens der erste Bischof unter dem Pontifikat von Benedikt XVI.. Der Weihekandidat habe in Rom um die päpstliche Approbation ersucht und erhalten, ebenso liege die nachträgliche „Genehmigung“ für die Weihe seitens der Regierung, wird gesagt. (vgl. 30Tage, Ausgabe Juli/August 2005).

Manche Kritiker sprechen von Verhältnissen wie im „Wilden Westen“. Das ändert wohl auch nichts daran, dass die „patriotischen“ Schismatiker, bei denen alle Voraussetzungen fehlen, automatisch die ganze Schärfe der Kirchenstrafe trifft, d.h. die nach dem Codex fällige Exkommunikation „latae sententiae“, auch ohne förmliches Verfahren. Insbesondere der Bischof von Hong Kong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiu beklagte scharf die Vorgänge in der Volksrepublik.

6) Wie bereits erwähnt, war schon Papst Pius XII. gegenüber den Bischöfen, die sich an der Gründung der staatlich verordneten katholischen „Ersatzkirche“ beteiligt hatten, vorgegangen. Dazu verfasste er eine eigenes Rundschreiben, die Enzyklika Ad Apostolorum Principis vom 29. Juni 1958, an die „verehrten Brüder und geliebten Kinder, Erzbischöfe, Bischöfe, andere Ordinarien und Priester und die Menschen in China, die sich in Frieden und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl befinden.“

Pius XII. warnte seiner Zeit davor, den Kommunisten sozusagen nicht auf den Leim zu gehen. Die Katholiken würden unter dem Vorwand, patriotische Gefühle zu entwickeln und dem internationalen Frieden zu dienen, in eine diese von Rom getrennte Vereinigung gezwungen. Es werde behauptet, sie sollten die besondere Art des chinesischen Sozialismus annehmen und mit den zivilen Autoritäten zusammenarbeiten, um die politische und religiöse Freiheit zu verteidigen. Aber lasse man diese Verallgemeinerungen einmal beiseite, dann zeige sich klar und deutlich, dass in Wirklichkeit ein Betrug sei, was da unter dem Begriff des Patriotismus auftrete und allein darauf abziele, dass Katholiken schrittweise die Lehren des atheistischen Materialismus annehmen, „durch den Gott selbst verneint und religiöse Grundsätze zurückgewiesen“ werden.

Auch die Frage der Bischofsweihen beantwortet er eindeutig: Die „Macht der Jurisdiktion“ sei direkt durch göttliches Recht auf den Obersten Hirten (also den Papst) übertragen und, mit dem selben Recht, auf die Bischöfe. Diese seien im Gehorsam gegenüber dem Nachfolger des Petrus und durch das Band der Einheit auf diese Heilige Ordnung hin verpflichtet.

Der Exkommunikation anheim fallen Bischöfe, die sich an der Weihe von Bischöfen beteiligen, die (nicht von Rom) sondern von der CPA ausgewählt sind. Selbst wenn die Weihen gültig sind, soweit dies die Konsekration als solche betrifft, so sind sie doch ein schwerer rechtlicher Verstoß, das heißt strafwürdig und frevelhaft.

7) In dem Bemühen, die kirchlichen Strukturen nicht völlig dem kommunistischen Staat zu überlassen, waren den „Untergrundkatholiken“ Anfang der 80er Jahre Sonderrechte seitens des Apostolischen Stuhls eingeräumt worden. Der damalige brasilianische Kurienkardinal Agnelo Rossi, von 1970 bis 1984 Präfekt der „Kongregation für die Evangelisierung der Völker“ (der früheren Propaganda Fide, teilte im Dezember 1981 über geheime Kanäle mit, dass der Papst (Johannes Paul II.) beschlossen habe, die „leidgeprüften Christen Chinas“ nicht weiter ohne rechtmäßige Hirten zu lassen. Da der Heilige Stuhl daran gehindert sei, direkt tätig zu werden, autorisiere der Papst „rechtmäßige, dem Heiligen Stuhl treue Bischöfe“, die für das geistliche Wohl der Katholiken und der gesamten Kirche in Chinas die erforderlichen Schritte zu ergreifen. Die . Die Sonderbefugnisse betrafen auch das Zugeständnis, kanonische Rechtmäßigkeit vorausgesetzt, dass die Bischöfe ihre eigenen künftigen Nachfolger (Koadjutoren) sowie Bischöfe der angrenzenden Diözesen zu wählen und zu weihen. „Bei Kommunikationsschwierigkeiten“ oder „in dringenden Fällen“ sollte dies auch möglich sein, „ohne den Heiligen Stuhl vorher davon zu unterrichten.“

Diese Maßnahme des polnischen Papstes, der im Umgang mit Kommunisten keine Sprachprobleme kannte, entbehrte nicht einer politischen Brisanz. Der Partei war natürlich klar, dass dies einer Stärkung der katholischen Untergrundgemeinschaft und einer Absage an eine innerchinesische, staatlich kontrollierte Nationalkirche gleichkam. Auch dass Brief von Kardinal Rossi an den Geschäftsträger der Nuntiatur Taiwan gerichtet war, mit der Weisung, den Inhalt des Schreiben den rechtmäßigen Bischöfen Kontinentalchinas zukommen zu lassen, und zwar diskret, dürfte den Sicherheitsorganen nicht entgangen sein. Daraus ließ sich nach bekannter Manier der Vorwurf der Konspiration und Spionage konstruieren. Ebenso konnte nicht übersehen werden, dass in jenen Monaten die „polnischen Ereignisse“ in der Verhängung des Kriegsrechtes am 13. Dezember 1981 auf einen dramatischen Höhepunkt zuliefen.

In der Volksrepublik China sahen sich die christlichen Gruppierungen, die sich der Kontrolle der Staatsmacht entzogen, massiver Verfolgung ausgesetzt, verbunden mit drakonischen Strafen. Auch nach dem Brief aus dem Vatikan ließ die Reaktion nicht lange auf sich warten. 1982 griff die kommunistische Partei Chinas an. Im Zentralkomitee wurde gefordert, die Untergrundkirche nun endlich zu zerschlagen. (vgl. auch Gianni Valente: Der weite Weg und die „belanglosen Zwischenfälle“, in: 30 Tage in Kirche und Welt. Nr. 1 – 2007 – http://www.30giorni.it)

Noch einmal versuchte die römische Kurie Ende der 80er Jahre durch eine „chinesische Fakultät“ (Sonder-Erlaubnis). Erneut war diese Aufgabe der Kongregation für die Glaubensverbreitung übertragen. 1988 schrieb Kardinal Tomko als Präfekt dieser Kurienbehörde einen Brief an alle Bischöfe der Welt. (Jozef Kardinal Tomko, Jg. 1924, slowakischer (emeritierter) Kurienkardinal, Präfekt der Kongregation für die Evangelisierung der Völker von 1985 – 2001 und Großkanzler der Päpstlichen Universität Urbaniana (der vatikanischen Hochschule für Studierende insbesondere aus den ehemaligen Missionsländern).

Das vertrauliche Schreiben erläuterte „Richtlinien des Heiligen Stuhls zu einigen Problemen der Kirche in Kontinentalchina“. Dieses Dokument schien weniger die schismatische Situation in der Volksrepublik zu betonen, als Möglichkeiten hinzudeuten, die Spannungen zu mildern und Wege zu einer kirchlichen Einheit, wann immer sie erreicht würde, aufzuzeigen

Den sogenannten „Acht Tomko-Punkten“ zufolge dürfen die Sakramente auch von Priestern empfangen werden, die den „Patriotischen Strukturen“ angehörigen, vorausgesetzt, ihre Weihe war gültig. Die Untergrundgemeinden sind angehalten, sich mit Äußerungen zurückzuhalten, die von der Staatsmacht als Provokation empfunden werden. Andererseits sollten sie aber die verbindliche katholische Glaubenslehre beachten, keine Dinge tun, die von dieser abweichen. Keinen Kompromiss erlaubt auch der Tomko-Brief: Unrechtmäßige Bischofsweihen ziehen automatisch die Exkommunikation „latae sententiae“ nach sich.

(Das römisch-katholische Kirchenrecht legt fest: „Ein Bischof, der jemanden ohne päpstlichen Auftrag zum Bischof weiht und ebenso, wer von ihm die Weihe empfängt, zieht sich die dem Apostolischen Stuhl vorbehaltene Exkommunikation als Tatstrafe zu.“ vgl. Can. 1382 / Codex Iuris Canonici – Codex des kanonischen Rechtes, deutsche Übersetzung, Kevelaer 1983)

Im Zeitalter von Mobiltelefonen und Internet scheinen die „Kommunikationsschwierigkeiten“ auch mit den Katholiken in der Volksrepublik China nicht mehr so gravierend. Benedikt jedenfalls hat einen Schlussstrich unter die Sonderwege für Chinas Kirche gezogen. In seinem China-Brief stellt er fest: „In Anbetracht der besseren Möglichkeiten und der Erleichterungen im Bereich der Kommunikation und schließlich auch in Anbetracht der Bitten, die verschiedene Bischöfe und Priester an den Heiligen Stuhl gerichtet haben“ hebe er „mit diesem Schreiben alle Befugnisse auf, die gewährt wurden, um den besonderen, in wahrhaft schweren Zeiten aufgetretenen pastoralen Erfordernissen zu begegnen.“ Dasselbe gelte bezüglich „der älteren und neueren Weisungen pastoraler Natur“.

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