Archiv des MonatsOctober, 2007

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 6)

Die Nixon-Ära

Der folgende Beitrag befasst sich mit Unterlagen, die insbesondere die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Vatikan während der Ära der Nixon-Administration betreffen. Die nachrichtendienstlichen Aufzeichnungen wird man nicht als Korrektiv einer revisionsbedürftigen wissenschaftlichen Geschichtsschreibung lesen, wohl aber als aus der tagesaktuellen Sicht resultierender Kontext zu historischen Nachbetrachtungen, „post bellum“.

Das Jahr 1968 stand im Zeichen der Präsidentschaftswahlen in den USA und war überschattet von den Attentaten auf Pastor Martin Luther King Jr. (am 4. April), den weltweit bekannten Sprecher der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und Robert Kennedy, (am 6. Juni), Senator und ehemaliger Justizminister, Präsidentschafts-Kandidat der Demokraten, ein scharfer Kritiker des Vietnam-Krieges. Präsident Johnson, der sich selbst nicht mehr bewarb, hatte die Einstellung der Bombardierung Vietnam zum 1. November ankündigt, was ihm als wahltaktisches Manöver ausgelegt wurde.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 5)

Wetterleuchten des Kalten Krieges

Der Kalte Krieg ist tot, es lebe der Kalte Krieg, möchte man nüchtern sagen unter den politischen Klimaverhältnissen zwischen (immer noch) Ost und West im Herbst 2007. Sicher, die „russischen Gespräche“ in Wiesbaden (1) standen im Zeichen eines Goldenen Oktobers – aber das war wohl eher für die Schaubühne gedacht, hinter den Kulissen des Gipfeltreffens zwischen Bundeskanzlerin und russischem Staatspräsidenten war ein Wetterleuchten unübersehbar: Washingtons Raketenschild gegen islamistische „Terror-Angriffe“ und die dazu gehörenden geplanten amerikanischen Leitsysteme in Polen und in Tschechien, Irans Spiel mit dem nuklearen Feuer. Angela Merkel schloss Sanktionen gegen Teheran nicht aus und George W. Bush nahm das Wort vom Dritten Weltkrieg in den Mund.

Wladimir Wladimirowitsch Putin wiederum eilte von Wiesbaden aus direkt nach Teheran, um russische Interessen zu vertreten. Er will sich auch nicht mehr an die militärischen Sperrverträge über Truppenkontingente und nukleare Mittelstreckenraketen (KSE und INF) halten. Kaum nach Moskau zurückgekehrt, setzte er noch eins drauf und zielte auf den Krieg der USA im Irak. Sie könnten zwar schießen, aber keine Ordnung schaffen. Nicht genug der Schärfe kündigte er während seiner Bürgersprechstunde per Fernsehen „grandiose Aufrüstungspläne“ an, inklusive „vollkommen neuer nuklearstrategischer Systeme“. (2)

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 4)

Ein Spitzel war immer dabei

Papst Paul VI. folgte seinem Vorgänger in den Bemühungen, der Kirche in den sozialistischen Ländern Lebens- und Überlebensmöglichkeiten zu sichern. Sie ging mit einem feststehenden Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch ein, als „neue vatikanische Ostpolitik“. Als deren „Architekt“ galt der Karriere-Diplomat, „Außenminister“ der Kurie und schließlich Kardinal und Staatssekretär Seiner Heiligkeit, also die Nummer Zwei nach dem Papst: Agostino Casaroli. Er selbst sprach ungern von „Ostpolitik“ sondern zog den Begriff „Diplomatie der Seelsorge“ vor, um treffender zu kennzeichnen, worum es dem Apostolischen Stuhl ging, wenn der Emissär nach Belgrad und Berlin, Prag und Budapest und nicht zuletzt nach Moskau reiste. Um es kurz zu machen: Ein Stasi-Spitzel war immer dabei. Es würde die Möglichkeiten dieser Berichts-Serie überfordern, jedes einzelne Dokument zu besprechen. genügt wohl, einige wenige Schriftstücke auszuwählen, um die ganze „Bandbreite“ und die Intention der „Aufklärung“ und „operativen Maßnahmen“ der „Sicherheitsorgane“ der Warschauer Vertragsstaaten in dem genannten Zeitraum darzulegen.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 3)

Chinesische Passion

In die Schreibarbeit zu Stasi-Informationen aus der Zeit des Pontifikats von Papst Paul VI. platzen weitere verwirrende Nachrichten aus der Volksrepublik China, geschehen Anfang September 2007. Ein Bischof der „romtreuen Untergrundkirche“ in der Diözese Yong Nian in der Provinz Hebei sei auf mysteriöse Weise gestorben, berichtet die in den Vereinigten Staaten ansässige „Kardinal Kung Stiftung“. Insgesamt 35 Jahre seines Lebens habe Bischof Han Dingxiang in Arbeitslagern, im Gefängnis oder unter Hausarrest verbracht. Zur Todesursache des Geistlichen, der 71 Jahre alt wurde, würden die Behörden schweigen; sie hätten jedoch angeordnet den Leichnam des Geistlichen umgehend einzuäschern. Die sei in einer Art „Nacht-und-Nebel-Aktion“ geschehen. Wie weiter bekannt wurde, sei der Bischof einer „nicht näher spezifizierten Erkrankung“ erlegen, nachdem er aus der Haft in ein Krankenhaus verlegt worden sei.

Am selben Tag eine zweite Meldung: Die südchinesische Diözese Guizhou habe einen neuen Weihbischof. Der von der Patriotischen Vereinigung vorgeschlagene Kandidat, Pater Paolo Xiaou Zejiang sei vom Vatikan anerkannt worden. Damit habe Papst Benedikt bereits den zweiten mit Billigung der Staatsmacht ernannten Bischof akzeptiert. Wie Ende Juli die Weihe von Josef Li Shan als Bischof von Peking. Obwohl die Patriotische Vereinigung, die als katholische Staatskirche gilt, den Papst nicht als Oberhaupt anerkannt.

Es scheint, als werde die „offizielle Linie“ von der chinesischen Führung modifiziert, wie auch der Vatikan sich offenbar flexibel zeigt, mit dem Ziel einer „vietnamesischen Lösung“ – etwa durch einen den Verhältnissen entsprechenden Wahlmodus für die Hierarchie. Benedikt XVI., der im Mai noch mit einem Brief an die chinesischen Katholiken auf seinen Jurisdiktionsprimat verwies und „die Ernennung von Bischöfen durch die Staatskirche als unvereinbar mit dem Kirchenrecht abgelehnt habe, wende sich immer mehr gegen die katholische Untergrundkirche im Land, die sich weiterhin nur Rom verpflichtet sehe schreibt Die ZEIT in ihrer Internet-Ausgabe. (1)

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 2)

Krieg der Propaganda

In die „Flötentöne“ aus dem Osten, die von Entspannung statt Konfrontation im Verhältnis zum „kapitalistischen und imperialistischen Westen“ sprechen, mischen sich schrille Dissonanzen, wenn man die Rede nachliest, die der stellvertretende KGB-Vorsitzende, Generalleutnant Viktor Tschebrikow, auf einer Konferenz der Staatssicherheitsorgane der Warschauer Vertrags-Staaten in Polen hielt. Die Beratung fand 1975 in Warschau unter der organisatorischen Leitung des polnischen Innenministeriums und dem „Genossen Minister“ General Kowalczyk statt. (1) In seiner, die übliche Redelänge (51 Textseiten in der deutschen Übersetzung) umfassenden Ansprache, zieht einer der ranghöchsten sowjetischen Geheimdienst-Chefs alle Register des verbalen Kalten Krieges. Seine Angriffe sind gegen die Religionsgemeinschaften allgemein gerichtet, aber insbesondere gegen den „Vatikan.“ Manche Passagen gleichen sich bis aufs Wort der Rede, die der sowjetische „Religionsminister“ Wladimir Kurojedow 1972 in Sofia gehalten hatte. (siehe „Im Kreuz die Wahrheit“, Folge 1). Ein kleines Indiz dafür, wie die für „religiöse Angelegenheiten“ zuständige Behörde und die allgegenwärtige Staatssicherheit zusammenarbeiteten.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar