Im Kreuz die Wahrheit (Folge 7)

Zornesblitze aus Peking

Jetzt haben die Roten Mandarine in Peking ihre Zornesblitze auch gegen Papst Benedikt XVI. geschleudert. Er solle sich nur nicht einfallen lassen, dem Dalai Lama die Hand zu geben, warnten sie, etwas salopp zitiert. Im Originalton des Sprechers des chinesischen Außenministeriums klang das diplomatischer aber nichtsdestoweniger unmissverständlich: „Wir hoffen, dass der Vatikan nichts unternimmt, was die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt, und Ernsthaftigkeit zeigt, die Beziehungen zu China durch konkrete Schritte zu verbessern“. (1)

Anlass für die Demarche, wenn auch auf unterer diplomatischer Ebene vorgetragen, gab eine noch nicht einmal vom Vatikan bestätigte Meldung, der Papst wolle am 13. Dezember 2007 die höchste weltliche Autorität der Tibeter in Audienz empfangen. Ähnlich Schimpfkanonaden hatte die kommunistischen Führung auf den österreichischen Regierungschef Alfred Gusenbauer, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel und den amerikanischen Präsidenten George W. Bush abgefeuert. Diese hatten sich, der chinesischen Reaktion durchaus gegenwärtig, gleichwohl nicht abhalten lassen, das im indischen Exil lebende tibetisch-buddhistische Oberhaupt zu treffen. Auch den Papst wird die Warnung aus Peking nicht sonderlich beeindrucken. Doch handelt es sich in diesem Fall um eine etwas anders gelagerte Angelegenheit. Politisch wird sich der Pulverdampf in absehbarer Zeit legen; der Vatikan aber produziert keine Autos, keine Transrapidstrecken und kauft kein chinesisches Spielzeug. Mit ihm kann man, wenn man will – und die Beispiele der Vergangenheit zeigen es – leichter umspringen. Es könnte die Katholiken in der Volksrepublik treffen, nicht die „staatlich anerkannten“ sondern jene, die vor allem ihre Treue zum Papst betonen, die so genannte „Untergrund-Kirche.“

Man kann in diesem Fall nicht einmal von einem ungünstigen Zeitpunkt des neuerlichen Ärgernisses sprechen, da der Papst sich gerade in letzter Zeit bemüht gezeigt hat, einen modus vivendi mit der chinesischen Führung zu finden, durch manches Entgegenkommen bei der Zustimmung zur Weihe von Bischöfen, die von der Patriotischen Vereinigung vorgeschlagen wurden, also von der „Staatskirche.“ Es ist ein ständige Wechselspiel von Heiß und Kalt in den nicht existierenden diplomatischen Beziehungen. Insofern und im Übrigen aus grundsätzlichen Erwägungen, wird der Papst sich nicht vorschreiben lassen, mit wem er spricht und mit wem nicht. Besucht der Dalai Lama den Apostolischen Palast oder nicht – es wird sich zeigen, wie Peking darauf reagiert.

China und die Menschenrechte

Mit welcher Intensität sich die chinesischen Staatssicherheitsorgane dem Vatikan „widmen“ kann man nur vermuten. Es gibt dazu keine verlässlichen Informationen. Zu allerlei Vermutungen geben allerdings die Aktivitäten der chinesischen Geheimpolizei gegen missliebige Christen, ob Einzelpersonen oder Gemeinden, immer wieder Anlass. Dies gilt insbesondere für jene, die sich in Treue allein an den Papst gebunden fühlen und mit Katholischen Patriotischen Vereinigung, nichts zu tun haben wollen. Diese vom Staat legalisierte und kontrollierte Organisation ist die gesetzliche Trägerin des vom kommunistischen Regime akzeptierten Teils der katholischen Kirche in China.

Ende August 2007 wurde der Minister für Staatssicherheit Xu Yongyue (65) von seinem Stellvertreter Geng Huichang (56) abgelöst, „rechtzeitig“ vor dem Kongress der Kommunistischen Partei Chinas im Oktober und im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele, die im kommenden Jahr in Peking stattfinden. Bis dahin soll er wohl die „Menschenrechtsfrage“ in die Hand nehmen. Auch die Kirche erhofft sich eine Wende zum Besseren. Das harte Durchgreifen chinesischer Staatssicherheitsorgane gegen regimekritische Katholiken, ungeachtet der Dialog-Angebote von Papst Benedikt XVI. und gewisser Entgegenkommen bei der Wahl der vom Staat bestimmten Bischöfe der Patriotischen Vereinigung, deutet noch nicht auf einen grundsätzlichen Sinneswandel Pekings hin. (2)

Vom Wert des Lebens

Über die weltpolitischen Themen des Jahres 1968 wurde bereits in vorausgegangenen Folgen geschrieben. Mit zwei weiteren Ereignissen, die in einem gewissen Zusammenhang stehen, befasst sich dieser Beitrag:

Papst Paul VI. veröffentlicht seine Enzyklika „Humanae vitae“ (3). In dem Rundschreiben verbietet er die künstliche Empfängnisverhütung. Die „Pillen-Enzyklika“ löst einen Proteststurm vor allem in den „modernen Gesellschaften“ aus und verleitet auch viele Katholiken zum „Ungehorsam“.

Die Enzyklika sei bereits im März 1968 vorbereitet worden, berichtet der ungarische Geheimdienst in einer „Information“ über die Reaktionen auf das päpstliche Rundschreiben. Der Papst habe es vor den Osterferien bekannt geben wollen, sich dann aber entschlossen, die Enzyklika erst Ende Juli zu veröffentlichen, einen Monat vor seiner Reise nach Bogotá. (4)

Widerstand habe „in erster Linie das vollständige Verbot der Benutzung von Mitteln der Geburteneinschränkung sowohl in den Kreisen der Priester als auch bei einem Teil der Gläubigen“ hervorgerufen. „Im Vatikan traf eine gewaltige Menge von Briefen ein“, teilen die ungarischen Stellen mit. „Viel Persönlichkeiten der Kirche aus den westeuropäischen Ländern, vom amerikanischen Kontinent und Missionare aus den Ländern der Dritten Welt“ hätten ihre Missbilligung hinsichtlich der Enzyklika geäußert. Dieses Bild, „das den Protest und die negative Meinung der kirchlichen Persönlichkeiten zum Ausdruck bringt, ist nicht ganz vollständig, da die meisten Priester aus Angst vor der Verhängung disziplinarischer Maßnahmen durch die Kirchenführer es nicht wagten, offen ihre Meinung zu äußern.“

Kirche in Lateinamerika: „Quo Vadis“?

Die östlichen Geheimdienste werden schon im Vorfeld der Papstreise nach Kolumbien (vom 21. bis 25. August 1968) aktiv. Aus dem Staatssekretariat sollen diesbezügliche Informationen beschafft werden. Diese Reise sei „die bisher bedeutendste politische Reise, da die früheren Reisen eher Propaganda- oder Prestigecharakter trugen.“ (5)

Der Vatikan sei wegen der Gegensätze zwischen einer „modernistischen“ und einer „konservativen“ Gruppe innerhalb der brasilianischen Bischofskonferenz besorgt. Angesichts des angespannten Verhältnisses zur Regierung müsse die Kirche aber zu einer einheitlichen Linie finden. „Der Papst verheimlicht nicht seinen Wunsch, dass die reaktionäre Ordnung in den Ländern Lateinamerikas einen demokratischeren Charakter annimmt. Im gegenwärtigen Moment ist er dafür, dass die lateinamerikanischen modernistischen Bischöfe keine zu radikalen Tendenzen vertreten.“

Unter dem Datum vom 18. März 1968 notiert das MfS eine „Information“, wonach „der Erzbischof der Stadt Recife (Brasilien) Camara“ (6) dem Papst einen Brief geschickt habe, „in dem er sich im Namen von 27 Bischöfen an den Papst mit der Bitte wendet, seine Position hinsichtlich einiger konkreter Revolutionen in Südamerika zu bestimmen und unabhängig davon, daß die Kirche den evolutionären Entwicklungsweg vertritt und Revolutionen verurteilt, die die Unordnung zur gesetzlichen Kraft erheben, die Notwendigkeit dieser Revolutionen anzuerkennen.“

Der Brief sei in einem „pessimistischen Ton“ geschrieben. Camara äußere die Hoffnung, daß es der Kirche gelingen möge, aus dieser „zwiespältigen Lage“ herauszukommen, in der sie sich gegenwärtig in Südamerika befinde und dass das Päpstliche Komitee für Südamerika nicht „mit Hilfe veralteter Methoden und Befehle der Kurie“ handeln, sondern den ihm unterstellten Kirchen Südamerikas „durch gute Ratschläge im demokratischen Geist helfen“ werde“.

„Information“ vom 30. Mai 1968: 57 lateinamerikanische Bischöfe, darunter zwei Kardinäle, haben in den ersten Februartagen des Jahres 1968 eine Brief an den Papst geschickt, in dem sie die Nuntien in Südamerika beschuldigen, die Entwicklung der katholischen Kirche zu hemmen, dem kirchlichen Leben Hindernisse in den Weg zu stellen und die Verwirklichung der Beschlüsse des Ökumenischen Konzils zu hintertreiben. Von wenigen Ausnahmen abgesehen handelten sie wie „allmächtige Kirchenführer“ und verhielten sich „gegenüber einigen Bischöfen als Despoten“. In dem Brief werde festgestellt: „Dank den Nuntien ist die katholische Bewegung in Lateinamerika zurückgeblieben und muss immer das gegebene gesellschaftliche Regime unterstützen, auch wenn es sich nur durch offenen Terror an der Macht hält.“ Das ist nachrichtendienstliches Material, wie es für die Zersetzungsarbeit verlangt wird.

Eine „Information“ vom 24. Juni 1968: „Die Entführung des Erzbischofs Casriego von Guatemala (7) sei inszeniert worden“, um die geplante Reise des Papstes nach Bogotá zu stören. Die Konservativen in der Kurie verdächtigten die Trotzkisten und Anhänger Castros, die Aktion durchgeführt zu haben, obwohl die Presse die Aktion rechten Kräften zuschreibe. Der Bericht des Nuntius widerlege diese Ansicht. Linke Bewegungen erwarteten vielmehr, dass der Papst im Geist der Enzyklika „Populorum Progressio“ auftreten und dadurch die Massen inspirieren werde. Dies werde der „propagandistischen Tätigkeit“ der linken Kräfte helfen. Diese befürchten, so die vatikanische Quelle der Ungarn, dass katholische Bewegungen durch den Besuch des Papstes erstarkten und gleichzeitig die Linke geschwächt werde.

„Information“ vom 19. August 1968: Die Ungarn melden aus dem Vatikan Einzelheiten „Über die Rede des Papstes, die er in Bogotá halten wird“. Im ersten Teil gehe es um „die Verteidigung des Glaubens“, im zweiten Teil um „die Frage des Priestermangels“, im dritten Teil um „die soziale Lage“. Der Heilige Stuhl wolle eine aktive Rolle bei der Lösung der sozialen Probleme in diesem Teil der Erde übernehmen. Dies betreffe die Beseitigung der sozialen Ungerechtigkeit, eine gerechte Verteilung der Güter, eine Bodenreform, Maßnahmen gegen die „Monopole“. Der Vatikan sei allerdings dagegen, „dass sich die Tätigkeit in einen politischen Kampf verwandelt und sich gegen die herrschenden Klassen und auf den Sturz der bestehenden Gesellschaftsordnung richtet.“ Verurteilt würden Gruppierungen, die von einigen katholischen Priestern gebildet worden seien, „nach dem Beispiel von Camilo Torres“ (8), und „Demonstrationen organisieren“. Der Vatikan wende sich auch gegen die „Modernisten“ unter den Priestern in Brasilien. Soziale und politische Tätigkeit habe allein den Weisungen des Vatikans zu folgen.

Vorrangige Option für die Armen

Im Sommer 1968 hatte sozusagen die Stunde der Befreiungstheologie geschlagen, als die Bischöfe der Zweiten CELAM-Generalversammlung im kolumbianischen Medellin die Wende in der Position der katholischen Kirche auf dem Kontinent einläuteten, sich für die „vorrangige Option für die Armen“ aussprachen und sich dem Makel der historischen Allianz von „Thron und Altar“ befreiten. Papst Paul VI. hatte durch seine Reise nach Bogotá zur Eröffnung dieser Bischofsversammlung, dem Projekt gewissermaßen seinen Segen gegeben, seine Enzyklika „Populorum progressio – Über den Fortschritt der Völker“, im Jahr zuvor veröffentlicht, gab ihnen den Leitfaden in die Hand.

Im Dezember 1968 berichten die Ungarn über das „Echo auf die Reise Pauls VI. nach Bogotá“. Inhalt und Stil entsprechen der bekannten „Linie“. Die Agenten berichten über eine Beschwerde des Apostolischen Nuntius in Kolumbien gegenüber dem Staatssekretariat, wonach sich die vatikanischen Diplomaten in anderen Ländern Lateinamerikas darüber beklagt haben, nicht offiziell zum Eucharistischen Kongress mit dem Papst nach Bogotá eingeladen worden zu sein. Wo doch zu „ihrer Aufgabe die Kontrolle gehört, wie die Bischöfe Lateinamerikas die Aufgaben erfüllen, die ihnen vom Papst gestellt wurden.“

Die Nuntien bevollmächtigen ihren Kollegen in Bogotá gegenüber dem Staatssekretariat vorzubringen, dass sich ihre Lage in den einzelnen Bischofskonferenzen „wesentlich erschwert“ habe und der Widerstand dieser Bischöfe weiter gewachsen sei, da einige von ihnen, die die Rede des Papstes in Bogotá als Billigung ihrer Handlungen einschätzten, sich weigerten, die Forderung der Nuntien zu erfüllen. Dies wirke sich auf die Beziehungen zwischen den einzelnen Regierungen und Nuntiaturen aus. (9)

Andererseits findet der Botschafter des Papstes in Kolumbien lobende Worte, wie die Ungarn von ihrer vatikanischen Quelle erfahren. Der Besuch von Paul VI. habe auf die Bischöfe Kolumbiens „einen fruchtbaren Einfluss“ ausgeübt. Sie seien von seiner „salomonischen Weisheit und Vorsicht“ begeistert. Es sei ihm gelungen, „alle zufrieden zu stellen und keinen zu `verletzen´“. Dies galt, dem Bericht des Nuntius zufolge, offenbar nur für die Bischöfe. Anders die „niedere Geistlichkeit“: Sie sei isoliert und enttäuscht worden. Nach Meinung der konservativen Priester hätten die Reden des Papstes „mehr soziale Probleme als religiöse“ betroffen. Dies habe angeblich die Unzufriedenheit der mittleren Schichten und herrschenden Klassen hervorgerufen. Diese meinten, der Papst hätte vor allem Fragen des Glaubens berühren sollen.

Keine Freunde, so erfahren die ungarischen Stasi-Leute von ihrem vatikanischen Informanten, hat sich Paul VI. während seines Aufenthaltes in Bogotá auch unter einer gewissen Spezies der kolumbianischen Oberschicht gemacht. Das Verhalten des Papstes habe die Plantagenbesitzer Kolumbiens, „die es als demagogisch einschätzten“, nicht befriedigt. Südamerika sei ein katholischer Kontinent, und es sei nicht notwendig, mit solchen Methoden Anhänger für die katholische Kirche zu werben. Der Papst habe eventuell Gründe, solche Reden in Europa oder Indien zu halten, jedoch auf keinen Fall dürfe man das in Lateinamerika tun. Sie erklärten dies mit dem Einfluss der „roten Popen“ (gemeint sind die zum „progressiven“ Kreis zählenden Kurien-Kardinäle) im Vatikan auf die Haltung des Papstes, die ihrer Meinung nach Paul VI. nicht richtig über die Lage in Lateinamerika informierten.

Für die Tschekisten war die innerkirchliche Kontroverse ein „gefundenes Fressen“, bestens geeignet, in die bekannte Werkzeugkiste zu greifen: Die Kirche spalten, zersetzen. Auch lassen sich Gegensätze zwischen den Konfessionen anheizen. Etwa zwischen dem Ökumenischen Rat der (nicht-katholischen) Kirchen und dem Vatikan. So berichten die Ungarn, der Weltkirchenrat habe auf einer Präsidiumssitzung „die Befreiungstheologie als eine mit den Anforderungen der Epoche übereinstimmende neue Bestrebung gekennzeichnet. Die Befreiungstheologie könnte „bei der Beseitigung der angehäuften sozialen Ungerechtigkeiten eine große Rolle spielen.“

Die Führung des Weltkirchenrates vertrete die Meinung, dass der Vatikan „durch die Ablehnung der neuen Ideologie in den Ländern der Dritten Welt beträchtlich an Autorität verlieren kann“.

Fortsetzung folgt

Fußnoten:

1) vgl. news.orf.at v. 2.11. 2007.

2) Ministerium für Staatssicherheit (Guojia Anquan Bu, Kurzform: „Guoanbu“). Die zentrale Sicherheitsbehörde wurde 1983 vom Politbüro des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas (KPC) geschaffen und vom Nationalen Volkskongress bestätigt. Sie ist dem Staatsrat direkt unterstellt. U.a. Departments für Inland (1. Büro), Auslandsaufklärung (2. Büro), Koordination der örtlichen Sicherheitsorgane (5. Büro), Gegenspionage (6. Büro).

3) Enzyklika „Humanae Vitae“ – Über die rechte Ordnung der Weitergabe des menschlichen Lebens. Veröffentlicht am 25.7. 1968. Kernsatz: Jeder einzelne eheliche Akt ist nur dann sittlich, wenn er für die Weitergabe des Lebens offen ist. Entgegen der Empfehlung einer Fachkommission, maßvolle und „humane“ Mittel der künstlichen Empfängnisverhütung zu gestatten, z.B. die so genannte „Anti-Baby-Pille“, übernimmt Paul VI. das Minderheiten-Votum einer Fünfer-Gruppe, zu der auch der Krakauer Erzbischof Karol Wojtyla gehörte. Die deutschen Bischöfe reagieren mit der „Königsteiner Erklärung“ vom 30. August 1968, in der die Eigenverantwortung der Eltern für die Zahl ihrer Kinder betont und in der Öffentlichkeit als Zustimmung auch zur „Pille“ verstanden wird. In der Auseinandersetzung um die Schwangeren-Konfliktberatung in den 90er Jahren wurde diese Interpretation der „Königsteiner Erklärung“ durch Kardinal Lehmann stark relativiert.

4) Im August 1968 reiste der Papst nach Kolumbien, zur Teilnahme am Eucharistischen Weltkongress in Bogotá und zur Eröffnung der Zweiten Versammlung des lateinamerikanischen Bischofsrates CELAM, der am Tagungsort in Medellin die „vorrangige Option für die Armen“ proklamiert. Paul VI. hielt sich vom 21. bis 24. 8. in Bogotá auf, auf der Rückreise legte er einen Zwischenstopp auf den Bermudas ein.)

5) Die Ausführungen zur Reise von Papst Paul VI. nach Bogota beziehen sich auf einer Reihe sogenannter „Informationen“ der „Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik“. Die Ermittlungen wurden über die Abteilung X (internationale Verbindungen) des MfS der „Kirchenabteilung“ zur Verfügung gestellt. Vgl. MfS – HA XX/4 – Sammel-Signatur Nr. 652, u.a. v. 18.3., 30.5. und 23. 12. 68.

6) Dom Hélder Cámara (1909-1999), Erzbischof von Olinda und Recife. Dem Kardinal Montini und nachmaligen Papst Paul VI. eng verbunden. In Absprache mit Montini gründete er in den fünfziger Jahren die brasilianische Bischofskonferenz und den lateinamerikanischen Bischofsrat CELAM. Vorbild einer „Spiritualität der Armut“ insbesondere für viele junge Christen. Auf dem Eucharistischen Weltkongress 1976 in Philadelphia/USA wurden er und Mutter Teresa von Kalkutta als „Heilige unserer Zeit“ („Living Saints“) gefeiert.

Die Päpstliche Kommission für Lateinamerika war 1955 von Papst Pius XII. ins Leben gerufen worden, um die erste Versammlung aller Bischofskonferenzen des Kontinents zu organisieren. 1963 von Papst Paul VI. um einen Generalrat erweitert und 1969 in die Kongregation für die Bischöfe integriert.

7) Mario Casariego y Acevedo, CRS, (1909-1983, ab 1964 Erzbischof von Guatemala (mit Sitz in Guatemala Ciudad), 1968 einige Tage in der Hand einer Terroristengruppe, 1969 zum Kardinal ernannt.

CRS (Orden der Somasker /Ordo ClericorumRegularium a Somascha / Chierici Regolari di Somasca), italienische Kleriker-Genossenschaft, gegr. von Girolamo (Hieronymus)Ämiliani, aus wohlhabender venezianischer Familie stammend, General, nach wundersamer Befreiung aus Kriegsgefangenschaft spirituelle Erweckung und Umkehr, 1518 Priesterweihe. Widmet sich der Pflege von alten und kranken Menschen und errichtet Waisenhäuser in Norditalien. Nach Ansteckung der Pest erlegen. Papst Clemens XIII. spricht ihn 1767 heilig, Papst Pius XI. erklärt ihn zum „Patron der Waisen“. Die Kongregation, ursprünglich von ihrem Stifter „Gesellschaft der Diener der Armen“ genannt, wurde nach seinem Tod umbenannt unter Bezug auf Girolamos letzten Aufenthalts- und Sterbeort Somasca am Comer See. Zum Orden gehört auch eine belgische Brüdergemeinschaft, die sich der sozialkaritativen Arbeit widmet, insbesondere alten und kranken Männern.

8) Der kolumbianische Priester Camilo Torres, Soziologie-Professor, hatte sich der Guerilla angeschlossen, „das Brevier mit der Kalaschnikow“ vertauscht und war im Kampf – „Sieg oder Tod“ – gefallen.

9) HA XX/4 – Nr. 652 , Abt. X v. 27.12. 68 / Tgb. Nr. X / 3300 / 68

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