Im Kreuz die Wahrheit (Folge 10)

Mit Marxisten sprechen?

„Die Idee des Kommunismus, das größte Wohl für die Menschen auf der Erde zu schaffen, ist nicht schlechter, als die Idee des Christentums“, sagt Irina Antonowa in einem Interview, das im September 2007 in einer deutschsprachigen Monatszeitschrift erschien. (1)

Solche Bekenntnisse waren in Zirkeln marxistischer Intellektueller bereits vor dreißig, vierzig Jahren zu hören. Nahmen sie christlichen Theologen die eingeimpfte Berührungsangst vor der „gottlosen“ Theorie, ohne die christlich-biblisch fundierte Lehre zu desavouieren? Nein, gleichsetzen wollte man sich nicht, aber vielleicht konnte man sich an denselben Tisch setzen und herausfinden, ob es gemeinsame Ansätze gab, die Welt besser zu machen, als sie sich darstellte. Jeder nach seiner Facon. Aber war die möglich, ohne die eigene Idee, pardon: das Christus-Vermächtnis zu verraten? Leonardo Boff, einer der Wortführer der lateinamerikanischen Befreiungstheologie verwahrte sich im Frühjahr 2007 scharf gegen die Unterstellung, die Theologie der Befreiung sei marxistisch orientiert.

Der ehemalige Franziskaner hat, nach einigen Konflikten mit der römischen Glaubensbehörde, die ihm ein „Bußschweigen“ eintrug „schlussendlich“ sein Leben neu orientiert und seine Ordensgemeinschaft verlassen. Der brasilianische Theologe äußerte sich zu der neu entflammten Diskussion um die Befreiungstheologie im Zusammenhang mit der Brasilien-Reise von Papst Benedikt XVI. im Mai 2007. Dieser war schon als Präfekt der Glaubenskongregation deutlich, um nicht zu sagen: massiv, gegen die nach römischer Auffassung aus dem Ruder laufenden Theologen vorgegangen.

Mit Menschen guten Willens

In seiner „Friedensenzyklika“ Pacem in terris (vom 11. April 1963) hatte Papst Johannes XXIII. „alle Menschen guten Willens“ eingeladen, am Werk für den „Frieden unter den Völkern“ mitzuarbeiten. Sein Nachfolger Paul VI. folgte dieser Spur. In seiner Antritts-Enzyklika Ecclesia Suam (vom 6. August 1964) rief er zum Dialog mit der modernen Welt auf und schuf die Grundlage für die Schaffung eines eigenen vatikanischen Dikasteriums, das sich dem Dialog mit den Nichtglaubenden, insbesondere den marxistischen widmen sollte. (2)

Der Dialog sollte nicht nur auf den „kirchenamtlichen“ Raum beschränkt sein, auf „interkonfessionelle“ Gespräche, auf von ökumenischer „Gastfreundschaft“ getragene Begegnungen. Das „Unmögliche“ sollte gewagt werden können, der Meinungsaustausch auf mit dem „dialektischen Materialismus“ auf hohem Niveau. Es war die Stunde der Theologen und Philosophen, der Religionswissenschaftler und Ethiker. Im Rahmen dieser Exklusivität mochte leicht übersehen werden, mit welchem geistigen Luxus sich die Schriftgelehrten umgaben. Die „breite Öffentlichkeit“ hüben nahm wenig Anteil und der Genosse „Normalbürger“ blieb von diesen staatlich sanktionierten Veranstaltungen ausgesperrt.

Immerhin hatten sich die „Lager“ einen gemeinsamen Tisch geschaffen, ein Feld für den Disput ohne Waffen. Prominente Geisteswissenschaftler, Theoretiker des Marxismus und Theologen des „offenen Dialogs“ maßen sich im direkten Austausch oder auf der Ebene von Korrespondenzen und Publikationen. Zu ihnen zählten Karl Rahner – der „Fürst“ in der Gesellschaft Jesu, ein Fixstern am Firmament der Gottesgelehrten und dessen Schüler Herbert Vorgrimler. Ihre Plattform war die Internationale Dialog-Zeitschrift (1968 – 1984). Auch „Concilium“, eine den „Geist des Konzils“ spiegelnde Zeitschrift in der Hand von Jesuiten, griff Tabu-Themen auf. Als Foren der persönlichen Begegnung boten sich die Internationale Paulus-Gesellschaft und das Prager Christliche Friedensforum an. Dass diese Organisationen ins Blickfeld der Nachrichtendienste von Ostberlin bis Moskau gerieten, durch Agenten infiltriert und von Spitzeln aus den eigenen Reihen „ausgeliefert“ zu werden, muss nach Einblick in die diesbezüglichen Stasi-Unterlagen nicht nur vermutet werden.

Abweichler in Gefahr

In den Parteizentralen dürfte man hellhörig geworden sein, als Köpfe aus dem eigenen Lager in einer katholischen Zeitschrift „Betrachtungen eines Marxisten unter dem Blickwinkel der Religion“ anstellten. Nichts Schlimmeres konnte einem Autor widerfahren, als des Renegatentums bezichtigt zu werden. „Abweichler“ von der offiziellen kirchlichen Linie erging es nicht sehr viel besser. Zwar wartete nicht der Scheiterhaufen auf die Unbotmäßigen, wohl aber die eine oder andere empfindliche Kirchenstrafe. beschuldigt – mit einem „Bußschweigen“ davon kam. Eine im Übrigen auch auf der Gegenseite nicht unbekannte Disziplinarmaßnahme. Der Theologe Joseph Ratzinger, Peritus (Berater) von Kardinal Joseph Frings auf dem Konzil, hatte sich wie der Kölner Erzbischof selbst, gewissen Korrekturen gegenüber dem römischen Zentralismus aufgeschlossen gezeigt. Der „Tübinger Schock“ aber, die Okkupation des Katheders durch revoltierende Studenten, und womöglich die Erlebnisse des Eugenio Pacelli mit der „Bohéme“ der Münchner Räterepublik vor Augen, hatte den Bayern zu einer Kehrtwendung veranlasst.

Als Nachfolger des Kroaten Franjo Seper (3) übernahm er unter Johannes Paul II. die römische Dogmenbehörde, die Kongregation für die Glaubenslehre, die Tochter des vorausgegangenen Heiligen Uffiziums, zwar ohne Folterkeller, aber mit den Mitteln strenger geistlicher und in gewisser Hinsicht materieller Kirchenstrafen ausgestattet: Lehrverbot, Kirchenbann.

Die Chefs der römischen Glaubensbehörde waren den kommunistischen Geheimdiensten stets eine besondere Wache wert. Ob Ottaviani, Seper oder Ratzinger. So wird über Seper berichtet, (in einer „Information der Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik“ vom 23. 1. 69) der Kardinal habe den Auftrag erhalten, „die Untersuchung der Angelegenheit der einzelnen modernistischen Theologen und Gruppen von Theologen fortzusetzen, die auch auf internationalem Gebiet eine bedeutende Rolle spielen, mit dem Ziel, die vatikanische Kurie gegen „ketzerische Angriffe“ der Modernisten zu schützen.“ (4) Gemeint war u.a. der belgische Dominikaner Edward Schillebeeckx, Berater der niederländischen Bischofskonferenz und des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie Mitbegründer der internationalen Theologie-Zeitschrift „Concilium“. Mit ihm standen vier italienische Theologen auf der „Schwarzen Liste“ der Glaubenskongregation.

Die Untersuchungen würden geheim durchgeführt, meldeten der ungarische Geheimdienst. Man sei bemüht, „Reaktionen der Weltpresse und der gesellschaftlichen Meinung zu vermeiden“, denn unter dem Druck der Öffentlichkeit könnte der Vatikan gezwungen sein, die „Untersuchungsmethoden „erheblich zu mildern“. Der „Prozess“ gegen die Theologen, die nach Auffassung Roms nicht mehr auf Linie waren, würde Anfang 1969 aufgenommen werden, „wenn sich die Leidenschaften“ insbesondere wegen der Anschuldigungen gegenüber Schillebeeckx beruhigt hätten. (5) Zum Schluss der „Information“ wird lapidar mitgeteilt: „In die Liste der vom Vatikan verbotenen Bücher ist das Buch von Hans Küng „Kirche“ (6) aufgenommen worden. Ohne auf Einzelheiten der kircheninternen Auseinandersetzungen einzugehen soll der Verweis auf die Stasi-Berichte daran erinnert werden, dass die östlichen Geheimdienste nahezu jeden Bereich vatikanischer Vorkommnisse erfassten, die für nachrichtendienstliche Operationen verwertbar sein konnten.

Den Vorhang öffnen

Wenn schon ein Eiserner Vorhang die Welt in zwei weltanschauliche Sphären und machtpolitische Blöcke teilte, sichtbar und schmerzhaft fühlbar insbesondere an den Grenzen „mitten durch Europa“, sahen dann nicht einige Intellektuelle beiden Seiten es als ihre Pflicht an, zumindest doch den geistigen Vorhang zu öffnen. Publikationen christlicher Provenienz einerseits und solche, die den wissenschaftlichen Materialismus vertraten andererseits, verfasst von Theologen, Philosophen und Politologen, hatten Konjunktur. Sie suchten die ebenso offene wie kontrovers geführte Auseinandersetzung „zwischen dialektischem Materialismus und christlichem Weltverständnis“ (Jozef Tischner), führten einen Diskurs, der auch die Grundfrage, die Frage nach Gott, nicht unberührt ließ, gipfelnd in der provozierenden These Ernst Blochs: „Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, nur ein Christ kann ein guter Atheist sein. Foren wie die Internationale Paulus Gesellschaft und die Internationale Dialog Zeitschrift standen bereit. (7) Sie litten vielleicht darunter, dass sich in erster Linie Intellektuelle auf hoher Ebene begegneten, der Mensch des sozialistischen wie des bürgerlich-westlichen Alltags blieb draußen vor der Tür.

Keine Chance für den Dialog

Die Internationale Paulus-Gesellschaft. (8), der „vorwiegend sowohl katholische als auch protestantische Wissenschaftler und „Politologen“ angehörten, so ein Stasi-Dokument, war für die Kommunisten eine subversive Organisation, deren Ziel es sei, durch einen so genannten „Dialog zwischen Christen und Marxisten“ ideologischen Einfluss auf schwankende kleinbürgerliche Intellektuelle in den sozialistischen Ländern zu gewinnen.“ Ihr Arbeitsprogramm sei eindeutig auf die Durchsetzung der Bonner „Ostpolitik“ ausgerichtet. Das beweise auch die Tagung der Internationalen Paulus-Gesellschaft in Marianske Lazne/CSSR (9), die „unmittelbar vor den antisozialistischen Ereignissen 1968 in der CSSR“ stattgefunden habe. Nicht wenige der „damals dort aufgetretenen tschechoslowakischen „Marxisten“ seien später als „Theoretiker der Konterrevolution“ in der CSSR in Erscheinung getreten und lebten heute in Westdeutschland.

Dialog galt in den Augen der kommunistischen „Glaubenswächter“ als Gift für den „neuen Menschen“, denn dies öffnete „das Tor für feindliches Denken“, wie der Prager Philosoph Milan Machovec, resigniert formulierte. Im „Religionsunterricht“ des SED-Staates wurde den Schülern der Abschlussklassen 10 beigebracht: „Das Grundprinzip des Materialismus in allen seinen verschiedenen geschichtlichen Formen besteht darin, die objektive Welt so zu betrachten, wie sie wirklich ist, ohne erdachte phantastische Annahmen, ohne übernatürliche Spekulationen.“ (10)

Ein Treffen in Budapest

Völlig erstorben waren die Bemühungen, auf hohen, allerdings kontrolliertem Niveau, ins Gespräch zu kommen, allerdings nicht und wurden von beiden Seiten nach einer „Besinnungspause“ wieder aufgenommen. Zwölf Jahre nach den Prager Ereignissen kommt es zu einem marxistisch-christlichen Symposium. Es findet vom 8. bis 10. Oktober 1986 in Budapest statt. (11). Der Heilige Stuhl werde darauf achten, dass ein Gleichgewicht zwischen dem konservativen Flügel und dem der „Progressivisten“ bestehe, berichtet der ungarische Geheimdienst. „Scharfe politische Diskussionen“ sollten vermieden werden.

Der Teilnehmerkreis sei auf jeweils 15 Personen begrenzt: „Außer ungarischen Philosophen rechnen wir mit der Teilnahme von marxistischen Gesellschaftswissenschaftlern aus der Sowjetunion, Polen, der Tschechoslowakei, Kuba und Jugoslawien.“ Die vatikanische Delegation werde vom Vorsitzenden des Sekretariats für die Nichtglaubenden, Kurienkardinal Paul Poupard geleitet (12). Das Symposium solle, so die Ungarn, „unter völligem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.“ Dass die Stasi mit eigenen „Teilnehmern“ vertreten war, muss nicht eigens betont werden. Also wurde auch das Ostberliner MfS eingespannt. „Im Interesse einer entsprechenden operativen Absicherung der Veranstaltung“ bitten die Ungarn, „die Ihren Organen vorliegenden Angaben zu dem aus der DDR anreisenden Theologiedozenten Konrad Feiereis, insbesondere zu seinen politischen und theologischen Ansichten mitzuteilen.“ (13) Im einem abschließenden Ergebnisbericht teilen die ungarischen Sicherheitsbehörden mit, dass seitens des Vatikans nicht das Sekretariat als Mitveranstalter aufgetreten sei, sondern die Päpstliche Universität Gregoriana, allerdings sei auch Kardinal Poupard mit seinen Mitarbeitern nach Budapest gekommen.

„Den erlangten Erkenntnissen zufolge“, so die ungarischen Agenten, hätten die Mitglieder der vatikanischen Delegation die Diskussion „auf der Grundlage der wahrscheinlich zentral abgestimmten und festgelegten Taktik und entwickelten Meinungen auch auf dieser Basis geführt. Dennoch habe man innerhalb der Delegation zwei Gruppierungen unterscheiden können: „auf der einen Seite die härteren Vatikan-Vertreter“, (u.a. Kardinal Poupard); diese hätten „wahrscheinlich einen Ausgleich zum progressiveren Flügel darstellen“ sollen. Auf der anderen Seite „die Jesuiten, die man eher als Zentristen denn als Rechte einordnen konnte.“ Die letztgenannte Gruppierung habe sich „vor allem durch ihre Flexibilität und ihre Kompromissbereitschaft“ ausgezeichnet.

Mit großer Spannung sei das Auftreten des polnischen Mitglieds der vatikanischen Delegation Jozef Tischner (14) erwartet worden. Die meisten Mitglieder der Kirchendelegation sei der Wortlaut seiner Darlegungen schon vorher bekannt gewesen. Der persönliche Begleiter von Kardinal Poupard habe versucht, „die Darlegungen von J. Tischner zu korrigieren und ihnen ihre Schärfe zu nehmen.“

Aus aktuellem Anlass

In vorausgegangenen Folgen waren die komplizierten, immer wieder von „Zwischenfällen“ gestörten Beziehungen des Heiligen Stuhls zu den Machthabern in Peking angesprochen worden, zuletzt ausgelöst durch eine Anfang November verbreitete Meldung, Papst Benedikt wolle den tibetischen Mönch Tenzin Gyatso, besser bekannt unter seinem Titel Dalai Lama, höchste Autorität der Tibeter, empfangen. Die kommunistische Führung hatte sofort durch einen Sprecher des Außenministeriums scharf reagiert. Es brauchte offenbar einige Zeit, bis sich der Vatikan Ende November zu einem Dementi durchrang. Pater Federico Lombardi SJ, der Direktor des vatikanischen Presseamtes, erklärte jetzt, dass es nie eine offizielle Ankündigung eines derartigen Ereignisses gegeben habe. Dem gegenüber hatte ein „hoher Kirchenvertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte“ (SPIEGEL-ONLINE v. 26. November) eine solche Begegnung für den 13. Dezember angekündigt. Kommentar des Online-Dienstes: „Papst versetzt Dalai Lama“. Ob er damit ein Problem weniger hat als Angela Merkel seit ihrer spektakulären Berliner Begegnung mit dem „Ozeangleichen Lehrer“ (Ehrentitel des Dalai Lama) bleibt abzuwarten.

Fortsetzung folgt

Fußnoten:

1) vgl. Irina Antonowa, Direktorin des Puschkin-Museums in Moskau, „die noch unter Stalin arbeitete“, in einem Gespräch mit Vanessa de L´Or / veröffentlicht in „Cicero“, Ausgabe 9/2007.

2) Kardinal Franz König, Erzbischof von Wien, von 1965-1981 leitete er zunächst das Sekretariat für die Nichtglaubenden, ab 1967 dann die in „Päpstlicher Rat für den Dialog mit den Nichtglaubenden“ umbenannte vatikanische Behörde.

3) Franjo Seper, eh. Erzbischof von Zagreb (1960-1969), in der Vorkriegs- und Kriegszeit (1934-1941 einige Jahre Privatsekretär von Alojzije Stepinac, seinem Vorgänger als Metropolit. Das Tito-Regime hatte Stepinac wegen angeblicher Kollaboration mit dem faschistischen Ustascha-Regime in einem Schauprozess zu 16 Jahren Haft verurteilt und nach sechs Jahren bis zu seinem Tod unter Hausarrest gestellt.

4) HA XX/4 – Nr. 652 v. 23. Januar 1969, Abt. X Nr. 198/69

5) Edward Schillebeeckx OP (geb. 1914 in Antwerpen). Der belgische Dogmatik-Professor, der dem Dominikaner-Orden angehört, zählt zu den bedeutendsten Theologen der Nachkriegszeit. Lehrstuhlinhaber an der Katholischen Universität von Nimwegen (bis 1983), Berater der niederländischen Bischöfe (auch während des Konzils), maßgeblich am „Niederländischen Katechismus“ beteiligt, 1965 Mitbegründer von „Concilium“ der Internationalen Zeitschrift für Theologie. 1968 hatte die vatikanischen Glaubensbehörde ein Verfahren gegen Schillebeeckx angestrengt. Streitpunkte: „Unklarheiten über die biologische Jungfräulichkeit Mariens, die Lehre von der Erbsünde, das Eucharistieverständnis“. Das Verfahren, bei dem der Dominikanerpater von seinem berühmten Fachkollegen, dem Jesuitenpater Karl Rahner sowie den holländischen Bischöfen verteidigt wurde, wurden ebenso eingestellt, wie 1979 ein weiteres Verfahren zu Fragen der Christologie. 1986 entbrannte eine neuerliche Kontroverse um die Frage, ob Laien im Sonderfall der Eucharistiefeier vorstehen könnten, eine dem Priester vorbehaltene Funktion.

6) Hans Küng, Deutsch-Schweizer, Jg. 1928, der prominenteste und „umstrittenste“ Theologe der römisch-katholischen Kirche mit weltweiter Reputation. Insbesondere an der Ökumene und dem interreligiösen Dialog orientiert. Verfasser kontroverser Bücher, u.a. „Die Kirche“, „Unfehlbar?“ Küng zählt zu den Mitbegründern der Internationalen Theologischen Zeitschrift „Concilium“ (u.a. auch Franz Böckle, Yves Congar, Johann Baptist Metz, Karl Rahner, Edward Schillebeeckx). Auch ihn ereilte das Schicksal römischer Lehrverfahren, 1957 mit dem „Dossier Küng“ unter der Protokollnummer 399/57/i beginnend und mit dem Entzug der kirchlichen Lehrbefugnis endend, von Papst Johannes Paul II per Dekret vom 15. Dezember 1979 verfügt und von Kardinal Seper unterzeichnet.

7) vgl. Ernst Bloch: Atheismus im Christentum / Zur Religion des Exodus und des Reichs) Frankfurt 1968. Dorothee Sölle: Atheistisch an Gott Glauben? Freiburg 1968. Eine Auwahl weiterer Titel in jenen Jahren: Konrad Farner: Theologie des Kommunismus? (1969) Milan Machovec: „Jesus für Atheisten“ (1972), Iring Fetscher/Milan Machovec (Hrsg.): „Marxisten und die Sache Jesu“ / Günter Rohrmoser Marxismus und Menschlichkeit (1974), Roger Garaudy:Menschenwort(1975) Volker Spülbeck: Neomarxismus und Theologie (1977).

8) MfS – HA XX/4 – Nr. 652 (Abt. X v. 18.3.68/ Tgb. Nr. X/ 842/68

9) Marianske Lazne – Marienbad, Kurort im westböhmischen „Bäderdreieck“.

10) Einführung in die marxistisch-leninistische Philosophie, Lehrbuch für die Abiturstufe und für Lehrlinge mit Abschlussklasse 10, „von einem Kollektiv der Akademie für Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED ausgearbeitet“ und „vom Ministerium für Volksbildung der Deutschen Demokratischen Republik als Schulbuch bestätigt. Berlin 1983 (s.a. Ethik und Persönlichkeit. Beiträge einer Arbeitstagung von Philosophen der UdSSR und der DDR zum Thema „Die Herausbildung des politischen-moralischen Profils der sozialistischen Persönlichkeit“, die im Juni 1972 in Leipzig an der Karl-Marx-Universität stattfand. Herausgegeben von S.F. Anissimow und Reinhold Miller. Berlin 1975)

11) MfS – Signatur 17562: Abteilung X v. 21. 5. 86, Tgb.Nr. X 9273 /86; Abteilung X, Anlage zum Schreiben Tgb. Nr. X/5190 / 86 (ohne Datum) Mitteilung des MdI UVR (Ministerium des Innern der Ungarischen Volksrepublik); – Abteilung X v. 26. 11. 86, Tgb. Nr. X 9529/86

12) Paul Joseph Jean Poupard (Jg. 1930), emeritierter Kurienkardinal, nahm verschiedene Funktionen auf der Ebene des Dialogs ein, als Präsident des Rates für die Nichtglaubenden (ab 1985), als Präsident des Rates für Kultur (ab 1988), als Präsident für den interreligiösen Dialog (2006-2007)

13) Konrad Feiereis (Jg. 1931), bis 1998 Ordentlicher Professor am katholischen Philosophisch-Theologischen Studium Erfurt, war Konsultor des Päpstlichen Sekretariats für den Dialog mit den Nichtglaubenden. Auf seinen Beitrag „Möglichkeiten und Grenzen des Dialogs aus der Sicht eines katholischen Theologen“ (Internet-Veröffentlichung in UTOPIE Kreativ, Nr. 129/130 (Juli/August 2001), S. 709-721) sei hingewiesen.

14) Jozef Tischner (1931-2000). katholischer Priester und Philosoph in Krakau. Vertrauter von Johannes Paul II. „Spiritus rector“ der Solidarnosc-Bewegung. Wie Wojtyla ein Vertreter der christlichen Ethik antwortete er der marxistisch-leninistischen Ideologie mit seiner „Ethik der Solidarität“. vgl. „Der unmögliche Dialog. Christentum und Marxismus in Polen.“ Graz-Wien-Köln. 1982 Nach Verlagsangaben schrieb Tischner sein Buch in den Jahren 1977-1980. Das polnische Volk, habe in einer Welle der Liberalisierung aufatmend und nicht zuletzt durch den ersten Besuch von Johannes Paul II. in seiner Heimat bestärkt. „Der Dialog in polnischer Gestalt“, wie Tischner den Titel seines Buches in der Originalfassung wählte, sei als Möglichkeit, „ja als keimende Realität am Horizont der Geschichte aufgetaucht und das Volk bereit gewesen. Dann die Probe aufs Exempel. Am 13. Dezember 1981. „Der Dialog wurde durch das Kommando ersetzt.“ General Jaruzelski verhängte das Kriegsrecht über sein Land.

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