Archiv des MonatsDecember, 2007

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 13)

Mühsame Bekenntnisse

„Papst Johannes Paul wurde ausspioniert, und wie!“ zitierten Anfang September 2007 die Medien den amtierenden Erzbischof von Warschau Kardinal Jozef Glemp. (1) Moskau sei sehr daran interessiert gewesen zu erfahren, was in Rom vor sich ging, mit einem polnischen Papst auf dem Stuhl des heiligen Petrus, so der polnische Primas. Auch jeder Priester in Polen sei „sorgfältig“ überwacht worden. Für jeden „von uns“ habe es eine Akte gegeben. Niemand sei dieser Beschattung entkommen.

Von einer ersten schweren Erschütterung wurde die polnische Kirche Ende April 2005 getroffen. Die Schreckensmeldung aus Rom: der Dominikanerpater Konrad Stanislaw Hejmo habe jahrelang dem Geheimdienst SB (2) über Vorgänge aus dem Vatikan berichtet, diesen mit Informationen aus der Umgebung des Papstes versorgt. Das polnische Institut für das nationale Gedächtnis IPN (3) sprach von rund 700 Seiten Aktenmaterial, die angeblich belegten, wie der nicht nur gegenüber Journalisten stets auskunftsfreudige Ordensmann, unter den Decknamen „Dominik“ und „Hejnal“ auch die Stasi mit Material versorgte.

Den vorläufig letzten Höhepunkt dieser litterae horribili war die Entlarvung von Stanislaw Wojciech Wielgus, zuletzt Erzbischof von Plock, als Stasi-Informant. Spektakulär sein mit dem Vatikan vorab vereinbarter und dann öffentlich erklärter Rücktritt an dem Tag, an dem er in einem feierlichen Gottesdienst die Nachfolge von Glemp antreten sollte. Der Papst musste wohl auch dem Druck der Öffentlichkeit nachgeben.

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Im Kreuz die Wahrheit (Folge 12)

Ein Signal des Konklaves

Überraschte Zaungäste auf dem Petersplatz und an den Fernsehschirmen rund um den Erdball, weniger vermutlich in einigen Parteizentralen von Washington bis Moskau: Das Konklave hatte sich am 16. Oktober 1978 für einen Polen als Nachfolger von Paul VI. auf dem Stuhl Petri entschieden. Für die Agenten der östlichen Geheimdienste gab es viel zu tun. Auch auf den Schreibtischen der HV A, der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR bündelten sich die „Informationen“, die von den „Bruderorganisationen“ eingingen, insbesondere von Polen und Ungarn. Ein Papst, der wie kein anderer die Innenseite des sozialistischen Staatsapparates, seine Ideologie und seine Methoden, von Anfang an unmittelbar „kennen gelernt“ hat – man musste auf einiges gefasst sein. Entsprechend fallen die Spitzelberichte aus. „Inoffizielle Mitarbeiter“ nehmen nicht nur den Vatikan ins Visier, für Ostberlin ist von besonderem die Reaktion in Bonn von Interesse. Welche Konsequenzen hat die Wahl auf die vatikanische Ostpolitik im Zusammenhang mit der deutschen Frage?

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Im Kreuz die Wahrheit (Folge 11)

Kirchenkampf der „Tscheka“

Ehemalige Stasi-Offiziere im Rahmen einer Begegnung mit Historikern außerhalb Deutschlands zu Wort kommen zu lassen, hat sich als untaugliches Mittel zum Zweck erwiesen. Eine Gruppe von 60 früheren offiziellen Mitarbeitern der HV A, des Nachrichtendienstes der DDR, war im November 2007 als „Zeitzeugen“ zu einem fachwissenschaftlichen Symposium an der Süddänischen Universität in Odense auf der Insel Fünen eingeladen worden. Die Experten für Aufklärung enttäuschten allerdings die in sie gesetzten Erwartungen. Statt weiter führende Einsichten gaben sie allgemein bekannte Ansichten zum Besten. Von keinerlei Zweifel und Selbstkritik bedrängt, nutzten sie ihren Auftritt in erster Linie zur „Selbstdarstellung“.

Elf Teilnehmer der Ex-Stasi-Delegation hielten Referate, keinen Millimeter von der Linie der Ideologie und des Auftrags des Systems, dem sie gedient hatten, abweichend. „Ohne mikroskopische Einschränkungen“ hätten sie erläutert, „wie erfolgreich, den Frieden sichernd und nicht zuletzt humanistisch“ die HVA gewirkt habe. (1)

Das Zustandekommen einer ähnlichen Konferenz in Deutschland war bereits zuvor gescheitert.

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