Archiv des MonatsMay, 2008

Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 7)

Die Krake Geheimdienst greift um sich
Es gab im Leben der Tschechen und Slowaken unter dem Roten Stern keinen Lebensbereich, ob privat oder gesellschaftlich, in den die „Krake Staatssicherheit“ nicht eindrang, immer unter dem Vorwand, doch nichts anderes zu tun, als die Errungenschaften des Sozialismus gegen die „Feinde der Republik“ zu schützen, ein System zu verteidigen, das doch nur „Gerechtigkeit für alle“ bringe und darauf zu achten, dass jeder Bürger sich dieser neuen Zeit entsprechend anpasse. Wie der Historiker Prokop Tomek, Mitarbeiter des Prager Innenministerium für die Aufarbeitung der Geschichte des StB, erklärt, ging das Regime vor allem in der Anfangszeit, Ende der vierziger/Anfang der fünfziger Jahre, äußerst rücksichtslos gegen politische Gegner vor. Vorbild für die tschechoslowakischen Geheimdienste war der „große Bruder“, der sowjetische KGB. Von den Moskauer Genossen lernte man die Methoden, nach denen die „operativen Maßnahmen“ abliefen, ob Bespitzelung, Verhaftung und Verhör oder Desinformation und Diversion. Auch brutalere Methoden gehörten zum Repertoire, bis hin zu Entführungen missliebiger tschechischer und slowakischer Bürger im Ausland. Die Stasi hatte es insbesondere auf Emigranten abgesehen. Auch vor der Liquidierung von Personen schreckten die Sicherheitsorgane offenbar nicht zurück, worauf spätere Aussagen von Zeitzeugen hinweisen. (1)

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Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 6)

Erlebte Kreuzwege

„Am Gründonnerstag 1999 habe ich mit Zustimmung meines und unseres Bischofs Dominik in der Kathedrale den Priestern und später auch schriftlich der Bischofskonferenz unsere Absicht dargelegt, vor allem Gläubige und tschechische Christen, die während der kommunistischen Totalität verfolgt wurden oder etwas Positives für Freiheit und Wohl ihrer Heimat geleistet haben, dazu aufzufordern, wenigstens einen Teil ihrer Erfahrungen als Lehre für die kommenden Generationen festzuhalten.“ Mit diesen Sätzen leitet der frühere Bischof
(jetzt emeritierte) Bischof von Hradec Kralové, Karel Otcenasek den ersten Band eines Kompendiums von Zeitzeugen-Berichten ein, die in fünf Bänden, auch in deutscher Sprache vorliegen. (1). Die Reihe trägt den Titel „Kaminky“, das tschechische Wort für „Mosaiksteinchen“. Bischof Otcenasek erklärt, warum er sich für diesen Begriff entschieden hat. Mit den persönlichen Aussagen solle versucht werden, „wenigstens kleine Steinchen aus dem Mosaik der erlebten Kreuzwege vieler Gläubiger festzuhalten, die sich nach 1948 plötzlich und für lange Jahre im gelebten Materialismus und in einer Ideologie der Unversöhnlichkeit wiederfanden.“ (2)

Der tschechische Oberhirte, selbst ein Opfer des Prager Zwangsregimes, knüpft an zwei prominente Zeitgenossen an: 1. Papst Johannes Paul II, der in seinem Apostolischen Brief „Tertio Millenio Adveniente“ (3) von 1994 dazu aufgerufen hatte, entsprechene Glaubenszeugnisse zu sammeln. („Gegen Ende des zweiten Jahrtausends ist die Kirche erneut zu einer Kirche der Märtyrer geworden“. Artikel 37). 2. Vaclav Havel, der ehemalige Staatspräsident. („Wenn eine Nation ihr historisches Gedächtnis verliert, geht sie neuen Katastrophen entgegen.“) (4)

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Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 5)

Angeklagt als „Agenten des Vatikans“
Die Kirchenverfolgung in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik CSSR beginnt mit der totalen Überwachung durch die Geheimpolizei (1), fortgesetzt mit Einzel- und Massen-Prozessen gegen katholische Geistliche, Theologen und kirchlichen Laien-Mitarbeitern von März 1950 bis Februar 1951 ein. Internationales Aufsehen erregt das Verfahren gegen hohe Ordensgeistliche (ab 31. März 1950). Der Angriff richtet sich vor allem gegen Jesuiten, Prämonstratenser, Dominikaner, Franziskaner, Redemptoristen. Die meisten Diözesanbischöfe sind Anfang 1950 bereits interniert.

Es folgte der bereits in Folge 3 beschriebene Prozess gegen die „Neun“ um Bischof Zela (ab 27. November 1950); die Gerichtsverhandlung gegen drei Bischöfe in Bratislava (ab 15. Januar 1951) – mit langjährigen bis lebenslänglichen Freiheitsstrafen endend. Auch soll es in drei Fällen zu Todesurteilen gekommen sein. In allen Verfahren wurden die Angeklagten sozusagen routinemäßig beschuldigt, „Spione“ oder „Agenten“ des Vatikans und anderer ausländischer Mächte zu sein, oder sonstige „staatsfeindliche Handlungen“ begangen zu haben, etwa die Vorbereitung eines Staatsstreiches. Die Diktaturen, nicht nur in Prag, brauchten in jenen Anfangsjahren der kommunistischen Machtausdehnung offensichtlich diese voluminös angelegten Verfahren gegen den Klassenfeind. Es waren Schauprozesse, deren Absurdität nur noch durch den Zynismus des Systems übertroffen wurde. In dieses Kapitel gehören auch die Gerichtsverfahren 1952 in Prag und Brno (Brünn) gegen Intellektuelle. Der Prozess in der Hauptstadt Mährens wird im „Schwarzbuch des Kommunismus“ als „vermutlich der größte politische Prozess gegen Literaten in der europäischen Geschichte des 20. Jahrhunderts bezeichnet.“ (2)

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Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 4)

Das Attentat auf Johannes Paul II

Am 13. Mai 2008 vor 27 Jahren feuerte Mehmet Ali Agca auf Papst Johannes Paul II., während dieser sich im offenen „Papamobil“ den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen zeigte. Die Schüsse verletzten das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche lebensgefährlich. Seine Rettung schrieb Johannes Paul II. der Gottesmutter Maria zu, der er seinen Pontifikat von Anfang an geweiht hatte: Totus tuus – Ganz Dein. Eine der Pistolenkugeln schenkte er dem portugiesischen Wallfahrtsort Fatima. Das Geschoss wurde in die Krone der Marienstatue eingefügt.

Zwei Wochen vor dem Jahrestag sorgten Meldungen von Nachrichtenagenturen (1) aus Warschau für einige Unruhe. Danach soll die sowjetische Führung bereits 1979 angeordnet haben, gegen den Papst aus Polen vorzugehen – im Klartext: ihn zu töten. Einer der Verantwortlichen: Michail Gorbatschow, seinerzeit Kandidat im Politbüros und später sowjetischer Staatspräsident, hat diese Unterstellung wiederholt entschieden zurückgewiesen.

Die Anweisung, ein Brief des Politbüros des Zentralkomitees (ZK) der kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) an das Komitee für Staatssicherheit (KGB), habe gelautet: „Es sind alle möglichen Mittel zu nutzen, um eine Neuausrichtung der Politik zu vermeiden, die vom polnischen Papst begonnen wurde, und, wenn notwendig, ist nach Mitteln zu greifen, die weiter reichen als Desinformation und Diskreditierung.“ KGB-Chef war seinerzeit Juri Andropow (von 1967-1982; ab 1982 Generalsekretär des ZK und 1983 Staatsoberhaupt.)

Ausgelöst hatte den Wirbel ein Interview des amerikanischen Buchautors John O. Koehler (2) für das polnische Nachrichtenmagazin „WPROST“. (3) Koehler will ein entsprechendes Dokument in einem Moskauer Archiv, (in einer der Meldungen ist auch von einem Warschauer Archiv die Rede) „entdeckt“ haben. Für den KGB, so Koehler, seien die Formulierungen klar gewesen, nämlich den Papst aus dem Weg zu räumen. (4)

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