Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 7)

Die Krake Geheimdienst greift um sich
Es gab im Leben der Tschechen und Slowaken unter dem Roten Stern keinen Lebensbereich, ob privat oder gesellschaftlich, in den die „Krake Staatssicherheit“ nicht eindrang, immer unter dem Vorwand, doch nichts anderes zu tun, als die Errungenschaften des Sozialismus gegen die „Feinde der Republik“ zu schützen, ein System zu verteidigen, das doch nur „Gerechtigkeit für alle“ bringe und darauf zu achten, dass jeder Bürger sich dieser neuen Zeit entsprechend anpasse. Wie der Historiker Prokop Tomek, Mitarbeiter des Prager Innenministerium für die Aufarbeitung der Geschichte des StB, erklärt, ging das Regime vor allem in der Anfangszeit, Ende der vierziger/Anfang der fünfziger Jahre, äußerst rücksichtslos gegen politische Gegner vor. Vorbild für die tschechoslowakischen Geheimdienste war der „große Bruder“, der sowjetische KGB. Von den Moskauer Genossen lernte man die Methoden, nach denen die „operativen Maßnahmen“ abliefen, ob Bespitzelung, Verhaftung und Verhör oder Desinformation und Diversion. Auch brutalere Methoden gehörten zum Repertoire, bis hin zu Entführungen missliebiger tschechischer und slowakischer Bürger im Ausland. Die Stasi hatte es insbesondere auf Emigranten abgesehen. Auch vor der Liquidierung von Personen schreckten die Sicherheitsorgane offenbar nicht zurück, worauf spätere Aussagen von Zeitzeugen hinweisen. (1)

Die ersten Repressionsmaßnahmen gegen die Kirche setzten unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg ein und wurden 1948, nach dem Staatstreich der Kommunisten, verschärft. (2).
Man spricht von der „stalinistischen Zeit“ des Kirchenkampfes. Höhepunkt: die „Aktion K“ , Auflösung der Klöster, Internierung von Ordensangehörigen in sogenannten Konzentrationsklöstern, langjährige Haftstrafen – nach entsprechenden Schauprozessen – für „Staatsfeinde“. Dies traf auch viele Priester des Diözesanklerus. Sie wurden als „Agenten des amerikanischen Imperialismus“ vor Gericht gestellt. Die Älteren kamen unter Arrest, wurden in Lagern isoliert, andere in Gefängnisse gesperrt. Schätzungen zufolge gingen 70 Prozent des Diözesan- und Ordensklerus durch die Haft. Die Jüngeren kamen in Strafbataillone. Man verhöhnte sie als „Schwarze Barone“ und zwang sie, Schaufel, Axt und Pickel in die Hand zu nehmen, in der Landwirtschaft, auf dem Bau, in Kohlegruben und Uranminen.

Panzer rollen durch Prag
Mit der Verfassungsänderung von 1960 – aus der Tschechoslowakei wurde jetzt eine Sozialistische Republik – verfestigten die Kommunisten ihren Führungsanspruch. Der Tod Stalins und Gottwalds brachte gewisse Entspannungen auf weltpolitischer Ebene und milderte bisweilen die Praktiken der Verfolgung, brachten jedoch kein Ende der Kirchen-Kontrolle durch die Staatsmacht. Im Rahmen einer Amnestie für politische Häftlinge wurden 80 Prozent der inhaftierten Geistlichen freigelassen. Viele setzten ihre Hoffnung in den „Prager Frühling“ von 1968, als Alexander Dubcek einen „Sozialismus mit menschlichem Antlitz“ versprach. Die Antwort folgte postwendend aus Moskau, in Form von Panzern, die den Freiheitswillen des Volkes niederwalzten, wie schon 1953 in Berlin und 1956 in Budapest.

Als Ende der 70er Jahre die polnische Bürgerrechtsbewegung auch viele Menschen in der Tschechoslowakei inspirierte, Prager Intellektuelle mit der „Charta 77“ (u. a. Vaclav Havel) dem Regime gegenüber traten, schlug die Staatssicherheit hart zu. Dabei traf es erneut auch Priester und katholische Laien, die sich der Erneuerungsbewegung angeschlossen hatten oder verdächtigt wurden, mit dieser zu sympathisieren und – die übliche Anschuldigung – staatsfeindliche Kontakte zum Westen zu unterhalten.

Vielen ist in Erinnerung geblieben, wie Papst Paul VI. am Festtag „Mariae Lichtmess“, am 2. Februar 1978, beim Aschekreuz-Ritus, in einer Ansprache vor Ordensleuten der Männer und Frauen, die ihrem Glauben und der Kirche treu geblieben sind, im Gebet gedachte und mehrfach das Zweite Vatikanische Konzil zitierte. Die Konzilsväter hatten in der Dogmatische Konstitution über die Kirche „Lumen Gentium“ die gesellschaftliche Verantwortung der Christen angesprochen und deutliche Worte zur Glaubensverfolgung in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang gefunden, in dem sie sagten: „…Ebenso aber wird mit Recht jene unselige Lehre verworfen, die eine Gesellschaft ohne Rücksicht auf die Religion zu errichten sucht und die Religionsfreiheit der Bürger bekämpft und austilgt.“ (3)

Die Bespitzelung etwa von Priestern, Laienmitarbeitern und von allgemein in der Kirche engagierten Christen ging bis in das Frühjahr 1989. Die letzten Stasi-Berichte sind von Juli 1990. Ein Betroffener, heute im Sekretariat der Prager Erzdiözese tätig, erinnert sich. „Hansi“, wie ihn die Stasi nannte, wurde ständig überwacht. Was ihm nicht verborgen blieb. Man bekam ein Auge dafür. Etwa, wenn ein Personenwagen „unauffällig“ vor seiner Wohnung parkte. In dem Fahrzeug saßen dann schon mal ein Mann und eine Frau, in Zivil versteht sich. Fühlten sie sich beobachtet, so beschreibt „Hansi“ eine Szene, dann umarmten sie sich und küssten sich innig: ein Liebespärchen halt. Sollte der Bespitzelte meinen. Für dumm ließ „Hansi“ sich freilich nicht verkaufen.

Geheimdienst-Akten: Deckname „Herrscher“

Es mag sein, dass die ersten Expeditionen in die Archive der Staatsicherheitsorgane nach der politischen Wende noch etwas unsortiert liefen, eher von dem Drang motiviert, möglichst rasch Belastungsmaterial für die Strafverfolgungsbehörden zu finden. In der Zwischenzeit ist
eine systematische, von wissenschaftlichen Kriterien getragene Aufarbeitung erkennbar – gelegentlich von politischen Störversuchen beeinträchtigt, wie von Betroffenen in Prag zu erfahren war. Die Sichtung des Materials durch unvoreingenommene Wissenschaftler dient der differenzierten Wertung, mithin einer zeitgeschichtlichen Einordnung auch für spätere Generationen. In diesem Zusammenhang verdienen die laufenden Veröffentlichungen des Archivs des tschechischen Innenministeriums sowie einer diesem Ministerium unterstellten Sonderbehörde aufmerksamkeit. Sie wurde anfänglich als Amt für die Dokumentation und Untersuchung der Tätigkeit des Staatssicherheitsdienstes StB bezeichnet. Dann wurde die Amtsbezeichnung begrifflich, also inhaltlich, erweitert in Behörde für die „Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus.“ (4) Nach parteipolitischen Auseinandersetzungen des linken und rechten Lagers soll ein Institut für die nationale Erinnerung die Zeit des Zweiten Weltkrieges in seine Forschungsarbeit einbeziehen, also die Jahre der Nazi-Okkupation, soweit Kollaboration von tschechischer Seite in Frage steht.

Verschiedenes Material findet sich in der Aktenablage unter dem Decknamen „Vladar svazek“ – (Vladar – Fürst, Herrscher / Svazek – Sammlung. Aktenbündel). Darunter befinden sich auch die Kirche betreffende Vorgänge. In den Ordinariaten wurde allerdings die Befürchtung laut, dass an anderer Stelle Material zurückgehalten werden könnte, um es bei passender Gelegenheit hervorzuholen. Mit anderen Worten: „um einen Skandal zu provozieren“.

Im Vordergrund dieser Folge der Themenreihe steht aber zunächst das erste Jahrzehnt nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, der Neubeginn des tschechoslowakischen Staates mit den ersten Anzeichen der sowjetisch gelenkten Machtübernahme und die Umformung in eine Sozialistische Republik. Den Kirchen drohte das Ende, denn die sozialistische Gesellschaftsordnung sollte ohne Gott auskommen, die Religion faktisch auslöschen.

„Anders als in Polen machten die kommunistischen Machthaber in Prag in den Jahren 1950 ‚kurze Messen’ mit den Katholiken. Die Kommunisten fanden gottesdienstliche Praktiken als überholt und die Kirche als eine verknechtende Struktur, die ihnen im Weg stand“, schreibt der Autor einer belgischen Kirchenzeitung. (5)

Ein erster Schritt war es, die Hirten von der Herde zu trennen, mit anderen Worten, wie der „Osservatore Romano“ am 24. Juli 1954 berichtete: In der CSSR seien 13 Diözesanbischöfe und Weihbischöfe amtsbehindert. Fünf seien im Gefängnis, bei den anderen werde der Aufenthaltsort als „unbekannt“ angegeben. Bereits 1949, ein Jahr nach der kommunistischen Machtergreifung, war nach Moskauer Vorbild ein staatliches Kirchenamt geschaffen worden, das jede kirchliche Aktivität steuern und überwachen sollte. Die atheistische Staatsdoktrin hatte ohnehin das baldige Ende der Religion vorgesehen.

Erzbischof Josef Beran hatte in der Abteikirche auf dem Strahov, wenige Gehminuten von der Erzbischöflichen Residenz und Kathedrale auf dem Hradschin entfernt, die antikirchlichen Maßnahmen des Regimes kritisiert. Am 19.6. 1949 wird er verhaftet und unter Hausarrest gestellt. Schon vor der Verhaftung des Prager Erzbischofs war der Druck auf den Weltklerus und die Ordensgeistlichen erhöht worden. Geringfügige Übertretungen der staatlichen Kirchengesetze genügten, um von der Staatssicherheit verhört, verhaftet und vor Gericht gestellt zu werden. In der Regel mit Gefängnisstrafen endend, der Schuldspruch meist gleich lautend: staatsfeindliche Umtriebe, Hochverrat, Spionage für eine feindliche Macht. Das war dann der Vatikan.

Bischöfe und Äbte wurden unter Hausarrest gestellt, um sie von der Kirchengemeinschaft zu isolieren. Wurden sie vor Gericht gestellt, dann liefen diese in den 50er Jahren nach „stalinistischem“ Muster als Schauprozesse ab, in denen die Angeklagten ihre „Untaten“ zugaben. Der Ablauf im Gerichtssaal ließ keinen Zweifel daran, wie die „Geständnisse“ zustande gekommen waren: erpresst nach Gestapo-Methoden, mit Androhung und auch Anwendung physischer und psychischer Gewalt.

Politische Häftlinge in kommunistischen Gefängnissen
In besonderer Weise traf es die weiblichen politischen Gefangenen in den Fünfziger und Sechziger Jahren. Sie wurden wenig anders behandelt als die verurteilten Männer, sprich: drakonische Strafen, harte körperliche Arbeit, von Hygiene keine Rede, Erniedrigungen. Die Politik der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei und ihrer Sicherheitsdienste gegenüber den Frauen, zählte, wie der Historiker Tomás Bursik feststellt, zu den „brutalsten Ausdrücken der Repression des totalitären Regimes gegenüber der eigenen Bevölkerung.“ Diese Zustände prägten den Alltag in speziellen Frauengefängnissen, wie im „Besserungsarbeitslager Nr. 1“ in Pardubice.

Selbst hinter Gittern ließen die Frauen in ihrem Widerstand gegen das Regime nicht nach. Es kam zu Hungerstreiks. 1956 schrieben einige an den damaligen UNO-Generalsekretär der Vereinten Nationen, Dag Hammarskjöld, wobei sie auf die problematische Stellung der „politischen Gefangenen“ hinwiesen. Das Regime hatte diesen Begriff stets zurückgewiesen, als Versuch, auch die weiblichen Häftlinge dieser Kategorie zu kriminalisieren. Man sperrte sie zu den gewöhnlichen Straftäterinnen.

Anlass des Briefes war das Gerücht, der damalige Chefdiplomat der Vereinten Nationen wolle Prag besuchen. Oder hatten die Frauen Mut geschöpft, nachdem, was aus Moskau und Ostberlin vielleicht auch bis in ihre Gefängniszellen gedrungen war? Nikita Chruschtschow hatte auf dem 20. Parteitag der KPdSU (am 25.2.) in einer „Geheimrede“ die Verbrechen Stalins enthüllt. Walter Ulbricht war eilfertig gefolgt und hatte im SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“ (am 4. März) erklärt, Stalin sei „kein Klassiker des Marxismus“. Würden die Kommunisten zurückschrauben? Man sprach von ersten Schritten einer „Entstalinisierung“. Die Ernüchterung ließ nicht lange auf sich warten. Dass der Kreml den eigenen Machtanspruch über sein Imperium nicht aufgeben würde, demonstrierte er im Herbst 1956, als seine Panzer den ungarischen Volksaufstand zermalmten. Das Vorspiel zu Prag, zwölf Jahre später, im August 1968.

Zu den Verfasserinnen des Briefes an Dag Hammarskjöld zählte auch die mährische Ordensfrau Antonie Hasmandová. (6). Die Post aus dem kommunistischen Gefängnis erreichte den Adressaten nie. Erst nach der Öffnung der Archive des kommunistischen Geheimdienstes wurde der Brief aufgefunden und von dem tschechischen Historiker Tomás Bursik ausgewertet. Die Botschaft aus dem Stasi Gefängnis gehört zu den bewegenden Dokumenten, die von der Sonderbehörde des tschechischen Innenministeriums „für die Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus (UDV) inzwischen herausgegeben worden sind. (7) Die Folge dieser Briefaktion? „Die Rache des Regimes war grausam, schonungslos“, schreibt Bursik. Manche weibliche politische Gefangene aus den fünfziger Jahren seien nicht schon im Zuge der Amnestie von 1960 sondern „erst fast am Vorabend“ des „Prager Frühlings“ freigelassen worden, und hätten die Freilassung „überhaupt nicht“ erlebt. Sie waren an Leib und Seele zerschunden.

Das ganze Ausmaß der kommunistischen Justiz in der Tschechoslowakei von 1948, dem Jahr der Machtübernahme, bis 1898, dem Fall des Regimes, wird an den Zahlen deutlich, die von der UDV ermittelt wurden: 262 000 politische Häftlinge (Männer und Frauen). In den Haftanstalten und kommunistischen Konzentrationslagern kamen 3000 Menschen ums Leben, 241 wurden „offiziell“ hingerichtet, der „staatsfeindlichen Tätigkeit“ beschuldigt. In 280 Fällen geht die Behörde von Justizmorden aus. (8)

Nichts wirkt nachhaltiger, als die Vergesslichkeit. Nicht zu verharmlosen sind die Auswirkungen, wenn sich diese Neigung mit Unwissenheit paart. Als hätte es nie eine Nazi-Okkupation und eine kommunistische Zwangsherrschaft gegeben, agieren in der Tschechoslowakei so genannte „neonazistische“ Gruppierungen. Die Tschechische Arbeiterpartei (Delnická strana) verfügt angeblich über eine eigene Sicherheitstruppe „Ocranné sbory“ zum Schutz ihrer Parteiführer. Die Bezeichnung dieser Einheit leite sich von der Schutzzstaffel (SS) der NSDAP ab und sei dieser in ihrer Struktur ähnlich, schreiben Prager Zeitungen. (9)

Ob Gestapo oder StB – für beide galt, was der Historiker Tomek über die Stasi sagt: Das seien Leute gewesen, „für die das Gegenüber nur ein Problem war, das gelöst werden muss.“ Über das Menschliche hätten sie gar nicht erst nachgedacht. Selbst wenn es sein könne, dass dies bei Geheimdiensten so sein müsse, sei „dieser Zugang für einen normal denkenden Menschen erschreckend.“

Fortsetzung folgt

Fußnoten:

1) Präsident Edvard Benes hatte am 25. Februar 1948 den Rücktritt der nichtkommunistischen Minister in einem Kabinett, in dem die Kommunisten die Schlüsselpositionen besetzten, angenommen und damit die Machtübernahme der Roten beschleunigt. Im Mai 48 lehnte er seine Unterschrift unter die neue kommunistische Verfassung ab und trat am 7. Juni 48 zurück; sein Nachfolger wurde Klement Gottwald, der das Amt des Präsidenten und des Ersten Sekretärs der KPTsch übernahm. Dieser kommunistische Staat, mit sowjetischen „Beratern“ im Rücken, war der Politik Moskaus untergeordnet. Schon bald begannen die ersten politischen Schauprozesse mit langjährigen Haft- wie auch Todesstrafen, wie sie von der Sowjetunion bekannt waren. Benes, dessen Idee der nationalen Einheit von Tschechen und Slowaken scheiterte, bleibt vielen vertriebenen Deutschen in unrühmlicher Erinnerung durch die sog. Benes-Dekrete, mit denen die Vertreibung (offiziell als „Transfer“ bezeichnet) und materielle Enteignung fast aller innerhalb der Staatsgrenzen verbliebenen Deutschen, mit wenigen Ausnahmen, legitimiert wurde.

2) Martina Schneibergova: „Vor 55 Jahren wurde Milada Horaková hingerichtet. In „Tagesecho“, deutschsprachigen Sendung von Radio Prag, 27. Juni 2005

3) Dogmatische Konstitution „Lumen Gentium“ (Das Licht der Völker) über die Kirche, v. 21. November 1964. (LG 36 / 116)

4) Im Innenministerium: Sbornik Archivu Ministerstva Vnitra (Odbor Archivni a Spisové Sluzby Ministerstva Vnitra CR); Sonderbehörde: Úrad Pro Dokumentacia a Vysetrováni Cinnosti StB ; Úrad Dokumentace a Vysetrováni Zlocinu Komunismu.

Staatlicher Sicherheitsdienst StB (Statni Bezpestnost); der Sicherheitsapparat als Teil des Innenministeriums, wurde wiederholt umstrukturiert. Auch die kirchlichen Angelegenheiten ressortierten unter diesem Schematismus in wechselten Abteilungen und Referaten. 1953, beispielsweise, übernahm die Zweite Hauptverwaltung, (5. Abteilung, 3. Referat) die Überwachung der italienischen Behörden, insbesondere die italienische Emigration. Mit den Kirchen befasste sich ab 1954 das 9. Ressort der Hauptverwaltung Abwehr (Gegenspionage); 1988 befassen sich das 9. und das 11. Ressort mit den Emigranten und den sogenannten „Ideozentren“ (wobei offenbar der „ideologische Gegner“ gemeint war), also auch der Vatikan. Neben den großen christlichen Kirchen waren stets auch christliche Sekten, die jüdischen Gemeinden und die Freimaurer im Visier der Stasi. Das Feindbild der Kommunisten unterschied sich in diesem Punkt nicht wesentlich von dem der Nazi-Diktatur. Generell kann nach den aus Prag dem Autor vorliegenden Informationen festgehalten werden:

Zum Sicherheitsapparat, soweit er der Öffentlichkeit nicht verborgen blieb, gehörte der politische Nachrichtendienst (Civilni Rozvedka) und der Auslandsnachrichtendienst HSR (Hlavni sprava rozvedy) mit der für die Spionageabwehr/Gegenspionage HSK (Hlavni sprava kontralrozvedky) zuständigen Hauptabteilung II. In dieser befasste sich u.a. die 9. Abteilung, Referat 1, mit der römisch-katholischen Kirche.
Wie auch bei anderen Geheimdiensten üblich, bediente sich der StB – wie aus Insiderquelle zu erfahren war – verschiedener Deckadressen und bediente sich international tätiger staatlicher Export-/Import-Unternehmen, um Agenten zu platzieren. Für den militärischen Sektor zuständig war der HSVR (Hlavni sprava vojenske rozvedky a kontrarozvedky).

5) Erik de Smet: Heulen met de vijand? in: Kerk + Leven. Ausgabe Nr. 7, (Kerknet: Website der Kirche in Flandern) Antwerpen, Februar 2007.

6) Antonie Hasmandova, Ordensname: Votjecha, geb. 1914 in Hustenovice (bei Uherske Hradiste/Ungarisch Hradisch in der Mährischen Slowakei), gest. 1988 in Znojmo/Znaim) in Südmähren. Sie gehörte der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus SCB an, die sich im Geist ihres Ordensgründers Josef Chauvenel vor allem der Krankenpflege widmen. Chauvenel, ein Avokat und „Apotheker der Armen“ aus dem lothringischen Nancy, hatte sich unter dem Eindruck der Folgen des 30-jährigen Krieges in den Dienst an den Leidenden gestellt. Er erlag selbst einer Pestepidemie. Aus seinem Werk ging 1652 die erste „Charité“ der späteren Gemeinschaft der Borromäerinnen hervor. Papst Johannes Paul II., dessen Namenspatron der heilige Karl Borromäus ist, erklärte Antonie Hasmandova zur „Dienerin Gottes“. Auf Diözesanebene wurde das kirchenrechtliche Verfahren zur Seligsprechung eingeleitet.

7) Tomas Bursik: “Ztratily jsme mnoho casu… Ale ne sebe! – Wir haben viel Zeit verloren…aber nicht uns selbst!“. (Martina Schneibergova/Andrea Fajkusova in „Tagesecho“ – Radio Prag, deutschsprachige Sendungen, vom 10. 04. 2007). Die Studie über „die Politik der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei und ihrer Sicherheitsdienste gegenüber Frauen in den fünfziger und sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts“ wurde als Band 15 der Schriftenreihe der UDV veröffentlicht, erschienen am 15. 12. 2006. Das Resümee liegt in der Internet-PDF-Version auch in deutscher Sprache vor. (Das Ministerium des Innern der Tschechischen Republik/Die Behörde für Dokumentation und Untersuchung der Verbrechen des Kommunismus. Die Polizei der Tschechischen Republik.)

8.) Thomas Kirschner/Jan Velinger in der Sendung „Forum Gesellschaft“ v. 25. 10. 2007, Deutschsprachige Sendung von Radio Praha.

9) The Prague Post v. 14. Mai 2008 / www.prague post. com v. 19. Mai 2008, s. Beitrag: „Workers Party says it has new security corps. Group affiliates itself with far-right National Party

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