Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 14)

Ein Spitzel wird eingeschleust

Mit dem „Klostersturm“, der Aktion „K“ (1), und der Internierung von Ordensangehörigen, Männern und Frauen, hatten die Kommunisten versucht, eine der vitalsten Quellen des religiösen Lebens in ihrem Herrschaftsbereich auszutrocknen. Es gelang ihnen nicht. Ab Mitte der fünfziger Jahre entwickelte sich eine neue Form des Überlebens. Priester und Laienbrüder insbesondere jener Ordensgemeinschaften, die sich der Jugendseelsorge und sozialen Betreuung widmen, wie zum Beispiel die Kongregation der Salesianer, entschieden sich für geheime Arbeitsformen. Die „schweigende Kirche“, die „Kirche der Katakombe“, bildete erste Wurzeln. Es fanden sich christliche Zirkel im Untergrund, geleitet von Priestern, die aus der Internierung entlassen worden waren. Offiziell war ihnen jegliche Seelsorgetätigkeit verboten. Sie sahen sich gezwungen, „zivile“ Berufe auszuüben. Andererseits, so glaubte man wohl, konnte dies von Vorteil sein, nämlich als Tarnung, um gegenüber den Kommunisten nicht aufzufallen. Ein folgenschwerer Irrtum, der manchen „Katakomben-Priester“ in die Fänge der Stasi trieb. Solange diesbezügliche Dokumente unter Verschluss bleiben, kann allerdings nicht gesagt werden, ob die Betroffenen davon wussten, ob und wie sie ständig beobachtet und instrumentalisiert wurden.

Wie die Geheimpolizei vorging, erklärt der Vorgang um einen Stasi-Spitzel mit dem Decknamen „Verbovka“. Der Eintrag in die Stasi-Akte deutet auf einen Anwerbe-Vorgang hin. Es handelte sich um einen Seminaristen, der einer der mährischen Salesianergruppen angehörte. Auf ihn hatte es der StB abgesehen. Ihn zu „überzeugen“ gelang schnell, nach bewährter Methode. Der ehemalige Student M. wurde einem scharfen Verhör unterzogen mit dem Ergebnis, dass er „gründlich“ über die nach den kommunistischen Gesetzen illegale Tätigkeit seiner Mitbrüder berichtete, sich selbst für „schuldig“ erklärte und das gesamte Netzwerk der Salesianer enthüllte. Seine Aussage führte zur Verhaftung mehrer Mitglieder des Ordens. Damit hatte die Stasi den Verräter in der Hand. Damit er gegenüber seinen Mitbrüdern nicht als Spitzel auffiel und er selbst weiter konspirativ eingesetzt werden konnte, wurde auf die Bestrafung von „ungefähr zehn Personen“ im Bezirk Olomouc/Olmütz verzichtet. Auch er selbst blieb selbstverständlich straffrei.

Deckname „Eiche“
Sein neuer Tarnname war nun „Dub“ („Eiche“), wie sich aus den Unterlagen des StB ergeben. Seine „Probezeit“ dauert ein Jahr. Dann wurde ihm angeboten, sein Studium im Ausland abzuschließen, einzige Bedingung: Weitere Zusammenarbeit mit der Geheimpolizei. Der Vorgang erinnert an Methoden der Ostberliner Stasi, katholische Jugendliche und Studenten
für sich zu gewinnen und in kirchliche Gremien und ranghohe Positionen einzuschleusen.

„Dub“ schien zunächst überrascht. Pfarrer zu werden, daran hatte er eigentlich nicht gedacht. Eher ans Heiraten und daran, eine Familie zu gründen. Einige Treffen mit seinen Führungsoffizieren mussten „nachhelfen“, damit er dem „Berufswechsel“ zustimmte. Seine weitere „Karriere“ war von der Stasi exakt geplant. Nach Abschluss oder noch während des Theologiestudiums sollte er sich journalistisch ausbilden lassen. Als Arbeitsplatz war die katholische Universität „Pro Deo“ in Rom vorgesehen. Dieses Studienzentrum, mit den Schwerpunkten Publizistik und Meinungsbildung, spezialisiert auf Presse, Film und Rundfunk, war 1947 von dem belgischen Dominikanerpater Felix André Morlion gegründet worden, hervorgegangen aus einer ebenfalls von ihm 1945 ins Leben gerufenen „Fakultät für Journalismus“.

Die, man könnte sagen, „stramm“ ausgerichtete antikommunistische Linie des Instituts machte die Pro-Deo-Universität zu einem vorrangigen Ziel der kommunistischen Geheimdienste, also auch für den tschechoslowakischen StB. Ab 1957 jedenfalls wurde „Dub“ auf seine Agententätigkeit in Rom vorbereitet – wobei er allerdings nicht seinen Wunsch vergaß, nach fünf bis zehn Jahren, in seine Heimat zurückkehren zu dürfen, um, wie es ihm von Anfang an ja vorgeschwebt hatte, eine Familie zu gründen.
Besonders schwer dürfte „Dub“ die Entscheidung für seine Spitzeldienste nicht gefallen sein, denn schon ab Dezember 1955 soll er „finanziell belohnt“ worden sein. Auch wurde ihm ideologischer Nachhilfeunterricht erteilt, um seine Kooperationsbereitschaft zu beschleunigen und zu festigen.

Soutane, Gummihandschuhe und Zange

Am 4. Oktober 1958, um 9 Uhr, begann die „Aussendung“ des Agenten „Dub“ durch die Stasi in Richtung österreichische Grenze. Ein fingierter illegaler Grenzübertritt, unterstützt von der Nachrichtenabteilung der Grenzbrigade in Znojmo (Znaim) und der Kompanie in Bori Dvur u Valtice (Theimwald, Gemeinde Feldsberg) sollte die österreichischen Grenzposten ablenken. Die Aktion war, soweit Details bekannt geworden sind, raffiniert eingefädelt. Dub werde die Grenze an einer schwer einsehbaren Stelle überschreiten, von Spezialisten abgedeckt. Eine Dreiviertelstunde später werde von einer Heuhütte zwischen den Grenzhindernissen eine Leuchtrakete abgeschossen werden, um die zuständige tschechische Wachkompanie zu alarmieren. Die dabei entstehenden Aktivitäten würden wiederum die österreichischen Grenzposten aufschrecken. Parallel sollten entsprechende Desinformationen gestreut werden. Durch das „diensthabende journalistische Organ“ der Brigade in Znojmo werde eine Meldung über das „von einem unbekannten Grenzverletzer“ begangene „Verbrechen“ an die Medien gegeben. Auf „Dub“ würde also kein Verdacht fallen.

„Dub“ wurde um 19.10 Uhr, nach dem er alles „kapiert“ hatte, durch eine Unterführung hinter die Grenzhindernisse und Stacheldraht-Linie geführt und auf die österreichische Seite „rausgelassen.“ Man hinterließ fingierte Spuren eines „Absprungs“ und einer „Landung im Schlamm“. Der künftige „Kundschafter“ der Stasi sollte sich nun in Richtung Reintal durchschlagen und, sich als Flüchtling ausweisend, den dortigen Pfarrer um Hilfe bitten. Als Dokument durfte er seinen alten „bürgerlichen“ Personalausweis behalten. Außerdem führte er Fotos aus seiner Zeit bei den Salesianern mit sich. Auch die übrige Ausstattung des künftigen Auslandsagenten des StB war sorgfältig ausgewählt worden, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen: eine schwarze Soutane, ein Paar Ersatzschuhe, drei Hemden, Socken, Handtücher und Toiletten-Artikel, gerade so viel, wie in eine Sporttasche passte. Um zu zeigen, wie er die Grenze überwinden konnte, wurden ihm eine Zange und Gummihandschuhe mitgegeben. Wie dem Rapport des zuständigen Stasi-Leutnants zu entnehmen ist, lief die Aktion „Dub“ ohne jede Störung ab. Ganz im Widerspruch zum Befehl und „Wahlspruch“ der Grenztruppen: „Sie kommen nicht durch“. Einer kam durch: „Dub“, der falsche Salesianer. Was anschließend aus ihm wurde? Darüber liegen keine Einzelheiten vor.

„Kuckuck mit roten Federn“

Als „Nest“ für den „Kuckuck mit roten Federn“ hatte sich der Prager Spionagedienst vor allem das „Collegium Nepomucenum“, das tschechische Priesterseminar in Rom, ausgesucht.
Jesuitenpater Josef Kolácek, Direktor der tschechischen Sektion von Radio Vatikan, erinnert sich, wie Bewohner und Besucher des Hauses durch Kollaborateure des Staatssicherheitsdienstes ausgeforscht wurden. Er spricht von „zwei echten Spionen“: Karel S. und Jindrich H. Besonders schmerzlich sei es für ihn, über S. zu sprechen, denn ihm habe er sehr geholfen, als S. sich nach Italien absetzte sowie bei der Aufnahme im „Nepomucenum“. Die Wege des Karel S. scheinen bis zu seiner Ankunft in Rom verschlungen.

Mutter Kirche lässt ihre Kinder nicht fallen und Gnade vor Recht walten, wo Justitia eher dazu neigte, keinen Pardon zu geben. Ob dies auf Karel S. zutrifft, ob oder in welchem Ausmaß er seiner Kirche geschadet hat, lässt sich von außen her nicht beurteilen. Er selbst soll zwar seine Kontakte zum StB eingestanden haben, nicht aber Umfang und Dauer. Wie schon an anderer Stelle beschrieben, galt das „Nepomucenums“ für den Prager Geheimdienst als erste Adresse. Von hier aus liefen persönliche Verbindungen zu den tschechischen und slowakischen Geistlichen in den Kurienbehörden und bei Radio Vatikan. Die Praktiken der Stasi waren bekannt. Aber selbst wenn dieser oder jener Landsmann verdächtig schien, eindeutige Belege fehlten im Allgemeinen. Selbst manche Erinnerungen von heute stützen sich auf „Erzählungen“ und „Warnungen“, verlieren sich in Andeutungen und Gerüchten nach der Devise „Nichts Genaues weiß man nicht“. So verbreitete sich ein beständiges Klima der Unsicherheit und Verdächtigungen – genau das, was der Geheimdienst neben der Beschaffung von Informationen bezweckte.

Karel S. soll im Alter von 20 Jahren eine Verpflichtungserklärung unterschrieben haben, um in Rom Theologie studieren und sich auf das Priesteramt vorbereiten zu können. Nach seiner Ankunft im „Nepomucenum“ habe sich Karel S. sofort dem Spiritual des Priesterseminars anvertraut, ist von verschiedener Seite zu hören. Geistlicher Leiter war Jesuitenpater Tomás Spidlik, wie Karel S. aus Mähren stammend. Spidlik (Jahrgang 1919) wurde im Jahre 2003 von Papst Johannes Paul II. zum Kardinal ernannt. Er gilt als einer der namhaftesten Theologen unserer Zeit, mit den Fachgebieten Patristik und Spiritualität des Ostens. Er hatte in den ersten Nachkriegsjahren in den Niederlanden und in Italien studiert und war am Päpstlichen Orient-Institut promoviert worden. Bei Radio Vatikan übernahm er 1951 das Programm in tschechischer Sprache. Seine Sendungen, insbesondere seine Predigten, fanden starke Beachtung. In den Abhörzentralen der Prager Stasi wusste man Bescheid. Die Kommunisten versagten ihm die Rückkehr in seine Heimat.

Aus der römischen Zeit von Karel S. sind nur Bruchstücke an die Öffentlichkeit gedrungen. Er sei als Seelsorger in Italien und in den USA eingesetzt worden. Auch als gefragter Gastredner wird er genannt, etwa bei der Tschechoslowakischen Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft in der Schweiz. Er sei durch seine Intelligenz aufgefallen und habe mit seinem Auftreten Eindruck gemacht. Anderen gefiel weniger, wie sehr er von sich selbst überzeugt gewesen sei. 1985 aus den USA zurückgekehrt, soll er in der Kongregation für die Bischöfe beschäftigt worden sein. Diesem Dikasterium ist auch die Kommission für Lateinamerika zugeordnet, ein „Brennpunkt“ für das Interesse des Prager Nachrichtendienstes. Ob Karel S. an seinem neuen Arbeitsplatz an einer der vatikanischen Schaltstellen der Stasi Informationen lieferte, darüber liegen keine Belege vor, jedenfalls keine öffentlich zugänglichen.

1987 sieht Karel S. seine Heimat wieder, als Mitarbeiter in der Bischofskonferenz. 1990 wird dem Organisationsstab zugeteilt, der den ersten Pastoralbesuch von Papst Johannes Paul II. in der Tschechoslowakei (2) vorbereitet. Der Geheimdienst habe ein weiteres Mal versucht, Karel S. anzuwerben. Er habe aber „unverzüglich“ seine Vorgesetzten informiert und alle Kontakte abgebrochen. Anfang der 90er Jahre wird er nach Bonn abgestellt. Nuntius war zu jener Zeit der Ungar Lajos Kada, der nach der Wiedervereinigung unter anderem in die Errichtung neuer Diözesen in Ostdeutschland eingeschaltet war und 1995 „überraschend“ nach Spanien versetzt wurde. Waren auch von ihm „Belastungen“ aus der Vergangenheit bekannt geworden? Karel S. jedenfalls soll der Prager Geheimdienst bis zum „Zusammenbruch des Kommunismus“ im Jahre 1989 im Griff gehabt haben.

Ebenfalls im Jahr 1995 verließ Karel S. die deutsche Bundeshauptstadt und kehrte, von Kardinal Miloslav Vlk nach Prag geholt, an die Moldau zurück. Als einer, der in kirchlichen Zentralbehörden und im Ausland Erfahrungen gesammelt hat, wird er Generalsekretär der tschechischen Bischofskonferenz.

Vielleicht waren es nur „lässliche Sünden“, die Karel S. die Karriere kosteten. Durch seinen Rücktritt von einem einflussreichen Posten schien er gestraft genug. Allerdings veranlassten die Begleitumstände, die offenbar eher einem Rauswurf aus Funktionen in der Heimatkirche gleichkamen, einen ranghohen Vatikandiplomaten zu der ungewöhnlichen Bemerkung, man habe diesen Mann „wie ein Hund davongejagt“. Auf die Hungerbank wurde er freilich nicht gesetzt. Er erhielt eine neue Verwendung in der päpstlichen Botschaft eines Nachbarlandes – - wo er – so wird versichert – mit sensiblen Angelegenheiten nicht in Berührung kommt.

Karel S. bleibt nicht der Einzige, an den sich einige seiner geistlichen Mitbrüder und Landsleute schmerzlich erinnern, insbesondere an „Maulwürfe“ in Rom. Schon als Erzbischof Beran ins römische Exil gezwungen wurde, sei ein tschechischer Emigrant auf ihn angesetzt worden. Ebenso wird der Kirchenhistoriker Jindrich H., Mitarbeiter der Päpstlichen Lateran-Universität als Stasi-Mitarbeiter enttarnt. Auch zwei Mitbrüdern im Jesuiten-Orden sollen der Stasi zu Diensten gewesen sein: Pater K., der jedoch sein Priestertum aufgab und eine Krankenschwester heiratete, sowie Pater T., der allerdings „zu durchsichtig beim Spitzeln“ gewesen sei.

„Gefährlicher“ waren, wie Pater Kolácek schreibt, (3) einige der Priester in Rom, denen von den Prager Behörden erlaubt wurde, regelmäßig in ihre Heimat zu reisen. Oft als „Besuch der Mutter“ deklariert. „Ich selber bekam eine solche Bewilligung nie!“, schreibt Pater Kolácek. Bei den Mitbrüdern habe man „Gegenleistungen“ vermutet. Im täglichen Umgang mit ihren Landsleuten, auf die sie angesetzt warne, verhielten sie sich offensichtlich eher unbedarft. Ob aus einer gewissen Schläue heraus, bleibt dahingestellt. „Ihre Naivität war so groß, dass sie sich amüsierten, uns von den Einladungen zum Abendessen zu erzählen und von den „dummen“ Gesprächen, die der Beamte der tschechischen Botschaft mit ihnen führte“, erinnert sich P. Kolácek.

Rache an der Mutter und dem Bruder

Was die Spitzel in der Soutane dem römischen Residenten des Prager Staatssicherheitsdienstes erzählt haben mochten, war vielleicht nicht allzu ergiebig. Aber allein die Tatsache, dass sie sich der Geheimpolizei ausgeliefert haben, konnte für jene, die sie ausforschen sollten, lebensgefährlich werden. Er selbst sei nie von Agenten erpresst worden, berichtet Pater Kolácek, jedoch – soweit er wisse – von Pater T., sowie von S. und H. bespitzelt worden. Er sei „ganz oben“ auf der Liste der „Erzfeinde des Kommunismus in der CSSR“ geführt worden.

Pater Kolácek geht davon aus, dass er, als er noch zu Hause in Brünn lebte, ständig überwacht wurde. „Vielleicht von mehreren“. Aber das seien Vermutungen, ohne sichere Beweise. Nach seinem Weggang nach Rom bekam er die ganze Härte des StB zu spüren, zwar indirekt aber nicht weniger schmerzhaft. „Sie haben Rache an meiner Mutter geübt und an meinem Bruder, einem Arzt.“

Fortsetzung folgt

Fußnoten:

(1) Die „Aktion K“ – der „Klostersturm“: Eine in mehreren Etappen, von April bis September 1950, von der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei verfügte landesweite Operation gegen die Männer- und Frauenorden, um das gesamte Ordenswesen zu zerschlagen. Die Aktion erfolgte im Rahmen des strategischen Ziels des Regimes, die katholische Kirche vom Volk zu isolieren. Im Jargon der Partei: die „reaktionäre katholische Hierarchie“ zu treffen und „den Einfluss der imperialistischen Agenten in der katholischen Kirche zu brechen.“ (Ruolf Slansky, 1945-1951 Generalsekretär der Kommunistischen Partei KSC, mitbeteiligt an der Machtübernahme 1948, 1952 selbst Opfer interner Machtkämpfe und antisemitischer Elemente. Im größten Nachkriegsschauprozess angeklagt, Haupt einer „staatsfeindlichen Verschwörungszentrale“ zu sein, zum Tode verurteilt und hingerichtet, eine Asche angeblich dem Streusplit für den Winterdienst beigemischt, in den 60er Jahren juristisch und von der Partei rehabilitiert)

Der erste Schlag unter dem Codewort „Aktion K“, angeordnet vom Parteiausschuss für kirchliche Fragen, begann in der Nacht vom 13. auf 14. April 1950. Er traf zunächst die Männerorden. Die gesamte Maßnahme lief bis Anfang Mai. Mehr als 2300 Ordensmänner und über 6300 Ordensfrauen wurden in bestimmten, über das gesamte Staatsgebiet verteilten, entlegenen Klosteranlagen zusammengefasst. Diese waren zu Sammel- und verschärften Internierungslagern (Konzentrationsklöster) umfunktionier worden. Weitere Priester und Ordensfrauen wurden in den am meisten gefürchteten Strafanstalten inhaftiert, zusammengesperrt mit
Kriminellen, um ein besonderes Maß an Erniedrigung zu erreichen.

Die eingesperrten Männer und Frauen der Kirche hatte die Partei schwere körperliche Arbeiten vorgesehen: auf dem Bau, in der Fabrik, in den Arbeitskollektiven der Landwirtschaft. Ordensschwestern wurden aber auch wieder in der Alten- und Krankenpflege eingesetzt. Die Verhaftungswellen hätten in diesem Bereich zu große personelle Lücken gerissen. In den Internierungsklöstern wurde versucht, Ordenpriester politisch umzuerziehen. Sie sollten internierte Pfarrer ersetzen, d. h. deren Gemeinden übernehmen. Diesem Zweck diente auch Förderung der so genannten „Friedenspriester“, die in der Vereinigung „Pacem in terris“ organisiert waren, von der Partei kontrolliert. – vgl. auch: Karel Kaplan: Staat und Kirche in der Tschechoslowakei 1948 – 1952. Oldenbourg Wissenschaftsverlag. Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, Bd. 64. München 1990. / Das Collegium Carolinum CC München ist eine Forschungsstelle für die böhmischen Länder; das dem Trägerverein zugehörige Institut erfasst mit seinen wissenschaftlichen Arbeiten den gesamten ost-mitteleuropäischen Raum.

2) Pastoralbesuch von Papst Johannes Paul II. in der Tschechischen und Slowakischen Föderativen Republik vom 21.-22. April 1990

3) Brief von P. Josef Kolácek S.J. vom 18. Juni 2007 an den Autor.

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