Mein Gewissen ist die Wahrheit (Folge 20)
Prag 68 – Vatikan im Bund mit der NATO
In den Monaten nach dem Einmarsch von Warschauer Pakt-Truppen wird weiter versucht, mit der „französischen Karte“ die westdeutsche Bundesregierung auszuspielen. Das „Spielmaterial“ beschafft sich der ungarische Nachrichtendienst aus dem Vatikan. Mit anderen Worten: Die römische Residentur des ungarischen Auslandsgeheimdienstes beschattete nicht nur den Vatikan, sondern versuchte, über diplomatische Kanäle des Heiligen Stuhls die westeuropäische Außenpolitik auszuforschen, in diesem Fall Frankreichs, speziell in seinem Verhältnis zu den beiden Supermächten und zum Nachbarn Deutschland.
Der französische Außenminister Michel Debré, berichten die Ungarn in einer Ihrer „Informationen“ aus dem Vatikan, habe „die Westdeutschen“ kritisiert. Diese wollten „die sozialistischen Länder nach eigenem Gutdünken teilen“ und mischten sich „deshalb in die inneren Angelegenheiten dieser Länder ein.“ Auch das Feindbild Vatikan als das eines NATO-Partners wird aufpoliert. Der Apostolische Nuntius in Paris, Paolo Bertoli habe „über Debré de Gaulle die Bitte des Papstes“ übermittelt, Frankreich möge während der Zeit der Krise die Verteidigungspläne des Atlantischen Bündnisses begünstigen.“ (1)
In der „Information“ vom 27. Dezember 1968 wird dies wiederholt: Der Nuntius habe die Wünsche des Papstes übermittelt, „daß die westeuropäischen Politiker die zwischen ihnen bestehenden Widersprüche zur `Erhaltung der Existenz Europas´ beiseite schieben.“ Bertoli habe Debré besonders darum gebeten, „de Gaulle die innigsten Wünsche des Papstes zu übermitteln, daß er die `Verteidigungs´-Pläne der NATO unterstützt.“ (2)
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