Archiv des MonatsMarch, 2009

Deckname: Heilige Allianz Teil II

Geheimagenten im Dienste der Päpste?

Keine andere Gruppierung in der katholischen Kirche stellt sich so radikal gegen Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils und päpstliche Anordnungen der Päpste, wie die Priesterbruderschaft St. Pius X. Ihr „Gründervater“, der französische Erzbischof Marcel Lefebvre, hatte zwar selbst am Zweiten Vatikanum teilgenommen und, obwohl dem konservativen Zirkel um Kurien-Kardinal Alfredo Ottaviani zugerechnet, die Abschlussdokumente mit unterschrieben. Die nachkonziliare Entwicklung führte jedoch zum Bruch, Lefebvre distanzierte sich zunehmend von einem „Aggiornamento“, von dem Johannes XXIII gesprochen hatte, vom „Heutigwerden der Kirche. Er verstand solche „Öffnungen“ als Verrat an der katholischen Glaubenstradition und denunzierte diese Neuerungen als „neomodernistisch“ und „neoprotestantisch“.

„Ökumenismus“ führe von der Kirche weg, da er nicht mehr die Bekehrung der Häretiker und Schismatiker verlange, ist in einem Aufsatz auf einer Webseite der Priesterbruderschaft zu lesen. In einer anderen Stellungnahme wird davon ausgegangen, dass sich auch die Juden eines Tages christianisieren werden. Bedingung für ihre Aufnahme sei aber, dass sie sich für den Gottesmord ihrer Vorväter entschuldigten.

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Deckname: Heilige Allianz Teil I

Geheimagenten im Dienste der Päpste?

„Am anderen Morgen fanden sie Pietro Mazzini, nennen wir ihn so, tot in seinem Bett liegend. Noch am Abend zuvor hatte er mit Freunden in der Trattoria am Fluss gezecht, bei bester Gesundheit. Jetzt war alles Leben von ihm gewichen, und dass er keines natürlichen Todes gestorben war, zeigte sich bei näherem Hinsehen. Auf dem Leichnam lag – und das Blut gefror ihnen in den Adern, als sie das Zeichen erkannten – eine weiße Nelke. Das war die nur zu bekannte Visitenkarte, welche die Jäger des „blutroten“ Kardinals hinterließen, wenn sie einen Auftrag für ihn erledigt hatten.“ Todesgrüße vom Großinquisitor Seiner Heiligkeit.

So oder ähnlich könnte die Geschichte beginnen, zu der den Stoff ein Buch liefert, das im vergangenen Jahr in den USA erschien und nun auch auf dem deutschen Markt angeboten wird, allerdings nur in der englischen Übersetzung aus dem spanischen Original.

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Gesamtversion

Nach Abschluss der Reihe „Mein Gewissen ist die Wahrheit“ sind jetzt auch wieder alle Texte aus dieser Kategorie als Archiv-Version zum gebündelten Lesen verfügbar. Sie können sich die Gesamtfassung anzeigen und auch herunterladen und ausdrucken:

Mein Gewissen ist die Wahrheit
Kirchenkampf in der Tschechoslowakei
Als PDF-Datei zum Herunterladen (ca. 1700 kB)

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Vom Wunder der Wende

Ein Buch über das Ende einer Zwangsherrschaft

„Urbi et Gorbi“ – nun ja, ein zugkräftiger Buchtitel könnte schon die halbe Miete sein. So haben Autor und Verlag mit den Wörtern einer bekannten lateinischen Sentenz, die den Segen des Papstes über die Stadt und den Erdkreis beschreibt, gespielt und dabei ist die neue Version herausgekommen.

Joachim Jauer: Urbi et Gorbi. Christen als Wegbereiter der Wende. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2008

Gorbi im Orbit – seinerzeit, als sein Genosse Landsmann Gagarin über den Wolken unterwegs war, dürfte ihm Michail Sergejewitsch Gorbatschow wohl noch zugestimmt haben. Der sowjetische Kosmonaut hatte pflichtschuldig nach unten gemeldet, er habe dort oben Gott leider nicht angetroffen. Der Parteifunktionär lebte damals auf derselben ideologischen Wolke. Und als er noch immer an das herrschende Regime glaubend, „Glasnost“ und „Perestroika“ einläutete, blieb er auf Kurs: „Es ist sehr wichtig zu gewährleisten, dass sich unsere Jugend eben in ihren jungen Jahren, da sie besonders aufnahmefähig ist und das größte Interesse für das Leben zeigt, dem Leben spendenden Quell des Marxismus-Leninismus zuwendet. Diese Lehre entstand doch als Antwort auf die akutesten Probleme des menschlichen Daseins mit all seinen Sorgen, Problemen und Hoffnungen“, predigte der Generalseketär des ZK der KPdSU auf dem XX. Komsomolkongress am 16. April 1987.1

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Zwischenruf

„Übertriebener Katholizismus“ – Der Fall Nikolaus Brender

Johannes Hus starb 1415 auf dem Scheiterhaufen, Jeanne d´Arc folgte ihm 1431 und Giordano Bruno wurde 1600 den Flammen übergeben. Die Entfernung unbequemer Zeitgenossen auf diese höllische Art liegt also einige Centennien zurück. Ganz aufgegeben haben gewisse Usurpatoren der Wahrheit die öffentliche Hinrichtung noch nicht, nur die Methode verfeinert. Es genügt, ein vages Gerücht, eine zweifelhafte Information, über eine missliebige Person in die Welt zu setzen, um sie „unmöglich“ zu machen. Ein eigener Begriff drückt dies treffsicher aus: die Betroffenen gelten als „verbrannt.“ Auch die Inquisition scheint zurückzukehren, nicht im Kardinalsrot des heiligen Uffiziums, sondern in der politischen Requoncista unserer Zeit, auf merkwürdig verdrehte Weise.

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Weil der Papst nicht fehlen kann?

„Santo subito“ skandierten die Betenden auf dem Petersplatz schon in der Sterbestunde des Hirten, dem der Bittruf galt: Papst Johannes Paul II. Aber einen Heiligen Vater macht sein Titel nicht zwangsläufig auch zu einem heiligen Vater. So schnell mahlen im Vatikan auch in solchen Fällen die kurialen Mühlen nicht, wohl nicht zuletzt auf Grund historischer Erfahrungen, dass gläubiges Volk mitunter Irrungen und Wirrungen unterlegen und schon mal einem Scharlatan, diesen voreilig wie einen Heiligen verehrend, aufgesessen zu sein. Ob die kuriale Bürokratie stets vor Fehlurteilen bewahrt geblieben ist, steht auf einem anderen Blatt – manche Beatifikationen jedenfalls lassen einige Fragen offen, spätere Überraschungen nicht ausgeschlossen. Doch wenn der Papst gesprochen hat, unter dem Siegel seiner Autorität, dann steht die Sache. Das Diktum „Rex non potest peccare“ galt/gilt wohl auch für die vatikanische Monarchie, wonach der Pontifex in Ausübung seiner legalen Vollmachten nicht fehlen kann, meint doch wohl: jedenfalls nicht so richtig.

Immerhin: Um Missgeschicken bei künftigen Kanonisierungen auszuweichen, schaltete die höchste kirchliche Jurisdiktion ein kompliziertes, umfangreiches Untersuchungsverfahren vor den Urteilsspruch. Dies bedeutet, dass den Kandidaten bis zur Unterschrift des Papstes (bei positivem Ausgang natürlich) in der Regel ein zeitraubender Prozess erwartet. Auch Johannes Paul II. wird sich post mortem wohl noch einige Jahre gedulden müssen.

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