Archiv des MonatsSeptember, 2009

Ora et labora

Ein deutsches politisches Monatsmagazin bringt regelmäßig gegen Ende des Blattes eine kleine philologische Gedenkecke, wo unter Verzicht auf ausschweifende Expertenmeinung kurz und bündig jedesmal einige „gefährdete Wörter“, aber auch „untergegangene Wörter“ sowie „neu entstandene Wörter“ aufgelistet werden. Eine kurze Nachdenklichkeit über diese Mitteilungen führte mich zurück zu einem Spaziergang am Vortag entlang dem Rheinufer meiner Heimatstadt. Die Augenblicke am Strom sind immer wieder ein Erlebnis. Das im Jahresreigen wechselnde Schauspiel der Natur, das Leben am und auf dem Strom, die Erinnerung an die geschichtlichen Ereignisse dieser Völker verbindenden aber immer wieder trennenden Grenzlinie, in so vielen Romangeschichten beschrieben, dann den vorbeifahrende Schiffen nachzusehen, bis mit ihnen der Blick an der Flussbiegung fernen Traumzielen entgegeneilt einen Hauch von Fernweh stimulierend oder doch ein wenig Reiselust.

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Kommentar

Zweiter Weltkrieg – “Gott mit uns”? – Teil 2

4.

Der 1. September 1938, als der Beginn eines „Vernichtungskrieges“ im Osten und der Aussonderung von Menschen und Völkern nach der rassistischen Weltanschauung des Nationalsozialismus  könnne in ihrem inneren Zusammenhang nicht ignoriert werden.  Der 9. November 1938 und die ihm folgenden Tage der antijüdischen Pogrome eröffnete den Weg zur Shoá, der Krieg, zunächst gegen Polen, dann gegen den Westen und schließlich gegen die Sowjetunion, schuf die Voraussetzungen, die Vernichtungspläne der Ideologie der Herrenmenschen zu verwirklichen.  Geboren aus einem Nichts, oder  aus  zeitgeschichtlichen Prozessen des 19. Jahrhunderts, wie sie von antisemitischen Gedankenträgern um Marr und Zeitgenossen geboren wurden?

Wer sieht die antijüdischen Symbole an christlichen Kirchen: die triumphierende Ecclesia gegenüber der blinden Synagoga.  Man muss nicht  erst nach Straßburg und Bamberg fahren, oder nach Regensburg, wo die  widerliche Darstellung der sogenannten „Judensau“ am Südportal angebracht ist.   Darstellungen, die das jüdische Volk herabsetzen waren Tradition in der Geschichte christlicher Kirchenbaukunst und müssen nicht lange gesucht werden. Beispiele:  Teufel und Jude am Wetzlarer Dom, die Szene der Seligen und Verdammten am ehemaligen Westlettner im Mainzer Dom-Museum: Die Seligen, zur Rechten Gottes sitzend, angeführt vom Papst, die Abgewiesenen, an erster Stelle die Juden,  „von vornherein für die Hölle bestimmt“, wie der Ausstellungskatalog erläutert .  Kirchenlehrer  Augustinus hatte die Juden der massa damnata zugerechnet, als Ungetaufte der ewigen Verdammnis ausgeliefert.

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