Die Hochzeit von Stockholm

In Schweden wurde am vorletzten  Juni-Wochenende 2010 eine Eheschließung von den geladenen Gästen ausgiebig gefeiert, „bis in die Puppen“, wie die bei solchen Anlässen reichlich vertretenen  Hofberichterstatter schwärmten.  Die einschlägigen Hochglanz-Postillen werden noch lange von der „Traumhochzeit“ zehren,  zumal   Schwedens Kronprinzessin  nach langem  Ringen mit dem königlichen Vater einem Bürgerlichen das „Ja-Wort“ gab.  Auf die „Royals“ in aller Welt ist Verlass, dass der Stoff für mehr oder weniger geschmackvolle Intimgeschichten in den einschlägigen Blättern nicht zur Neige geht, zur Versorgung einer unter diesbezüglicher Deprivation (eine „Spiegel“-Formulierung)  leidenden Leserschaft, insbesondere zur Lektüre unter der Haube des Lieblings-Coiffeurs.  Etwas daran auszusetzen?  Eigentlich nicht.  Hinzuzufügen wäre, dass dieses soziale Phänomen insbesondere in Ländern mit republikanischer  Staatsform zu beobachten ist. Selbst die eine oder andere Palastaffäre,  wenn Silvio in Rom oder Sarko in Paris schon mal aus dem Rahmen fallen oder  der Bewohner von Schloss Bellevue  kurz entschlossen  seinen Mietvertrag kündigt – das ist nichts gegen Affären bei Hofe um „wer mit wem“.

Zugegeben, ich bin eingefleischter Republikaner – aus dem einfachen Grund,  der in einem kleinen grammatischen aber historisch bedeutsamen Unterschied liegt:   Im Namen der Republik haben viele Menschen im Laufe der Geschichte ihr Leben gegeben; im Namen von Monarchien und deren Dynastien wurden  viele Menschenleben geopfert.  Auch dies hat mit dem glanzvollen Ereignis von Stockholm zunächst nichts zu tun.  Allerdings  habe ich von den Bildern,  die vom Staatsfernsehen aus der kirchlichen Trauung im  Stockholmer Dom übertragen wurden,  jene Szene in eigentümlicher Weise in Erinnerung, bei denen sich die Kameras auf die ersten Stuhlreihen hinter dem Brautpaar richteten:  da saßen die gekrönten Häupter, die Damen in ihren großen Roben und die Herren in ihren mit Orden und Bändern übersäten Uniformen, mehrheitlich wohl der Marine zugehörig und selbstverständlich im Admiralsrang.  Gold macht sich auf Blau natürlich besonders gut , als auf Feldgrau oder Ranger-Grün.

Uniformen  dienen, um es kurz zu machen, dem besonderen Zweck, ihre Träger vom „normalen“ Bürger zu unterscheiden, seine besonderen Befugnisse herauszustellen:  der Polizist, versteht sich, früher auch der Postbote, heute der Wachmann, ja auch der Karnevalist der Mainzer Ranzengarde.
Vater aller Uniformen aber war, falls ich mich nicht irre, der Kriegsgott Mars.  Wer in seinem Namen ins Feld marschierte, kennzeichnete sich und seine Mitstreiter mit Farben und Symbolen, die sich vom Feind und Gegner unterschieden. Dabei ist es bis heute geblieben, ob bei der passiven oder aktiven Ausübung des Kriegshandwerks.  Um dies festzustellen, muss man kein fanatischer Pazifist sein.

Was aber haben Admirale und Generale, insbesondere solche  die in der Regel keine Truppen führen sondern nur Ehrenränge  bekleiden, bei  einer zivilen Hochzeitsfeier zu suchen.  Soweit bekannt, werden vor dem  Altar keine Feldzüge besprochen.  Der Verdacht liegt nahe, ein wohlbekanntes Wesen hat sich in die prominente Veranstaltungen eingeschlichen, wie immer, wenn er sich der Aufmerksamkeit der anderen Anwesenden und einen Millionen-Publikums sicher sein darf:  die Eitelkeit. Da wird kokettiert, die Brust gewölbt, zackig gegrüßt mit der Hand oder der Fingerspitze am Mützenschirm –  Männer, die so gern Soldat  sind  – offenbar ein Urinstinkt seit Erfindung der Schlag-Keule aus einem Mammut-Knochen – dürfen sich darstellen.  Wir da oben, die da unten. Doch es bleibt dabei:  Militär ist Militär und Krieg ist Krieg.  Ob unverzichtbar das eine, weil unvermeidbar das andere,  steht auf einem anderen Blatt.  Daniel, so heißt der Ehemann der Prinzessin, hat es richtig gemacht, obschon ihm nach abgeleisteten Wehrdienst doch ebenfalls eine Uniform zugestanden hätte:  Er  erschien in Zivil.  Dem Protokoll angemessen:  Frack,  Schleife und, nun ja, den ersten Hausorden nebst Schärpe.  Allein die beiden hatte einen Sieg zu feiern:  den der Liebe zueinander. Anders,  als in Historienfilmen nachgespielt, ohne Uniform und Degen.

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