Archiv zur KategorieIm Kreuz die Wahrheit

Im Kreuz die Wahrheit (Folge 4)

Ein Spitzel war immer dabei

Papst Paul VI. folgte seinem Vorgänger in den Bemühungen, der Kirche in den sozialistischen Ländern Lebens- und Überlebensmöglichkeiten zu sichern. Sie ging mit einem feststehenden Begriff in den allgemeinen Sprachgebrauch ein, als „neue vatikanische Ostpolitik“. Als deren „Architekt“ galt der Karriere-Diplomat, „Außenminister“ der Kurie und schließlich Kardinal und Staatssekretär Seiner Heiligkeit, also die Nummer Zwei nach dem Papst: Agostino Casaroli. Er selbst sprach ungern von „Ostpolitik“ sondern zog den Begriff „Diplomatie der Seelsorge“ vor, um treffender zu kennzeichnen, worum es dem Apostolischen Stuhl ging, wenn der Emissär nach Belgrad und Berlin, Prag und Budapest und nicht zuletzt nach Moskau reiste. Um es kurz zu machen: Ein Stasi-Spitzel war immer dabei. Es würde die Möglichkeiten dieser Berichts-Serie überfordern, jedes einzelne Dokument zu besprechen. genügt wohl, einige wenige Schriftstücke auszuwählen, um die ganze „Bandbreite“ und die Intention der „Aufklärung“ und „operativen Maßnahmen“ der „Sicherheitsorgane“ der Warschauer Vertragsstaaten in dem genannten Zeitraum darzulegen.

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Im Kreuz die Wahrheit (Folge 3)

Chinesische Passion

In die Schreibarbeit zu Stasi-Informationen aus der Zeit des Pontifikats von Papst Paul VI. platzen weitere verwirrende Nachrichten aus der Volksrepublik China, geschehen Anfang September 2007. Ein Bischof der „romtreuen Untergrundkirche“ in der Diözese Yong Nian in der Provinz Hebei sei auf mysteriöse Weise gestorben, berichtet die in den Vereinigten Staaten ansässige „Kardinal Kung Stiftung“. Insgesamt 35 Jahre seines Lebens habe Bischof Han Dingxiang in Arbeitslagern, im Gefängnis oder unter Hausarrest verbracht. Zur Todesursache des Geistlichen, der 71 Jahre alt wurde, würden die Behörden schweigen; sie hätten jedoch angeordnet den Leichnam des Geistlichen umgehend einzuäschern. Die sei in einer Art „Nacht-und-Nebel-Aktion“ geschehen. Wie weiter bekannt wurde, sei der Bischof einer „nicht näher spezifizierten Erkrankung“ erlegen, nachdem er aus der Haft in ein Krankenhaus verlegt worden sei.

Am selben Tag eine zweite Meldung: Die südchinesische Diözese Guizhou habe einen neuen Weihbischof. Der von der Patriotischen Vereinigung vorgeschlagene Kandidat, Pater Paolo Xiaou Zejiang sei vom Vatikan anerkannt worden. Damit habe Papst Benedikt bereits den zweiten mit Billigung der Staatsmacht ernannten Bischof akzeptiert. Wie Ende Juli die Weihe von Josef Li Shan als Bischof von Peking. Obwohl die Patriotische Vereinigung, die als katholische Staatskirche gilt, den Papst nicht als Oberhaupt anerkannt.

Es scheint, als werde die „offizielle Linie“ von der chinesischen Führung modifiziert, wie auch der Vatikan sich offenbar flexibel zeigt, mit dem Ziel einer „vietnamesischen Lösung“ – etwa durch einen den Verhältnissen entsprechenden Wahlmodus für die Hierarchie. Benedikt XVI., der im Mai noch mit einem Brief an die chinesischen Katholiken auf seinen Jurisdiktionsprimat verwies und „die Ernennung von Bischöfen durch die Staatskirche als unvereinbar mit dem Kirchenrecht abgelehnt habe, wende sich immer mehr gegen die katholische Untergrundkirche im Land, die sich weiterhin nur Rom verpflichtet sehe schreibt Die ZEIT in ihrer Internet-Ausgabe. (1)

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Im Kreuz die Wahrheit (Folge 2)

Krieg der Propaganda

In die „Flötentöne“ aus dem Osten, die von Entspannung statt Konfrontation im Verhältnis zum „kapitalistischen und imperialistischen Westen“ sprechen, mischen sich schrille Dissonanzen, wenn man die Rede nachliest, die der stellvertretende KGB-Vorsitzende, Generalleutnant Viktor Tschebrikow, auf einer Konferenz der Staatssicherheitsorgane der Warschauer Vertrags-Staaten in Polen hielt. Die Beratung fand 1975 in Warschau unter der organisatorischen Leitung des polnischen Innenministeriums und dem „Genossen Minister“ General Kowalczyk statt. (1) In seiner, die übliche Redelänge (51 Textseiten in der deutschen Übersetzung) umfassenden Ansprache, zieht einer der ranghöchsten sowjetischen Geheimdienst-Chefs alle Register des verbalen Kalten Krieges. Seine Angriffe sind gegen die Religionsgemeinschaften allgemein gerichtet, aber insbesondere gegen den „Vatikan.“ Manche Passagen gleichen sich bis aufs Wort der Rede, die der sowjetische „Religionsminister“ Wladimir Kurojedow 1972 in Sofia gehalten hatte. (siehe „Im Kreuz die Wahrheit“, Folge 1). Ein kleines Indiz dafür, wie die für „religiöse Angelegenheiten“ zuständige Behörde und die allgegenwärtige Staatssicherheit zusammenarbeiteten.

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Im Kreuz die Wahrheit (Folge 1)

Kirchenkampf im Kalten Krieg

Topographie des Schreckens

Von dem Haus „Leistikowstraße Nr. 1“ in Potsdam geht für manche Menschen, wenn sie nur den Name hören, ein Schauer aus. „Halb verhungert, im Stehkarzer, nicht enden wollende Verhöre“, so beschreibt ein ehemaliger „Bewohner“ dieses Hauses seine Zeit dort. Der Zeitzeuge: Ein Häftling in den Fängen der sowjetischen Staatssicherheit: Die Räumlichkeit: eine Zelle in dem als „Untersuchungshaftanstalt“ zwar behördlich korrekt aber faktisch äußerst unzulänglich bezeichneten Verhörzentrum des KGB.

In der Nauener Vorstadt, nahe dem Neuen Garten, dem Heiligen See und dem Schloss Cecilienhof (dem Ort des Potsdamer Abkommens) hatte sich die sowjetische Besatzungsmacht einquartiert, hermetisch abgeschirmt und eingeigelt in einem Wohnbezirk mit dem sinnigen Namen „Sternenstädtchen No. 7“ – im Gefolge der Geheimdienst KGB, der hier seine Kommandozentrale hatte. In dem besagten Haus in der ehemaligen Mirbachstrasse – das bis 1945 die „Evangelische Reichsfrauenhilfe“ beherbergte und eine Pfarrerswohnung – richtete sich die „Spionageabwehr“ ein.

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