Kirche im Reich der Roten Mandarine
„In offiziellen Kreisen des Vatikans wertet man den Umstand als einen bedeutenden Fortschritt, dass die Chinesen in letzter Zeit beginnen, die Möglichkeit der Existenz einer religiösen Ideologie auch unter sozialistischen gesellschaftlichen Verhältnissen anzuerkennen“. Mit dieser etwas sprachlich kompliziert gedrechselten „Information“ – eher wohl ein Problem der Übersetzung aus dem Russischen – überraschte der ungarische Geheimdienst die „Bruderorgane“ im August 1979. Die Genossen in Budapest zeigten sich einmal mehr „über alles“ was die vatikanische Diplomatie bewegte im Bilde, ob in Europa oder im Fernen Osten. (1) Sollte der Heilige Stuhl seinerseits diese „frohe Botschaft“ aus dem Reich der Roten Mandarine zum Anlass genommen haben, neue Schritte zu wagen, in der Hoffnung auf Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen, die 1951 von Mao Zedong über Nacht abgebrochen worden waren.
Die Volksrepublik China hatte soeben ihre schwerste innenpolitische Krise, die Große Proletarische Kulturrevolution überwunden. Im September 1976 (am 9.9.) war Mao gestorben, Hua Guofeng hatte den Parteivorsitz übernommen. Die faktische Macht aber übernahm sein Rivale Deng Xiaoping, der den Terror der Roten Garden, Umerziehungslager und parteiinterne Säuberungsaktionen überlebte. Mit Deng setzte eine Phase der Öffnung nach außen (allerdings nicht nach innen) ein. Auch im Vatikan wagte man zu hoffen. (2)

Kopie einer „Information“ der Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik vom 22.8. 1979 über die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik China. Quelle: Die Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.
Dreißig Jahre später: Anfang Juni 2007 sorgt Papst Benedikt XVI., im dritten Jahre seines Pontifikats, wieder einmal für Schlagzeilen. Er hat einen „Brief an die Bischöfe, die Priester, die Personen des gottgeweihten Lebens und an die gläubigen Laien der katholischen Kirche in der Volksrepublik China“ geschrieben, (3) datiert auf Pfingstsonntag, dem Fest des Heiligen Geistes, dem Geburtstag der Weltkirche.
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