Archiv zur KategorieIn den Fängen der Stasi

In den Fängen der Stasi (Folge 4)

Was Ostberlin besonders interessiert

In die Beziehungen zwischen den politisch-ideologischen und militärischen Blöcken auf europäischer Ebene ist Bewegung gekommen. Nicht zuletzt die Gespräche zur Vorbereitung der Verträge der Bundesrepublik Deutschland mit der Sowjetunion und der Volksrepublik Polen sollen zur Entspannung beitragen und den Zustand des Friedens, der durch die Nicht-Krieg-Situation auf den ehemaligen Schlachtfeldern keineswegs zwangsläufig gesichert ist, stabilisieren. Die diplomatischen Bemühungen, insbesondere die bilateralen Kontakte auf westlicher Seite, beschäftigen selbstredend die politischen Nachrichtendienste auf beiden Seiten. Fast allen Berichten, ob östlicher oder westlicher Provenienz, ist eine charakteristische Praxis eigen: sie erscheinen als ein Amalgam aus Sachinformationen, Einschätzungen und manchen gedanklichen Zutaten, die eher den Intentionen der eigenen politischen Führung entspricht, dieser gewissermaßen „entgegenkommt“, zumal dann, wenn der „Dienst“ seine Erkenntnisse als Erfolgsmeldung vorlegen kann.

So berichten die „Sicherheitsorgane der VR Polen“, Kardinal Wojtyla habe „während seines Aufenthaltes in Rom“ dem Staatssekretariat ein Memorandum Wyszinkis übergeben.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

In den Fängen der Stasi (Folge 3)

Mit Stenoblock und Tonband

In Folge 2 dieser Serie konzentrierte sich die Auswahl der Stasi-Dokumente auf Geheimdienstberichte über die politischen Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und den Vereinigten Staaten von Amerika. Mit diesem Thema beschäftigen sich auch die nachfolgenden vom polnischen Geheimdienst beschafften „Informationen“.

Am 4. Juli 1970 wird der US-Amerikaner Henry Cabot Logde von Papst Paul VI. in Audienz empfangen, am Tag zuvor hatte er mit Kardinalstaatssekretär Jean Marie Villot und dem Substituten im Staatssekretariat Erzbischof Giovanni Benelli gesprochen.

Über diese Begegnungen berichten die „Sicherheitsorgane der VR Polen“ und legen ein angebliches „Stenogramm des Gespräches mit dem Papst“ vor.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

In den Fängen der Stasi (Folge 2)

Was denkt der Papst?

Politiker aus Westeuropa und den USA geben sich im Vatikan die Klinke in die Hand. Keine Angelegenheit die besondere Aufmerksamkeit erregen würde, sondern diplomatische Gepflogenheit unter Staaten, die offizielle Beziehungen zueinander unterhalten. Anders schon hatte die Weltöffentlichkeit aufgehorcht, als zum ersten Mal eine schwarze Staatslimousine mit „Hammer und Sichel“ im Stander am 27. April 1966 in den Damasushof vorgefahren war und der sowjetische Botschafter Andrej Gromyko dem Papst seine Aufwartung machte. Der Vertreter des Kreml hatte Paul VI. bereits im Oktober 1965 gesprochen. Zu der kurzen Begegnung war es am Rande der Vollversammlung der Vereinten Nationen gekommen, zu der beide in New York weilten. Inzwischen sind vier Jahre vergangen und die Weltlage hat sich nicht zum Besseren gewendet.

Die politischen Führungsspitzen suchen den Gedankenaustausch mit dem Papst und den Diplomaten der Kurie.

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

In den Fängen der Stasi (Folge 1)

„In meiner langen Zuchthauszeit war es mein großes Glück, die Bibel zu besitzen, obwohl das eigentlich verboten war.“ (Walter Kempowski (1) in „Cicero“ 4/2007)

In den Verliesen der Stasi

Ob andere Gefangene,  solche, die in ihrem politischen Leben auf die Idee des Marxismus-Leninismus geschworen hatten, in den Kerkern der Stasi zu den Katechismen ihrer Glaubensüberzeugung gegriffen haben, lässt sich in Ermangelung diesbezüglicher Zeugnisse nicht beschreiben. Anlass zu hämischer Betrachtungsweise gibt dies allerdings nicht im Geringsten. Wohl aber erinnert mich Kempowskis Bekenntnis an ein Gespräch mit dem tschechischen Geheimbischof Fridolin Zahradnik, dessen Weihe im Übrigen bis heute von manchen Kirchenoberen angezweifelt wird. Es sei denn, Papst Benedikt XVI. findet eine Möglichkeit, der geheimen Weihe nachträglich auch die kirchenrechtliche Gültigkeit mit einer Ausnahmeregelung zu verleihen und den tapferen Sohn der Kirche in Böhmen gegenüber manchen Anfeindungen zu rehabilitieren.

Fridolin Zahradnik hat sich nach der „Samtenen Revolution“ in der Tschechoslowkei den Menschen am Rand der Gesellschaft zur Verfügung gestellt, als Seelsorger und als „Nothelfer“:

__(’weiterlesen »’)

Kommentar

Nächste Einträge »