Trauriger Abschluss von sehr schönen Tagen
Hallo liebe Leute,
sehr geschafft aber überglücklich bin ich wieder im Kreis meiner Familie gelandet. Meine Tochter, Josefine, hat mich gestern abend sehr verdutzt angesehen und wollte nicht lachen. Heute morgen dagegen war es schon besser. Wahrscheinlich muss sie sich erst an mich gewöhnen. Der Rückweg war gestern sehr anstrengend für mich. Ich musste mit dem Fahrrad noch 10 km zurücklegen. An jedem kleinen Anstieg bin ich abgestiegen. Ich war so fertig und bin fast vom Fahrrad gefallen. Mein Auto stand natürlich wieder mutterseelen allein auf einem riesigen Feld. Was für ein Bild. Ein trauriges Bild.
Ebenso traurig war ich, als ich das Pressezentrum verließ und den Platz gesehen habe. Alles war wieder so tot. Keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Ordner – keine Pilger. Monatelange Arbeit, tausende Sicherheitschecks und ein riesiger Organisationsapparat brechen in wenigen Stunden zusammen. Wenn ich vor Schwäche in den Straßengraben gefallen wäre, hätte das niemand gemerkt. Ein paar Stunden früher wäre die gesamte Uniklinik Regensburg angerückt. Ich bin nach Hause gefahren, ohne dass es für mich einen richtigen Abschluss gegeben hat. Wenn man direkt nach der Papstmesse mit tausenden Pilgern den Platz verlässt, trägt ein jeder tief beeindruckt die Glaubensstärkung mit nach Hause. Jeder ist zwar geschafft, aber dankbar bei der Papstmesse dabeigewesen zu sein. Ich kenne das Gefühl von den Weltjugendtagen, und gestern hat mir meine Interview-Pilgergruppe es ebenso bestätigt. Ich dagegen verließ allein und mit einem traurigen Nachgeschmack das Isliner Feld. Es fehlte ein richtiger Abschluss.
Aber diese Erfahrung macht mir etwas ganz wichtiges klar: Das Ereignis lebt durch die Menschen. Nicht das räumliche Drumherum und auch nicht der Papst als einzelne Person, sondern die hunderttausend Menschen bringen den Platz zum Leben. Und ein Zweites kommt hinzu: Christus vereint im Wirken des Hl. Geistes in der Eucharistie alle Menschen untereinander. Das ist die eigentliche Wandlung in der Messe, dass der Einzelne Leib Christi wird und so alle Mitfeiernden Glieder des einen Leibes. Dann geht jeder nach Hause und ist im Glauben tief bestärkt, denn: Wer glaubt, ist nie allein.
Die Frage nach dem Warum, kann ich letztlich nicht endgültig erklären. Sie hat eben was mit dem Hl. Geist zu tun. Die Frage treibt mich weiter um. In diesen Tagen habe ich den Papst als Beziehungsstifter wahrgenommen. Sowohl horizontal als auch vertikal. Durch seine Worte und sein klares Einstehen in seinem Leben bewegt er die Massen, die ihn feiern wie ein Popstar. Ich war gestern ganz vorn an der Absperrung und war tief bewegt – fast zu Tränen gerührt, wie er da oben den Massen zugewunken hat. Es läuft einem eiskalt den Nacken runter, wenn der Papst an einem vorbeifährt.
Vielleicht sind es diese Emotionen, die die Menschen motivieren, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Und diese Emotionen geben den Ausschlag, sich mit dem zu beschäftigen, was der Papst sagt. Es ist fast wie im Evangelium, wo die Frau in der Menge froh ist, nur Jesu Gewand berührt zu haben. Ähnlich froh sind die Menschen, den Papst gesehen, diese Gemeinschaft erlebt und ihren Glauben gefeiert zu haben.
Mit diesem Frohsinn denke ich an die vergangenen Tage zurück. Ein bisschen ist es schade, dass es schon vorbei ist. Irgendwie fehlten mir heute die ganzen Menschen, der Papst und seine klare Worte. Nun gilt es, die gemachten Erfahrungen in den Alltag und in das Glaubensleben umzusetzen. Möge Gott es schenken, dass es mir gelingt.
Der Papst reist zwar erst am Donnerstag ab, aber dieses Weblog endet heute schon. Mir hat es viel Spaß gemacht, Euch meine Gedanken zu schreiben. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. Dass ich aufmerksame Leser hatte, beweist mir der Kommentar von Br. Michael Gebhart OSB. Er wies mich darauf hin, dass gestern noch in ganz Bayern Schulferien waren – klar, sonst hätten auch nicht die 15.000 Messdiener in Regensburg sein können. Nur heute hätten die Regensburger als einzigste noch frei. Lieber Br. Michael Gebhart, herzlichen Dank für den Hinweis. In päpstlicher Manier sage ich ein herzliches Vergelt’s Gott.
Für Euch alle erbitte ich Gottes Segen. Möge der Papstbesuch für Euch ebenso wie für mich eine Aufrüttlung und Stärkung im Glauben bewirken. Es verabschiedet sich ganz herzlich: Sebastian Pilz
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