Trauriger Abschluss von sehr schönen Tagen

Hallo liebe Leute,

sehr geschafft aber überglücklich bin ich wieder im Kreis meiner Familie gelandet. Meine Tochter, Josefine, hat mich gestern abend sehr verdutzt angesehen und wollte nicht lachen. Heute morgen dagegen war es schon besser. Wahrscheinlich muss sie sich erst an mich gewöhnen. Der Rückweg war gestern sehr anstrengend für mich. Ich musste mit dem Fahrrad noch 10 km zurücklegen. An jedem kleinen Anstieg bin ich abgestiegen. Ich war so fertig und bin fast vom Fahrrad gefallen. Mein Auto stand natürlich wieder mutterseelen allein auf einem riesigen Feld. Was für ein Bild. Ein trauriges Bild.

Ebenso traurig war ich, als ich das Pressezentrum verließ und den Platz gesehen habe. Alles war wieder so tot. Keine Polizei, keine Feuerwehr, keine Ordner – keine Pilger. Monatelange Arbeit, tausende Sicherheitschecks und ein riesiger Organisationsapparat brechen in wenigen Stunden zusammen. Wenn ich vor Schwäche in den Straßengraben gefallen wäre, hätte das niemand gemerkt. Ein paar Stunden früher wäre die gesamte Uniklinik Regensburg angerückt. Ich bin nach Hause gefahren, ohne dass es für mich einen richtigen Abschluss gegeben hat. Wenn man direkt nach der Papstmesse mit tausenden Pilgern den Platz verlässt, trägt ein jeder tief beeindruckt die Glaubensstärkung mit nach Hause. Jeder ist zwar geschafft, aber dankbar bei der Papstmesse dabeigewesen zu sein. Ich kenne das Gefühl von den Weltjugendtagen, und gestern hat mir meine Interview-Pilgergruppe es ebenso bestätigt. Ich dagegen verließ allein und mit einem traurigen Nachgeschmack das Isliner Feld. Es fehlte ein richtiger Abschluss.

Aber diese Erfahrung macht mir etwas ganz wichtiges klar: Das Ereignis lebt durch die Menschen. Nicht das räumliche Drumherum und auch nicht der Papst als einzelne Person, sondern die hunderttausend Menschen bringen den Platz zum Leben. Und ein Zweites kommt hinzu: Christus vereint im Wirken des Hl. Geistes in der Eucharistie alle Menschen untereinander. Das ist die eigentliche Wandlung in der Messe, dass der Einzelne Leib Christi wird und so alle Mitfeiernden Glieder des einen Leibes. Dann geht jeder nach Hause und ist im Glauben tief bestärkt, denn: Wer glaubt, ist nie allein.

Die Frage nach dem Warum, kann ich letztlich nicht endgültig erklären. Sie hat eben was mit dem Hl. Geist zu tun. Die Frage treibt mich weiter um. In diesen Tagen habe ich den Papst als Beziehungsstifter wahrgenommen. Sowohl horizontal als auch vertikal. Durch seine Worte und sein klares Einstehen in seinem Leben bewegt er die Massen, die ihn feiern wie ein Popstar. Ich war gestern ganz vorn an der Absperrung und war tief bewegt – fast zu Tränen gerührt, wie er da oben den Massen zugewunken hat. Es läuft einem eiskalt den Nacken runter, wenn der Papst an einem vorbeifährt.

Vielleicht sind es diese Emotionen, die die Menschen motivieren, diese Strapazen auf sich zu nehmen. Und diese Emotionen geben den Ausschlag, sich mit dem zu beschäftigen, was der Papst sagt. Es ist fast wie im Evangelium, wo die Frau in der Menge froh ist, nur Jesu Gewand berührt zu haben. Ähnlich froh sind die Menschen, den Papst gesehen, diese Gemeinschaft erlebt und ihren Glauben gefeiert zu haben.

Mit diesem Frohsinn denke ich an die vergangenen Tage zurück. Ein bisschen ist es schade, dass es schon vorbei ist. Irgendwie fehlten mir heute die ganzen Menschen, der Papst und seine klare Worte. Nun gilt es, die gemachten Erfahrungen in den Alltag und in das Glaubensleben umzusetzen. Möge Gott es schenken, dass es mir gelingt.

Der Papst reist zwar erst am Donnerstag ab, aber dieses Weblog endet heute schon. Mir hat es viel Spaß gemacht, Euch meine Gedanken zu schreiben. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt. Dass ich aufmerksame Leser hatte, beweist mir der Kommentar von Br. Michael Gebhart OSB. Er wies mich darauf hin, dass gestern noch in ganz Bayern Schulferien waren – klar, sonst hätten auch nicht die 15.000 Messdiener in Regensburg sein können. Nur heute hätten die Regensburger als einzigste noch frei. Lieber Br. Michael Gebhart, herzlichen Dank für den Hinweis. In päpstlicher Manier sage ich ein herzliches Vergelt’s Gott.

Für Euch alle erbitte ich Gottes Segen. Möge der Papstbesuch für Euch ebenso wie für mich eine Aufrüttlung und Stärkung im Glauben bewirken. Es verabschiedet sich ganz herzlich: Sebastian Pilz

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Ein großer Theologe erläutert den einfachen Kern des Glaubens

Hallo liebe Leute,

heute bin ich in Regensburg. Ich habe gerade meinen Artikel geschrieben, für dessen Foto ich 6 km Fußmarsch hingelegt habe. Dann kam ein Malteser-Auto und ich sah die letzte Chance, den Rückweg per Auto zu nehmen. Ich knipste das Foto, auf dem der Pfarrer und acht weitere Pilger fehlten, weil der Pfarrer grad die andern Pilger suchte. Aber das war mir egal. Ich will doch auch heim zu meiner kleinen Maus und meiner Frau.

Mein Urteil für die Planungen für den Papstgottesdienst in Regensburg: Überorganisiation schreckt Pilger ab. Es ist einfach Wahnsinn. Das Pressezentrum ist größer als in München. Der Platz war für 500 000 Pilger ausgelegt. Mehr Rettungswege als in Köln. Mein Auto steht auf einem riesigen Feld 10 km entfernt und der einweisende Feuerwehrmann zeigte mir noch die anderen vorbereiteten Felder. Einfach Wahnsinn. Die vielen freiwilligen extra mobilisierten Hilfskräfte warteten verzweifelt auf Pilger, doch ich war mir schon heut morgen sicher, dass so viele nicht kommen werden. Schließlich ist es ein Werktag, im ganz Bayern hat die Schule begonnen – auch wenn die Regensburger heute noch frei hatten. Ein Gutes hatte das Ganze: Das Pilgerheft von Regensburg war von den drei Orten das Schönste.

Nichtsdestotrotz war es ein schöner Tag. Die Predigt war noch klarer als in München und sie gibt eine Antwort auf meine Frage, warum der Papst so anziehend ist. Er, also großer Theologe, hat heute ein klar durch einfache Fragen strukturierte Predigt gehalten. Ich sage bewusst Predigt, die im Gegensatz zur Homilie (Glaubensstärkung) einen missionarischen Charakter hat. Die strukturierenden Fragen waren die Anfragen der (ungläubigen) Menschen unserer Zeit. Was steht am Anfang? An welchen Gott glauben wir? Was ist das Gericht? Was bedeutet es für das christliche Leben? In fundamentaltheologischer Manier erläuterte er den Gläubigen den einfachen Kern des Glaubens – das Glaubensbekenntnis. Es war schön, klar und leicht verständlich. Für mich als Theologiestudent im 8. Semester brachte der Papst die Einfachheit und die Klarheit der Erlösung neu zum Strahlen. Ein Strahlen, wie ich es von meiner Tochter kenne, zu der ich jetzt fahre.

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Wenn bei aller Sicherheit die „unwichtige“ Presse draußen bleibt

Hallo Leute,

heute melde ich mich aus Altötting. Ich übernachte bei einer netten Familie nahe München.

Gestern habe ich nach den Strapazen noch eine Dusche genommen. Das hat vielleicht gut getan. Heute morgen ging es dann um halb sechs aus den Federn. Ich fuhr auf der Bundesstraße 12, auf der alle 1000 Meter (maximal) ein Polizeiwagen stand, und auf jeder und unter jeder Brücke ein Polizist. Irgendwie waren das schon die Vorboten der Über-Sicherheit. Das ganze ging schließlich so weit, dass von hinten zwei Polizeimotorräder ankamen, mich überholten und dann die drei LKWs vor mir auf einem Parkplatz lotsten. Ich dagegen durfte weiterbrausen. Fortan wiederholte sich das Spektakel noch zwei Mal, und ich dachte: Mann, bin ich wichtig. Dann schaute ich aber mal in den Rückspiegel. Dort fuhr eine Kolonne, in deren Mitte der bayerische Ministerpräsident fuhr. Vor jenem dürfen also noch nicht einmal LKWs fahren. Der ist also wirklich wichtig.

Ich wurde dann auf einen Parkplatz gelotst und radelte in die Stadt. Ich hätte mich lieber gleich auf den Kapellplatz begeben sollen, aber ich suchte erst meine Interviewpartner für den heutigen Tag in ihrem Quartier auf. Später bejubelte ich den Papst am Straßenrand und konnte ein recht gutes Bild schießen. Dann ging ich auf den Dultplatz, weil mein Interviewpartner auch dorthin ging. Aber die Leinwand dort gefiel mir gar nicht. Da könnte ich auch daheim oder im Pressezentrum die Messe verfolgen.

Ich versuchte auf den Kapellplatz zu kommen – ich versuchte es, aber es gelang mir nicht. Dreimal nahm ich Anlauf – aber scheiterte immer kläglich. Ich bin ja nur ein kleiner dummer Journalist. Wichtige Journalisten haben rote Akkreditierungskarten – oder sogar blaue für die ganz wichtigen. Komisch war nur, dass jeder Sicherheitsmann mit seinem roten Ausweis beliebig viele auf den Platz mitnehmen konnte. Ich stand also am Eingang zum Pressezentrum, an dem jede Sekunde Leute auf und ab gingen, und so hatte ich gar keine Ruhe die Messe mitzufeiern. Ich kniete mich trotzdem hin und sang, während neben mir die Ordner quatschten und Brötchen aßen.

Der Nachmittag war dann noch recht schön, weil ich dem Papst vom Pressezentrum aus zujubeln konnte. Weil alles hier etwas kleiner ist, hat man auch größere Sichtchancen.

Habt ihr schon ein paar Antworten auf meine Frage? Ich überlege weiter und schreibe morgen aus Regensburg wieder. Da muss ich noch früher aufstehen, und die Anfahrt wird noch schwieriger.

Nun machts mal gut. Tschüß!

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Es war einfach einmalig

Hallo liebe Leute,

heute war nun der erste große Papstgottesdienst in München. Vielleicht habt ihr ihn im Fernsehen mitverfolgt. Für mich auf dem Platz war es einfach großartig. Heute morgen bin ich um kurz nach 4 Uhr aufgestanden und zusammen mit einer Pilgergruppe um 6 Uhr in Richtung Platz aufgebrochen. Um kurz vor sieben waren wir bereits auf dem richtigen Sektor. Die Organisation und Infrastruktur waren echt super, so dass es keine Staus gab. Auf dem Platz angekommen, war es fast wie beim Papst im Wohnzimmer. Wir waren im Vergleich zum Weltjugendtag in Köln so nah dran. Zudem fuhr der Papst zu Beginn durch die Menge.

Eine Antwort auf die Frage, warum pilgern die Menschen zum Papst, ist mir heute aufgegangen. Sie feiern mit dem Papst Eucharistie – sie feiern Jesus Christus, auf den der Papst in Wort und Tat und auch von Amts wegen ganz besonders verweist. Wir sollen Gott in dieser Welt nicht vergessen, nicht taub werden, denn sonst bricht ein wichtiger Raum in unserem Leben ein. Diese Worte sind mir noch im Ohr.

Das Gemeinschaftserlebnis auf dem Platz war überwältigend. Besonders die bekannten Lieder mit kräftigem Gesang aller Gläubigen machten erneut ganz deutlich spürbar: Wer glaubt, ist nie allein. Ich finde dieses Motto einfach genial für einen Papstbesuch. Durch die gute Organisation gab es auch mehr Ruhe auf dem Platz als beim Weltjugendtag. OK, es waren auch heute in München weniger Leute.

Etwas wehmütig war mir, als der Papst in seinen ersten Worten die Menschen begrüßte. Er war, glaube ich, sehr ergriffen, in seiner Heimat diese Menschenmassen zu sehen. Überhaupt zeigt Benedikt XVI. viel mehr Gefühl als sonst in Rom – so meine ich. Ich habe den Eindruck, dass es ein Abschiedsbesuch ist. Er sagt “Auf Wiedersehen” von Bayern, weil er weiß, dass er vielleicht nie mehr dahin zurückkommt. Es ist sogar sehr wahrscheinlich so, schließlich war er schon zwei Mal seit seiner Wahl in Deutschland. Ich meine, dass heute alle Menschen auf dem Platz ähnliches empfunden haben. Bei seiner Predigt fühlte man sich, als spräche der deutsche Kardinal zu einem – nicht der Papst. Es war eine Bestärkung für meinen katholischen Glauben, dass ich heute auf dem Platz war.

Schönstes Ereignis für mich heute war die Taube, die für einige Sekunden auf dem uralten Kreuz hinter dem Papst saß. Es zeigte mir die Anwesenheit des Heiligen Geistes. Und der war wirklich da.

Was die Schreiberei angeht, so habe ich den Artikel für die GNZ schon getippt. Jetzt gehe ich erst einmal was essen, und dann schreibe ich noch ein paar Zeilen für den Bonifatiusboten. Morgen geht es dann nach Altötting, und ich muss schon wieder zeitig aufstehen. Vielleicht erwische ich morgen Bischof Algermissen für ein kleines Interview. Das wäre ein Aufmacher. Ob es geklappt hat, erfahrt ihr morgen.

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Warum wollen die Menschen den Papst sehen?

Hallo liebe Leser,

es ist schon spät, aber für euch habe ich noch mal alle Kraftreserven mobilisiert und bin ins Pressezentrum geradelt. Apropos Fahrrad: Ich habe heute in der Münchner Innenstadt eifrige Stadtarbeiter beim Abschleppen von bald 30 Fahrrädern beobachtet. Die armen Besitzer. Ich werde es also tunlichst vermeiden, mein Zweirad hier irgendwo abzustellen. Das sehe ich sonst nie wieder.

Ich habe viel erlebt. Ich hoffe, ihr habt Lust mir zuzuhören. Gestern Abend hat für mich in der Hl. Messe in der Volksschule und in der nachfolgenden Anbetung der geistliche Teil meiner Fahrt begonnen. Seit Jahrhunderten unternehmen Christen Wallfahrten, und so soll auch diese meine Fahrt eine Wallfahrt werden – mit vielen anderen. Schließlich lautet zu Recht das Thema dieses Papstbesuches: “Wer glaubt, ist nie allein”.

Als ich im vergangenen Jahr zum Weltjugendtag gefahren bin, hatte ich das Wallfahrtanliegen, um eine gute Geburt meiner Tochter zu beten. Schließlich gab es zu Beginn der Schwangerschaft Komplikationen. In diesen Tagen mache ich eine Dankwallfahrt – ich will Gott danken für die gute Geburt meiner Tochter. Sie hat übrigens nur leichtes Fieber gehabt und bei meiner Frau im Bett mit meinem Schlafanzug in der Hand gut geschlafen. Heute morgen hat sie mich gesucht. Ich freue mich schon wieder auf daheim.

Bei der Messe gestern Abend wurde während der Kommunion “We are one body, one body in Christ” gesungen (das Titellied einer der vergangenen Weltjugendtage). In dem Moment ging mir auf, woran ich mich schon bei vergangenen räumlichen Trennungen festgehalten hatte. In der Eucharistie – in Christus – bin ich mit meiner Frau und meinem Kind eins – wie weit auch die Entfernung sein mag. Das gab mir Kraft. So verstehe ich auch die Verbindung von Ehesakrament und Eucharistie.

Mein Anliegen für diese Wallfahrt habt ihr gelesen. Mich treibt die Frage um: Warum nehmen die Menschen, die bereits in dieser Nacht – vielleicht schon in dieser Stunde – aufbrechen und die Nacht nicht schlafen werden, diese Strapazen auf sich und wollen den Papst sehen? Ich lade ein, in diesen Tagen mitzuüberlegen.

Bitte schreibt nicht nur: “Sie wollen den Papst sehen.” – Das stimmt sicherlich. Aber warum kommen dann so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern und sozialen Schichten? Ich war heute am Odeonsplatz und habe mir vier Stunden die Beine in den Bauch gestanden, bis endlich der Papst vorbeikam. Vier Stunden für 30 Sekunden. Warum diese Mühen?

Mich selbst hat die Gemeinschaft bestärkt. Man kommt sich in dieser Zeit nahe. Mit den Menschen, die man kennt. Mit Menschen, die man nicht kennt. Mit Jungen, mit Alten. Bei uns an der Absperrung waren zwei junge Damen, von denen ich dachte: die sind aber schicki-micki. In den vier Stunden wurde in kleinen Gesprächen klar: Sie waren es gar nicht. Meine Vorurteile lösten sich in Luft auf, und sie erklärten mir die Sehenswürdigkeiten der Umgebung. Am Ende haben wir uns verabschiedet. Wieder ein Beweis dafür: Wer glaubt, ist nicht allein.

Es war ein sehr erlebnisreicher Tag. Das Schönste war heute,die feiernden Jugendlichen auf dem Odeonsplatz zu sehen. Die hatten vielleicht eine Ausdauer. Ihre Fröhlichkeit steckte an und gab Kraft zum Durchhalten.

Morgen geht es um 5 Uhr los – Fußmarsch auf den Platz. Dann ist mein Hauptproblem, drei verschiedene Gruppen aus dem Main-Kinzig-Kreis zu finden, zu interviewen und zu fotografieren. Möglichst nach der Messe, wenn die Eindrücke da sind – aber alle wie verrückt vom Platz rennen. Hoffentlich bekomme ich genügend Stoff für meine zwei Artikel zusammen. Morgen Abend wisst ihr mehr. Gute Nacht und überlegt mal mit.

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Abschied nehmen fällt schwer

Hallo liebe Leute,

wie ihr seht, habe ich einen Zugang zum Internet gefunden. Ich bin gerade im Hauptpressezentrum München, direkt am Freigelände, wo am Sonntag die Messe mit dem Papst sein wird. Natürlich führte der Weg ins Internet nicht ohne die Hilfe eines IT-Mannes – warum sollte es auch anders sein als in Köln. Ich vermute mein PC ist etwas aufgeregt bei soviel internationaler Presse. Obwohl hier ist noch gar nicht so viel los. Ein lustiges Ding gleich am Anfang: Ich hatte mich ja auf hammerharte Sicherheitsvorkehrungen eingestellt. Ich kam nun also angeradelt, fragte am Tor zum Messegelände beim Sicherheitsmann nach dem Weg und der leitete mich direkt zur Hintertür des Pressezentrums. Ich wär fast mit meinem Fahrrad bis zum Rechner gefahren, habe es aber dann doch lieber an eine Laterne geschlossen. Jedenfalls kam ich dann von hinten zum Empfang, wo es Gepäckkontrolle und Ausweischeck gibt. Naja, die Jungs und Mädels von der Sicherheit können bis Sonntag ja noch etwas üben.

Heute morgen ist mir der Abschied von meiner Familie sehr schwer gefallen. Es ist das erste Mal, dass ich seit der Geburt meiner Tochte alleine von ihr wegfahre. Es ist mir mächtig schwergefallen. Ich bin ehrlich: Ich war den Tränen nahe. Noch dazu, weil sie so süß gelächelt hat. Josefine wurde heute geimpft und ist seitdem sehr weinerlich. Meine Frau erzählte mir, sie hängt die ganze Zeit wie eine Klette an ihr. Hoffentlich wird die Nacht nicht so schlimm. Das letzte Mal hatte sie Fieber.

Ich werde jetzt mal wieder zurückradeln zur Turnhalle der Volksschule (so heißt das hier in Bayern) Feldkirchen. Direkt vor der Schule habe ich auch einen super Parkplatz für meinen Super-Corsa mit super-neuer-Olmessröhre gefunden. Ich will mal mein Schlaflager aufschlagen und meinen Schwager mit Familie suchen. Die schlafen nämlich auch dort und müssten jetzt da sein. Für die nächsten Besuche im Pressezentrum wird es schwer, einen Fahrradstellplatz zu finden. Die Organisatoren haben nur mit Ü-Wagen gerechnet. Da hätte ich eben auch einen anmelden müssen – schließlich “überträgt” mich mein Fahrrad immer hier her. Mal sehen, was der Abend bringt. Morgen Vormittag steht die Innenstadt von München auf dem Programm. Wie es war, das erfahrt ihr dann morgen. Tschüß!

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Wenn einer eine Reise tut, dann nimmt er mit …

Hallo liebe Leser,

ich heiße Sebastian Pilz und werde Ihnen in den kommenden sechs Tagen, während des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in seiner bayrischen Heimat, Anteil an meinen persönlichen Erlebnissen und Gedanken geben. Wie Sie anhand meiner Autorenbeschreibung rechts sehen können, befinde ich mich seit gut einem Jahr in journalistischen Fahrwassern. Dieses Interesse gepaart mit meiner Liebe zu katholischen Großveranstaltungen (seit 1997 mit Paris war ich bei jedem großen Weltjugendtag dabei) führt mich nun als Journalist auch nach Bayern zum Papstbesuch. Ich schreibe für eine Lokalzeitung – die Gelnhäuser Neue Zeitung, der größten Tageszeitung im Main-Kinzig-Kreis. Darüber hinaus will ich noch einen Artikel für die Kirchenzeitung des Bistums Fulda schreiben. Mal sehen, wie das alles so klappt. Ich bleibe dem Papst in den nächsten Tagen dicht auf den Fersen: Meine Ziele heißen München, Altötting und Regensburg.

Damit Sie, liebe Leser, mich ein bisschen kennenlernen, seien hier ein paar biografische “Zeilen” angeführt. Im Juni 1982 erblickte ich im Bezirkskrankenhaus Karl-Marx-Stadt (DDR) das Licht der Welt. Ich bin ein kompletter Nachzügler – nach der Silberhochzeit geboren und schon zweifacher Onkel, bevor ich auf der Welt war. Meine Mutter war bei meiner Geburt 46 Jahre alt und hätte bestimmt eine staatlich-sozialistische Ehrung bekommen, wären wir nicht katholisch gewesen. Ich wuchs also in einem katholischen Elternhaus auf. Da mein Vater kirchlich sehr aktiv war, lernte ich früh nach außen hin zu schweigen – schließlich waren, wie sich nach der Wende herausstellte, 15 Spitzel der Staatssicherheit auf uns angesetzt. In der Schule bekam ich dann auch gleich den Gegenwind zu spüren. Ich ging zwar nur noch ein Jahr in die DDR-Schule, aber da ich kein Pionier war, musste ich bei den Morgenappellen immer in der Ecke stehen. Zudem piesackte mich immer mein Mathe-Lehrer und sprach mich immer ganz förmlich mit “Herr Pilz” an (in der ersten Klasse wohlgemerkt). Dann aber kam – Gott sei Dank – die Wende. Die Liebe zur Kirche und zum katholischen Glauben riss nie ab – auch und gerade nicht in der Diaspora (Ich war der einzige Katholik in einer Klasse von 32 Schülern). Daher wollte ich nach meinem Abi auch Theologie studieren, was ich bis zum heutigen Tag noch tue. Zum Weltjugendtag in Toronto (Kanada) bin ich mit einer bundesweiten Jugendgruppe mitgereist und habe meine Frau kennengelernt (wir haben im Sommer 2004 geheiratet). Im Januar diesen Jahres wurde unsere Tochter Josefine geboren und sie ist unser Stern am Horizont. Dieses unbeschreiblich heitere Lächeln wird mir wohl in den nächsten Tagen am meisten fehlen.

Wenn einer eine Reise tut, dann nimmt er mit …. ein Auto. Daran scheiterte in dieser Woche fast das ganze Unternehmen. Bei meinem acht Jahre alten Corsa war die Röhre des Ölmessstabes durchgerostet und abgebrochen. Ein kleines Stück steckte noch in der Ölwanne und die Reparatur sollte über 300 Euro kosten. Nach zwei Tagen schweißtreibender Arbeit mit meinem Schwager war das Teil kostengünstiger draußen und die neue Röhre konnte gestern eingesetzt werden. Ich bin mir sicher, wenn auch mein ganzer Motor zerrostet, die Röhre zum Ölmessen wird überleben.

Nun kann es also morgen früh auf in Richtung München gehen. Gepackt ist noch gar nichts, aber der Abend ist ja noch lang. Ich habe mir alle nötigen Unterlagen (Programme, Stadtpläne, usw.) bereits ausgedruckt und meine Frau hat mir noch mal die Haare geschoren. Mein morgiges Ziel lautet: ankommen, Presse-Akkreditierung abholen und Zugang zum Internet herstellen. Wenn es klappt, dann gibt es morgen wieder Neues von mir zu lesen.

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