Wie inszeniert man einen Skandal? Regensburger Öffentlichkeitsarbeit

Das Bistum Regensburg kommt nicht aus der Berichterstattung. Selbst nachdem die Bischofskonferenz sich in der letzten Woche mit der Frage „Sexueller Missbrauch“ beschäftigt hat, schafft es das Bistum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiter auf das Thema zu richten. Aber ist das das Thema, mit dem die katholische Kirche in Deutschland in den Medien ihre Präsenz demonstrieren will?

Wie erzielt man den Effekt, mit einem Negativthema so lange in den Medien zu bleiben? Die amerikanische Kirche hat es vor drei Jahren gezeigt: Erst abwiegeln, dann Pressekonferenzen und Besuche verschieben, den Gerichten nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen. Das Entscheidende aber, was den Motor immer wieder mit Sprit speist: Möglichst keine Fehler eingestehen.

Was alleine bei einem solchen Vorfall hilft: Alles sofort auf den Tisch legen und die Öffentlichkeit umfassend informieren. Je länger das Bistum die notwendige Transparenz verweigert, desto intensiver werden die Medien recherchieren. Und es wird natürlich „undichte“ Stellen geben, die die Journalisten mit weiteren Hinweisen und evtl. auch Schriftstücken versorgen. Das ist sicher ethisch fraglich, aber ein solches Verhalten wird nur provoziert, wenn nicht für rückhaltlose Offenheit gesorgt wird.

Die Kirche scheint sich nur mühsam an diese eingespielten Reaktionsmuster der Medien zu gewöhnen. Denn diese von der Öffentlichkeit erwartete Transparenz steht der kirchlichen Tradition entgegen, unter dem Siegel der Verschwiegenheit persönliche Probleme zu lösen. Das Beichtgeheimnis soll ja den Täter schützen und seine soziale Existenz nicht ruinieren. Die Öffentlichkeit, wie sie sich in der Moderne herausgebildet hat, kennt dagegen diesen Schutz nicht. Sie hat kein Mitleid mit dem Täter. Sie streitet für die Opfer, weil das die Sympathie der Leser garantiert. Mit dieser Reaktion der Öffentlichkeit muss die Kirche rechnen, vor allem, wenn es sich um eine Straftat handelt. Das Bistum hätte den betroffenen Pfarrer sehr viel besser geschützt, wenn es durch maximale Offenheit den Fall nicht zu einem Skandal hätte werden lassen.

Denn was der Öffentlichkeit vorgeführt wird, ist die Inszenierung eines Skandals. Dass ein Bistum mit solchen Vorkommnissen rechnen muss, zeigt die Vergangenheit und wird auch die Zukunft zeigen. Dafür kann man ein gewisses Verständnis bei den Medien erwarten. Zudem wissen die Verantwortlichen, dass die Kirche vor solchen Fällen nicht geschützt ist. Wenn ein solches Versagen bekannt wird, ist er aber erst einmal nur ein Fall. Erst wenn der Eindruck entsteht, der Öffentlichkeit würden Informationen vorenthalten und wenn die Schuldfrage weiter gereicht wird, wird aus dem „Fall“ ein Skandal.

Komentare (2)

Internet und Werbung 4: Erklärende Information

Das Internet stellt der Werbung größere Zeitintervalle zur Verfügung und leitet Nutzer auf die Werbung, die sich Zeit nehmen.

Werbung macht aufmerksam, dass es ein neues Waschpulver, einen neuen Roman, ein neues Cabriolet gibt. Läuft das Leben eines Zeitungslesers, Fernsehzuschauers, Surfers darauf zu, dass das Waschmittel verbraucht, der Lesestoff ausgegangen, wegen einer Beförderung ein anspruchsvollerer Wagen finanzierbar geworden ist, muss der Anbieter dafür gesorgt haben, dass die Marke im Gedächtnis des potentiellen Käufers verankert ist. Denn in der Vielzahl der Angebote von Waschmitteln, Buchtiteln, Autos kann der Anbieter nur dann mit einer Entscheidung für sein Angebot rechnen, wenn er überhaupt zur „Wahl“ steht. Natürlich bringt Werbung die Menschen auch auf die Idee, mal wieder einen Roman zu lesen oder sich ein neues Auto zu leisten. Diese Funktionen werden auch durch die Internetwerbung erfüllt werden. Denn da das Netz von seinen Nutzern sehr geschätzt wird und weil gerade die Jüngeren viel Zeit im Internet verbringen, müssen die Anbieter auch Präsenz im Internet zeigen, um sich einen Platz im Bewusstsein der Nutzer zu erobern. Das heißt aber nur, dass bisherige Werbeformen auch ins Internet wandern. Das Medium kann aber sehr viel mehr für die Werbung leisten. Anders als im Fernsehen unterliegt die Interwerbung nicht strengen Zeitbegrenzungen. Einmal aus Kostengründen, denn jede Sekunde kostet im Internet, anders als im Fernsehen, nicht viel Geld. Zum anderen kann das Fernsehen nur begrenzt Werbung senden, weil die meisten Zuschauer sich für das Produkt im Moment nicht interessieren. Sie haben gerade ein Auto gekauft oder sich für ein bestimmtes Parfum entschieden. Anders das Internet, denn es kann zwei Stärken miteinander verbinden:

1.      Es erreicht zielgenauer die Surfer, die sich für das Angebot bereits interessieren. Die Suchmaschinenwerbung führt die Interessenten der Werbeinformation direkt zu.

2.      Die Nutzer, die eine Werbung angeklickt haben, nehmen sich mehr Zeit als die Fernsehzuschauer, für die die Geschichte unterbrochen wird, um sie mit Werbebotschaften zu konfrontieren.

 

Produkthinweis und mit Gebrauchsanweisung
Was früher der Industriefilm für Investitionsgüter leistete, kann das Internet heute für jedes Produkt, nicht nur die potentiellen Käufer aufmerksam, sondern sie mit der Handhabung vertraut machen. Welche Erlösung würde es für den Nutzer eines Videogerätes bedeuten, wenn ihm alles bildlich erklärt würde. Dass Microsoft seine meist unverständlichen Bedienungsanleitungen nicht in ein Video umsetzt, zeigt, dass das Unternehmen immer noch nicht im Internetzeitalter angekommen ist. Oder wer müht sich nicht mit seinem neu gekauften Navigationsgerät ab.

Für kulturelle Angebote gilt Vergleichbares: Ausschnitte aus einem Theaterstück können an die Tradition des Trailers anknüpfen, alles Formate, die schon entwickelt sind. Buchveröffentlichungen vertragen die in die Kamera gesprochene Kritik und Leserstimmen. Ausstellungen bieten sich für anspruchsvolle Kameraarbeit an.

Youtube hat mit Amateurvideos die Vorreiterrolle übernommen, die Qualität lässt sich steigern. Produktinformationen wären, anders als die Unterbrecherwerbung, ein wirklicher Service für den Kunden und könnten vielleicht wie die Videoclips zur Etablierung neuer Spartenkanäle führen.

Kommentar

Internet und Werbung 3: Werbespot

Am einfachsten für die Werbetreibenden wäre es, einen Spot bei Youtube einzustellen, den jedermann und jede Frau dann anklicken kann. Aber weder Mann noch Frau wollen einfach Werbung sehen. Im Fernsehen funktioniert Werbung durch Unterbrechung einer Geschichte, die die Zuschauer verfolgen. Wenn die Serienfolge oder der Film auf einem Videoband oder einer Festplatte zuerst gespeichert und dann abgespielt werden, kann der Zuschauer die Werbeblocks leicht überspringen, wenn sie nicht durch eine Software bereits herausgefiltert worden sind. Allerdings werden aufgezeichnete Sendungen meist nicht mehr angesehen. Soviel Zeit hat der Zuschauer nicht, denn das Fernsehprogramm bietet jeden Tag Neues, das ja angeschaut werden will. Wäre da nicht das Internet, das wahrscheinlich die Fernsehgewohnheiten vor allem der jüngeren Generation verändern wird. Youtube ist der Vorreiter. Denn dieser Internetsender bietet kein Programmschema mehr, das zu bestimmten Zeiten Serien, Nachrichten, Talk- und Quizsendungen ausstrahlt, sondern der Zuschauer wählt aus einem täglich größer werdenden Programmstock aus. Dashat Konsequenzen. Denn wenn Produzenten von Serien oder Fernsehsender ihr Programm zum Abruf ins Netz stellen, werden die Zuschauer die bisherige Werbung überspringen und damit die Finanzierungsbasis der Sender untergraben. Oder es käme tatsächlich dazu, dass Zuschauer im Internet für Angebote zahlen, die sie nicht als Produkt ins Haus gesandt bekommen, sondern die sie nur im Internet anschauen. Dazu haben die Gründer des Internets die Zuschauer nicht erzogen, nämlich dass irgendwer die Kosten für die Inhalte und die Leitungen zahlen muss, über die ein Wikipediabeitrag, die Onlineausgabe einer Zeitung, ein herunter geladener Song den heimischen Computer erreichen. Jeder wollte, in Erwartung von hohen Verkaufszahlen oder verkauften Bannerplätzen, schnell viele Besucher auf seine Seite locken, indem er alles kostenlos anbot.

Wenn die Fernsehsender, ähnlich wie die Zeitungshäuser, gezwungen sind, ihr Programm ins Netz zu stellen, damit sie die jungen Zuschauer nicht an Youtube u.a. verlieren, müssen sie das irgendwie finanzieren. Keiner weiß, wie das gehen soll, denn der klassische Webespot, der als „Unterbrecherwerbung“ in eine Serie eingebaut wird, funktioniert im Internet nicht mehr.

Kommentar

Internet und Werbung 2: Die Rubrikanzeige

Als das Internet Ende der neunziger Jahre von den Firmen, den Handelsunternehmen, dem Buchmarkt, den Reiseveranstaltern entdeckt wurde, trug es wesentlich zum Börsenboom der Technologiewerte bei. Viel Geld floss in sog. Start-ups, bis die Börsenblase mit der Jahrtausendwende so groß wurde, dass sie platzte. Das Geld war verbrannt. Es war nur zu einem Teil in die Entwicklung von Software geflossen, der größere Teil war für die Anzeigenwerbung in die Zeitungen und Zeitschriften geflossen. Denn jeder musste Nutzer gewinnen, die damals noch nicht wie selbstverständlich ins Internet schauten, sondern erst einmal dafür gewonnen werden mussten, sich einen Zugang ins Netz bei einem Provider zu besorgen. Boris Becker verdiente damals viel Geld, als er für AOL verkündete: „Ich bin schon drin“, das sollte heißen, im Internet. Damals verdienten die Zeitungen auch deshalb am Internet, weil Informatiker händeringend gesucht wurden. Zwar hätten die Firmen im Internet annoncieren können, denn da mussten die Informatiker ja als Surfer anzutreffen sein, aber sie vertrauten auf den sicheren Weg, den Stellenmarkt von FAZ und Süddeutscher, die damals mehr als doppelt so umfangreich waren wie heute. Die Zeitungsverlage konnten sich gar nicht vorstellen, dass die an Unternehmen vermittelten Software-Entwickler binnen kurzem die wirtschaftliche Basis der Zeitung unterminieren würden, nämlich die Rubrikanzeigen für Stellen, Wohnungen, Gebrauchtwagen. Man schwamm im Geld und sah lächelnd zu, wie junge Leute Internetstellenmärkte, Plattformen für Mietwohnungen und Gebrauchtwagen aufbauten. Bei der Einführung des privaten Radios waren die Verleger noch auf der Hut gewesen, ausreichend an dem neuen Privatsendern beteiligt zu werden, denn sie wollten die Werbung, die ihnen in Zukunft verloren gehen würde, durch Beteiligung an den neuen Sendern kompensieren. So sind die meisten Privatradios noch heute in der Hand von Verlagshäusern. Das neue Medium der jungen Leute konnte man, anders als das Radio, nicht einschätzen und hat sich erheblich verschätzt. Aber schon Mitte der neunziger Jahre war absehbar, dass das Internet mit seinen Suchfunktionen der Werbung in der Zeitung überlegen sein würde. Zudem muss der, der nach Frankfurt umziehen will, nicht an den Zeitungskiosk seines Bahnhofs gehen, um eine Frankfurter Rundschau mit ihrem Wohnungsmarkt zu kaufen. Er schaltet zu Hause das Internet ein, findet schnell, was er sucht, bekommt mit einem Foto einen ersten Eindruck von der Wohnung und kann mit dem Makler einen Termin vereinbaren. Die Zeitungsverlage hätten sofort ihre Wohnungs- und Gebrauchtwagenmärkte ins Netz stellen müssen. Aber noch nach dem Einbruch der Börse, der den wirtschaftlichen Abschwung einleitete, verlangten die Zeitungshäuser, dass man sich den Stellenmarkt per Post bestellte, während die Unternehmen bereits erkannt hatten, dass diejenigen Bewerber, die über das Internet die Stellenausschreibung gefunden hatten, meist qualifizierter waren als die Zeitungsleser.

Noch auf einer anderen Flanke werden die Zeitungen durch das Internet bedrängt, denn die Internet-gewohnten jungen Zielgruppen lesen die Zeitungen, die sie im Internet finden, so dass jede Zeitung gezwungen ist, eine Online-Ausgabe zu finanzieren, um die jungen Leser überhaupt noch zu erreichen. Die Werbeerlöse aus dem Onlineauftritt sind jedoch wesentlich geringer als die aus der Printausgabe.

Kommentar

Internet und Werbung 1: Zielgenaue Werbung

Das Internet ist allen anderen Medien in einem Punkt überlegen: Es bringt die Werbung sehr viel näher an die Interessenten, wenn diese z.B. einen Suchbegriff bei Google eingeben und dann gleich auf die Webung klicken, die dem Begriff zugeordnet werden kann. Wer wirbt, kauft bei der Suchmaschinenwerbung nicht Werbezeit, sondern direkt die Effektivität der Werbung, nämlich Klicks. So nahe, wie die Suchmaschinenwerbung das Angebot an die Aufnahmebereitschaft der Nutzer heranführt, kann das kein anderes Medium, abgesehen vom Mailings, die den Briefkasten der jeweiligen Zielgruppe erreichen. Weil Suchmaschinenwerbung auch mit kleinen Budgets Erfolg bringt, bietet das Internet gerade dem Mittelstand Möglichkeiten, die bisher aus finanziellen Gründen nicht bestanden.

Mit Google-Adsense verzweigt sich die Suchmaschinenwerbung noch mehr, denn Homepagebetreiber, so auch kath.de, können ihre Redaktionen u.a. damit finanzieren, dass sie Google die Möglichkeit bieten, auf Angebote bezahlter Werbung zu klicken. Meist wird der Nutzer sowieso über eine Eingabe bei Google auf die Seite gekommen sein, so z.B. in das Vatikan – Lexikon http://www.kath.de/kurs/vatikan/ von kath.de. Wer sich mit den Inhalten beschäftigt hat, ist eher bereit, auf eine Werbezeile zu klicken, als wenn die Werbung nur in der Suchliste von Google auftaucht.

Es gibt natürlich auch die klassische Werbung im Internet, Bannerwerbung wird sie genannt. Im Unterschied zu einer Zietungsanzeige kann der Nutzer gleich auf die Seite des Werbetreibenden kommen und sich weiter informieren, sich das Produkt ansehen, sich die Couch mit unterschiedlichen Stoffen bespannen lassen, sich über die Mehrkosten informieren, wenn er den Wagen mit vier Türen kauft, oder einige Seiten in dem Buch lesen. Im Unterschied zur Printausgabe bietet die Onlineausgabe einer Zeitung diese Werbemöglichkeit, die bei Youtube eingestellten Videos und demnächst auch die Fernsehwerbung, wenn man die Sendung über das Netz anschaut.

Wie jede Plakat-, Illustrierten- oder Fernseh-Werbung hat auch die Bannerwerbung die Funktion, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Bei den vielen Parfum- Kleider- oder Handymarken muss sich jeder Anbieter auf dem Markt zeigen, damit bei einer etwaigen Kaufentscheidung der Kunde im Bewusstsein hat, das es z.B. ein Smart-Phone von diesem bestimmten Hersteller gibt. In dem Maße, wie Ausbildungsinstitutionen um Studierende werben, müssen die Anbieter von Bildung ebenfalls auf sich aufmerksam machen. Das ist die Chance für spezialisierte Websites und die neuen Plattformen wie StudiVZ. Auch bei der Bannerwerbung spielt das Internet seinen Vorteil aus, direkt verlinken zu können.

Kommentar

Internet und Fernsehen 4: Was wird aus der Werbung?

Wenn das ZDF Fernsehsendungen über das Internet abrufbar macht, muss der Sender sich nicht um die Finanzierung kümmern. Der Nutzer hat ja seine Gebühren bezahlt, ob er die Sendung über Satellit, Kabel oder seine DSL-Leitung empfängt. Schwieriger wird es für die werbefinanzierten Programme der Privatsender. Denn die meisten Nutzer werden die Werbung ausblenden wollen. Der Download angebotener Serien und Nachrichten macht das technisch leichter möglich. Noch von einer anderen Seite macht das Internet den Privatsendern mit Youtube Konkurrenz. Nicht nur geht die Sehzeit, die vor allem die für die Werbung interessanten jungen Zielgruppen auf Youtube verbringen, den Soaps wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ verloren. Inzwischen steigt Youtube auch in die Werbung mit dem Bewegtbild ein. Denn für die Werbung bietet das Internet eine viel sichere Basis als das Fernsehen. Das Internet kann jeden einzelnen Nutzer nachweisen und es bringt die Werbung auch sehr viel näher an die Interessen der Nutzer heran. Ein Auto- oder Fertighaus-Spot im Fernsehen regnet auf den Großteil der Zuschauer nutzlos herab, weil diese bereits ein Haus gebaut bzw. in den nächsten Monaten den Kauf eines Autos nicht eingeplant haben. Wer dagegen auf die Homepage eines Fertighausbauers oder eines Autoherstellers klickt, der beschäftigt sich mit der Entscheidung für ein Haus oder ein Auto. Die Logik der Werbe-Effizienz läuft auf das Internet zu. Der Anteil des Fernsehens an der Werbung ist in den letzten Jahren von 41,3 auf 37,7 zurückgegangen, nachdem das Fernsehen bereits in den Jahren 2001-2002 eine halbe Milliarde verloren hatte, nicht soviel wie die Zeitungen (1,4 Milliarde) aber doch erheblich. Inzwischen hat Google, das Youtube vor knapp einem Jahr für $ 1,65 Milliarden gekauft hatte, eine Werbeidee entwickelt, die das Fernsehen sogar übernehmen könnte, wenn man aus dem Fernsehfilm direkt ins Internet klicken kann: Am unteren Bildrand eines Videos läuft die Werbung mit und kann von Interessenten angeklickt werden. BMW ist bereits eingestiegen. Welche berauschenden Filme über das Autofahren werden die Automobilhersteller in Auftrag und mit Werbung auf Youtube einstellen. Touristikunternehmen brauchen keinen Sender mehr zu betreiben, Kinofilme können mit längeren Trailern angekündigt werden. Entscheidend für Produkte wie Filme oder Autos ist das Bewegtbild. Privatleute, die ihr Video online stellen, können sicher bald auch Werbung von Google einblenden und dafür Geld erhalten, so wie das für Textanzeigen über Google-Adsense bereits möglich ist.

Kommentar

Fernsehen und Internet 3: Ist das Internet Grund für den Rücktritt des Chefs von Premiere?

Oder: Warum hat der Chef von Premiere seine Aktien an dem Sender verkauft?Georg Kofler, der Pro Sieben erfolgreich aufgebaut hatte und nach einigen Zwischenstationen den Bezahlsender Premiere nicht nur aus dem Minus herausholte, sondern an die Börse brachte, ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender. Er selbst begründet das mit einer neuen beruflichen Ausrichtung. Die Journalisten vermuten, dass der Aufsichtsrat von Premiere ihn zurückziehen wollte, damit die Verhandlungen mit der Bundesliga besser als vor 2 Jahren gelingen denn bei den letzten Rechteverhandlungen 2005 hatte Kofler überreizt. Er wollte alles exklusiv für Premiere, um dann selbst an das Free TV weiter verkaufen zu können. Eine Finanzgruppe schickte die Firma Arena ins Rennen, die im Verbund mit der ARD den Zuschlag erhielt, sicher auch, weil die Bundesliga sich nicht wieder einem einzigen Unternehmen wie zu Zeiten Leo Kirchs anvertrauen wollte. Aber warum verkaufte Kofler seine Aktien bei Premiere? Wegen des Internets und nicht, weil er Geld für eine nächste Etappe seiner beruflichen Tätigkeit brauchte. Das ist eine These, die jedoch vieles für sich hat. Es ist nämlich ganz aus dem Blick geraten, dass Premiere wie auch Pro Sieben bei ihrer Gründung die Aufgabe hatten, die Film- und Serienbestände im Besitz von Leo Kirch auszuwerten, denn bisher konnte der Besitzer des größten Filmarchivs in Deutschland nur Fernsehrechte für die Ausstrahlung von Spielfilmen an die öffentlich-rechtlichen Sender und SAT1 verkaufen. Da RTL zur konkurrierenden Bertelsmanngruppe gehört, waren mit dem anderen großen Privatfernsehen keine großen Geschäfte zu machen. Da die neuen Besitzer nicht nur die Pro Sieben/SAT 1 Gruppe, sondern auch den Kern des Unternehmens Leo Kirchs, das Filmarchiv übernahmen, war auch Premiere sicher, genügend Filme für seine verschiedenen Kanäle zu bekommen. Aber die neuen Besitzer haben nicht weiter in die Fernsehrechte von Kinofilmen investiert und auch kaum noch internationale Neuproduktionen finanziert, so dass die Zuflüsse für Premiere ausgetrocknet sind. Kofler hat wohl gesehen, dass allein mit Sportrechten der Betrieb von Premiere nicht aufrecht erhalten werden kann. Denn für das Abspielen von Kinofilmen gegen Gebühr ist das Internet viel geeigneter. Der Nutzer kann den Film abrufen, wenn es ihm zeitlich passt und muss sich nicht an das Programmschema von Premiere halten. Er zahlt auch nur für das, was er wirklich sieht. Nun könnte man einwenden: Die Premiereabonnenten könnten sich die Filme doch auf Video aufzeichnen. Können und tun sie sicher auch, jedoch werden Videoaufzeichnungen selten angeschaut. Da ist der direkte Zugriff auf Filmangebote verschiedener Provider einfacher. Wenn die Zuschauer noch dazu übergehen, Serien über einen Internetanbieter herunterzuladen, dann wird es für die Privatsender noch schwieriger. Denn die müssen ihr Geld damit verdienen, dass sich die Zuschauer die eingeblendete Werbung anschauen.

Kommentar

Fernsehen und Internet 2: Warum verändert das Internet das Fernsehen?

Fernsehen ist eine Beschäftigung in der Freizeit. Wenn die Menschen beruflich nicht mehr eingespannt sind, kann das Fernsehen ihre Aufmerksamkeit gewinnen. Das war in den Zeiten noch einfach, als man am Nachmittag mit der Arbeit fertig war und seine Zeit dann dem Fernsehen widmen konnte. Durch die Flexibilisierung der Arbeit wie der privat organisierten Zeit gelingt es dem Fernsehen nicht mehr, Menschen regelmäßig zu bestimmten Zeiten vor dem Gerät zu versammeln. In der einen Woche ist der einzelne frei, die Serienfolge zu sehen, in der anderen Woche hat er etwas vor. Je jünger die Zielgruppe, desto weniger ist sie für das Fernsehen erreichbar – oder man verlegt das Fernsehen ins Internet. Denn dieses Medium ermöglicht es, Nachrichten, Berichte, Fernsehspiele wie auch die wöchentliche Soap dann abzurufen, wenn er Zeit hat. Damit wird ein Fernsehsender zu einer Datenbank, auf die die Nutzer dann zugreifen, wenn sie gerade am PC sitzen bzw. in ihrem Wohnzimmer. Dann muss der größere Bildschirm im Wohnzimmer nur mit dem Internet verbunden sein. Das ist nicht mehr das Fernsehen, an das die mittlere und ältere Generation gewohnt ist. Es entspricht aber dem Lebensstil, seine Zeit nicht mehr zu verplanen, sondern mehr aus dem Stand zu entscheiden, was man tun, was man lesen, sehen, hören will, wenn man treffen möchte.

Dieses ins Internet verlegte, auf Abruf funktionierende Fernsehen bietet den Kirchen ganz neue Möglichkeiten. Sie sind nicht mehr auf die meist am Rande des Programmschemas liegenden Sendeplätze angewiesen, um ihre Inhalte anzubieten. Sie können ihre Produktionen in die verschiedenen Datenbanken stellen, die bereits Fernsehen auf Abruf anbieten. Damit können sie auch viel direkter „zu ihrer Sache“ kommen. Denn bisher wird religiöses Programm im Fernsehen hauptsächlich als Berichterstattung über kirchliche Vorgänge verstanden aber nicht über die Glaubensinhalte. Im Internet können die Kirchen selbst den Glauben zur Sprache bringen. Die Zeit des religiösen Fernsehens beginnt erst, ermöglicht durch das Internet.

Kommentar

Fernsehen und Internet 1: Sat1 verabschiedet sich schon

Sat1 wird von seinen neuen Eigentümern auf Rendite getrimmt. Deshalb wurden die Redaktionen für das Aktuelle entlassen. Die Nachrichten werden von N24 zugeliefert. Das Boulevard-Magazin „Sat1 am Abend“, wie auch „Sat1am Mittag“, werden gestrichen. Das wurde am 20. Juli umgesetzt. Was steht neben einem höheren Renditeziel hinter diesen Veränderungen? Der Sender wird zu einer Abspielplattform umgebaut. Serien und bereits produzierte Dokumentationen werden recycelt. Wahrscheinlich wird Sat1 auch nicht so wie bisher in Fernsehspiele und Serien investieren. Das bedeutet den Verzicht, Fernsehen als publizistische Größe zu betreiben, in dem Inhalte als Informationen, Diskussionsbeiträge zu gesellschaftlichen und politischen Fragen, als Spiegelung von Lebensentwürfen und Lebensschicksalen selbst produziert werden. Logisch wäre es, dieses nicht mehr als Fernsehsender zu verstehen, sondern Sat1 gleich ins Internet zu verlegen. Dann müsste der Zuschauer sich nicht mehr an vorgegebenen Zeiten orientieren, um ein bestimmtes Programm sehen zu können. Stattdessen könnte er aus dem Katalog, den Sat1 zur Verfügung stellt, auswählen. Mit den schnellen Übertragungswegen des Internets ist das möglich. Eine große Unbekannte ist jedoch die Werbung. Deshalb wird Sat1 sein Programm weiter als Fernsehen nach einem Sendeschema ausstrahlen, an dem sich der Zuschauer zeitlich orientieren kann und muss. Denn im Internet kann man abrufbare Programme nicht mehr durch Werbepausen unterbrechen. Das heißt aber, dass dem Fernsehen, vor allem den werbefinanzierten Sendern, ein ähnlicher Aderlass wie den Zeitungen bevorsteht.

Kommentar

Internet – kein Elitemedium

90% der 14 – 29 -Jährigen nutzen das Internet. Niemand wundert sich mehr über diese Zahlen. Als das Internet ende der neunziger Jahren aus den Universitäten auswanderte, rechnete man noch nicht damit, dass sich das Medium so verbreiten wird. In Gang gesetzt vom Militär, damit die Informationswege nicht durch gezielte Angriffe unterbrochen werden können, war es die Wissenschaft, die das Medium weiter entwickelte, so dass es mit einem entsprechenden Prestige auf die Allgemeinheit zu kam. Dieser Hauch des elitären ließ vermuten, dass sich nur die besser ausgebildeten Bevölkerungsschichten auf das neue Medium einlassen würden. Das war beim Fernsehen ganz anders. Hier waren es die Arbeiterhaushalte, die sich einen Fernsehapparat anschafften und die dem Farbfernsehen zum Durchbruch verhalfen. Das Image von Unterhaltung und geringem Anspruch haftet dem Medium immer noch an. Es war dann die Porno-Industrie, das das Internet vulgär gemacht hat. Aber das Image, das das Internet mit Bildung zu tun hat, blieb dem Medium erhalten und wurde nicht zuletzt durch Wikipedia untermauert. Und jetzt erfüllt sich der Traum der ersten Protagonisten, dass alle Zugang zu den verfügbaren Informationen haben sollen. Zwar hat YouTube dem Qualitätsanspruch des Fernsehens keinen Dienst getan und steht Ebay nicht für hochwertige Produkte, aber das alles entwertet nicht die Millionen hochwertige Beiträge, die Nutzer über eine Suchmaschine finden können. Deshalb ist eine gute Nachricht, wenn das Internet schon so selbstverständlich wie das Telefon geworden ist.

Hier einige Nutzungsdaten, die Infratest in seinem (N)Onliner-Atlas http://www.nonliner-atlas.de/ zusammengestellt hat:

Nutzung von insgesamt über 60% der Bevölkerung. In den einzelnen Altersgruppen zeigt sich, dass die Nutzung mit dem Alter abnimmt.

14-29 Jahre:     90%

30-39 Jahre:     82%

40-49 Jahre:     73%

50-59 Jahre:     58%

60-65 Jahre:     35%

Über 70 Jahre: 13%

Kommentar

« Vorherige Einträge