Die Kirche in Deutschland muß in die Gänge kommen
Die deutsche Kirche nutzt die öffentliche Aufmerksamkeit für den Papst nicht
Wie kaum eine andere Großorganisation hat die katholische Kirche einen herausragenden Platz in der öffentlichen Wahrnehmung. Vergleicht man diesen Erfolg mit einem Anbieter von Dienstleistungen oder einer weltweiten Konsummarke, müßte sich das auf die Angebote der Kirche auswirken. Der Kirchenbesuch müßte deutlich zunehmen, die Zahl der Erwachsenentaufen müßte steigen, die Rückkehr von aus der Kirche Ausgetretenen müßte sich bemerkbar machen. Offensichtlich kann die Deutsche Kirche die öffentliche Wirkung, die Benedikt XVI. beim Weltjugendtag erzielt hat, nicht nutzen. Der Weltjugendtag hat die Einschätzung der Deutschen nachhaltig geändert. Die Kirche wurde als weltweit und „jung“ erlebt. 60% der Deutschen trauen der katholischen Kirche zu, junge Leute anzusprechen. Die Gründe, warum die deutsche Kirche nichts aus dem Weltjugendtag macht, analysierte bei einem Symposion von Radio Vatikan in Rom Dr. Lutz Meyer von Scholz&Friends:
Die Medienwirkung, die dem Papst und seinem Vorgänger gelungen ist, muß vor Ort umgesetzt werden. Vergleicht man die Medienwirksamkeit der Päpste mit einer Kampagne, dann fehlt in der deutschen Kirche die Umsetzung vor Ort. Interessierte müssen eingeladen werden, will man sie bei Veranstaltungen und Gottesdiensten der Kirche begrüßen können. Die Gottesdienste sind nicht auf die jüngeren Zielgruppen ausgerichtet, junge Eltern werden nicht im Krankenhaus von der örtlichen Pfarrei begrüßt und zur Taufe eingeladen. Insgesamt ist die deutsche Kirche für Außenstehenden nicht greifbar. Sie bietet keine Anknüpfungspunkte. Bei Eheschließungen, Begräbnissen werden die Teilnehmenden entlassen, ohne zu einer weiteren Veranstaltung der Kirche eingeladen zu werden. Das heißt nun nicht, daß sich die katholische Kirche in Deutschland eine werblich perfekte Oberfläche zulegen soll. Das Gegenteil, denn die Bilder, die Wertprofile und vieles andere sind vorhanden. Die Menschen sind an der Kirche interessiert, wie sie vom Papst dargestellt wird. Die Kirche muß ihre Werte und Bilder aktiv zu den Menschen bringen und kann nicht warten, ob diese kommen.