Archiv des MonatsAugust, 2006

Medien und Islam 2: Was darf über den Islam in den Medien gebracht werden?

Bei dem Streit um die Karikaturen in einer dänischen Zeitung hat der Islam bewiesen, daß er auf das europäische Rechtssystem Einfluß nehmen kann. Damit ist dem Westen deutlich geworden, daß der Islam sehr wohl bestimmen kann, was gesendet bzw. gedruckt werden kann, wenn es um die Darstellung seiner Religion geht. Dieses Recht wird den christlichen Kirchen abgesprochen. Die Diskussion um die Karikaturen hat zu keinem Konsens darüber geführt, welche Inhalte und Bilder der christlichen Religion von der Satire ausgeschlossen sind. Die Sängerin Madonna kann ohne Protest das Kreuz karikieren.

Europa kann bereits nicht mehr sein Verständnis von Pressefreiheit weiter praktizieren. Dafür ist der Islam inzwischen über die neuen Medien zu gut organisiert, als daß nicht über alle muslimisch geprägten Länder hinweg genügend Druck auf Europa ausgeübt werden könnte. Europa kann sich auch nicht der Illusion hingeben, daß die Medien zu einer Säkularisierung der islamischen Gesellschaften führen. Gerade die fundamenta­listischen Strömungen nutzen die Medien. Deshalb ist eine intelligente Kommunikationsstrategie erforderlich.

Europa muß mit dem Islam in einen aktiven Dialog über das Rechtssystem kommen. Es darf sich nicht wie bei dem Streit um die Karikaturen einschüchtern lassen.

In den Medien darf es kein zweierlei Recht geben. Entweder stehen die Medien die Auseinandersetzung mit dem Islam durch oder sie einigen sich sowohl mit den christlichen Kirchen wie mit dem Islam auf einen Verhaltenskodex. Wenn die Medien auf ein staatliche Regelung warten, haben sie bereits einen Teil der Rechtsordnung aufgegeben, weil sie sich dem Druck beugen.

Anstatt ohne Diskussion vor dem Islam zurückzuweichen, müssen die Medien sich zur Plattform für den Dialog machen.

Die christlichen Kirchen müssen den religiösen Dialog anders führen. Es geht darum, ob der Islam ein anderes Bekenntnis bestehen läßt oder in Europa alles daran setzt, daß sein Gottesbekenntnis das einzig gültige ist. Das hätte zur Folge, daß die Christen zwar noch ihre Kirchen besuchen und Gottesdienste feiern dürfen, daß aber das christliche Bekenntnis aus den Medien verbannt wird.

Das ist alles noch nicht akut. Aber da die Medien schon einmal vor dem Islam eingeknickt sind und die christlichen Kirchen weiter wie bisher behandeln, ist der erste Schritt in die hier skizzierte Richtung getan.

Auch die Kirchen müssen sich entschiedener verhalten. Damit sie in den Dialog wirkungsvoller einsteigen können, braucht es eine Neuausrichtung der Theologie. Sie muß sich von der 200 Jahre Aufklärung verabschieden, die bis heute die Bibelwissenschaft wie die systematische Theologie prägen. Die Auseinandersetzung mit den anderen Religionen muß der vorrangige Horizont der Theologie werden. Dazu ein Beispiel: Der größte mittelalterliche Theologe, Thomas von Aquin hat zuerst eine Darstellung des Glaubens im Blick auf die Nichtchristen geschrieben, seine Summa gegen die Heiden, ehe er für die Christen die Summa theologica verfaßte.

Die Herausforderung durch den Islam ist kein Finanzproblem. Die Mittel, u.a. eine gut ausgebaute theologische Wissenschaft, stehen zur Verfügung. Vielleicht sollten die Finanz- und Kulturpolitiker darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, theologische Fakultäten zu schließen. So teuer sind 10 Lehrstühle nicht. Die Fakultäten brauchen allerdings ein erweitertes Aufgabenspektrum über die Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter hinaus.

Kommentar

Medien und Islam 1: Es geht um die Gottesfrage

Der Islam nutzt die westliche Technik, Handys und Internet wie Autos und Fernsehen. Obwohl er sowohl bei den Konsumgütern wie in der Militärtechnik unterlegen ist, fühlt der Islam sich dem Westen trotzdem überlegen. Diese Überlegenheit gründen die Muslime nicht auf das Erdöl, von dem der Westen abhängig ist, sondern auf das Gottesbekenntnis. Das Bewußtsein der Überlegenheit, das den Islam stark macht, ist religiös begründet. Es speist sich auch daraus, daß der Islam den Westen für dekadent erklärt und damit ist der Westen in seinen Augen dem Untergang geweiht.

Auf den Westen kommt eine Auseinandersetzung über das Gottesbekenntnis zu. Es geht darum, wer in Zukunft in Europa bestimmt, wie das Gottesbekenntnis aussieht und an welchem Bekenntnis die Gesellschaft sich auszurichten hat. Von diesem Bekenntnis wird das Rechtssystem abhängen, denn wenn sich das islamische Gottesbekenntnis durchsetzt, wird es zu einem anderen Rechtsbewußtsein kommen. Vor allem das Verhältnis von Religion und Staat wird sich grundlegend ändern. Die im Investiturstreit von der Kirche durchgesetzte anfängliche Trennung von Staat und Kirche wird wieder aufgehoben. Ist das zu befürchten?

Im Moment nicht. Wenn man aber 15 Jahre vorausblickt, wird es in den Großstädten wahrscheinlich genauso viele Besucher des Freitagsgottesdienstes in den Moscheen wie Gottesdienstbesucher in den christlichen Kirchen geben. Religion in der Alltagswelt wird letztlich von den Menschen bestimmt, die sich zu ihr bekennen. Europa hat im Gefolge der Aufklärung 200 Jahre lang darüber diskutiert, ob die Existenz Gottes zwingend zu beweisen ist oder nicht. Auf eine solche Diskussion wird sich der Islam nicht einlassen, zumal die europäische und amerikanische Philosophie die Frage offensichtlich nicht klären konnte und das Interesse an Religion stark zunimmt. Werden die religiös Interessierten sich dem starken Gottesbekenntnis des Islam anschließen oder dem der christlichen Kirchen? Der Westen wird nur dann christlich bleiben, wenn er dem Islam nicht mit Waffen überlegen sein will, sondern im religiösen Dialog.

Ein weiterer Faktor ist das Vertrauen in die eigene Freiheit. Das wird nicht nur durch Behauptungen der Hirnforscher untergraben, der Mensch werde letztlich durch sein Hirn gesteuert und sei gar nicht frei. Es ist vor allem die komplexe Welt der Späten Moderne, die Freiheit zu einer schweren Last macht. Das gilt nicht nur für die Bewohner der ehemaligen DDR, sondern für viele im Westen. Freiheit, so scheint es, ist nicht mehr lohnend.

Europa kann dem Islam weder mit einer deutlichen Position in der Gottesfrage entgegentreten noch ist es ins einem Freiheitsbewußtsein so kräftig, daß es auf die Dauer sein Rechtssystem überzeugend vertreten kann. Oder Europa wacht auf und überläßt die Auseinandersetzung mit dem Islam nicht den Amerikaner, wo diese offensichtlich nicht in den besten Händen ist.

Der Kampf um das Gottesbekenntnis wird auch in den Medien stattfinden. Im Moment fehlt es dem Islam an Intellektuellen, die in den westlichen Medien auftreten können. Aber die Medienmacht des Islam ist bereits so groß, daß sie die westlichen Medien zwingen können, bestimmte Aussagen über den Koran und den Propheten zu unterlassen.

Kommentar

Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr 3 Wo bleibt die persönliche Kommunikation?

Die katholische Kirche kann kein Verlag werden, aber ohne Medien funktioniert die persönliche Nahraum-Kommunikation nicht mehr.

Die Ressourcen einer Kirche sind nicht die Medien, sondern die Personen. Kirche entsteht, wenn Menschen sich treffen, Gottesdienst feiern, sich mit den Problemen der Zeit auseinandersetzen, die Spuren Gottes in ihrem Leben gemeinsam suchen. Es wäre falsch, wenn die Kirche ihren personalen Ansatz verlassen und ein Medienunternehmen würde. Aber sie muß die Medien anders einbeziehen. Denn die Medienkultur der späten Moderne hat die kommunikative Basis der Kirche erodieren lassen. Das liegt daran, daß das Gespräch, der Gottesdienst, Vortragsveranstaltungen und Treffen von Gruppen und Verbänden nicht einfach spontan entstehen, sondern auf der Basis von Kommunikationsmustern. Diese Muster hat die Mediengesellschaft grundlegend verändert. Das macht auch den Unterschied zwischen den Generationen aus, der weniger wie in den siebziger Jahren in den Wertvorstellungen besteht, sondern in der Art, wie man sich verabredet. War es früher so, daß man zu bestimmten, regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen hingehen mußte, um dazu zu gehören, ist das im Zeitalter von Handy, Email, Internet anders. Man kann sich immer noch um 19.45 verständigen, wenn man sich um 20 Uhr treffen, irgendwo hin gehen will. Deshalb ist das Handy für die jüngere Generation unentbehrlich. Während es für Menschen über 50 und Leute, die ein Sekretariat haben, eher ein Luxus ist. Für die Jüngeren würde das soziale Netz zerreißen, wenn sie nicht mobil erreichbar wären. Da sie nicht in einem Büro sitzen, sondern ständig unterwegs sind, flicht die Handy-Kommunikation jeden Tag das soziale Netz neu. Das frühere soziale Netz, auf dem die Kirche mit ihren Gottesdiensten und Gruppentreffen aufbauen konnte, wurde nicht täglich neu geknüpft, sondern war internalisiert. Man ging regelmäßig zum Gottesdienst und zum Treffen seiner Gruppe, seines Verbandes. Es war sozusagen ein innerer Wochen- und Monatsrhythmus eingebaut. Das war auch unbedingt erforderlich, denn wer hatte schon Telefon und konnte sich schnell „zusammenrufen“.

Weil die mittlere und jüngere Generation diese innere Uhr nicht mehr braucht, um im sozialen Netz zu bleiben und weil das Handy es ermöglicht, sich kurzfristig zu entscheiden, mit wem man wohin abends ausgeht, muß man sich ja nicht um 18 h schon festlegen, sondern kann das auch kurz vor 20 oder 21h. Vielleicht führen die Billigfluglinien zu einem neuen Verhalten, denn hier muß man sich frühzeitig festlegen, um einen günstigen Tarif zu bekommen.

Da die Kommunikationsnetze heute medial geknüpft werden, kann kirchliches Leben wie auch das von Verbänden und Gruppierungen nur noch medial aufgebaut werden. Internet und Email, bei Firmgruppen z.B. zwei Stunden vor Beginn eine SMS an jeden, sind notwendig, damit ein Treffen zu Stande kommt. Ohne den zielgerichteten Einsatz neuer Medien wird sich das Leben der Gemeinden wie der Verbände weiter ausdünnen.

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Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr.2 Den kirchlichen Angeboten liegt das Internet voraus

Die Mediengesellschaft hat das Verhalten der Menschen grundlegend verändert. Das gilt sowohl für die Konsumgüter wie auch für Dienstleistungen und Non-Profit-Unternehmen. Ein Beispiel: Während früher im Durchschnitt sieben Händler vor einem Autokauf aufgesucht wurden, sind es heute nicht einmal mehr zwei. Nicht nur die Werbung, sondern vor allem das Internet ermöglichen eine ausreichende Orientierung, so daß die direkten Kontakte reduziert werden. Die Kundenberatung des Einzelhandels wird ins Internet verlegt, ob bei Reisen, Computern oder sonstigen Angeboten, für deren Auswahl man mehr Informationen braucht, als wenn man ein Bier oder eine Cola kauft. Mit Wikipedia und vielen andere Seiten spart man sich nicht nur viele Gänge in die Bibliothek, sondern auch Vortragsveranstaltungen. Hinzu kommen die Beratungsseiten in den Zeitungen und Illustrierten wie auch Fernseh- und Radioprogramme, die Fragen der Hörer und Zuschauer aufgreifen und Experten für die Beantwortung zur Verfügung stellen. Die Verfügbarkeit von Orientierungswissen in den Medien hat das Verhalten vor allem der jüngeren Generationen geändert. Man fragt nicht zuerst die Institution, die für Bildung bzw. Religion zuständig ist, sondern das Internet. Damit wird das Internet der Zugang für Bildung und Religion. Das sind aber neben sozialen Dienstleistungen die Hauptangebote der Kirche.Will sie dafür Interessenten finden, muß sie diese im Internet abholen.

Das hat für die Kirche die notwendige Konsequenz, über die Medien und vor allem über das Internet den Weg zu den örtlichen Angeboten der Verbände und Gemeinden zu ebnen. Die Kirche hat bisher Medienarbeit als etwas Zusätzliches gesehen, das man machen kann, um den Erfolg zu erhöhen. Inzwischen ist es so, daß Medienarbeit die Voraussetzung für den Erfolg bei den mittleren und jüngeren Bevölkerungsgruppen ist. Wie beim Autokauf verlagert sich zudem die Beschäftigung mit den Inhalten, für die die Kirchen stehen, zu einem guten Teil ins Internet. Religion medialisiert sich tatsächlich.

Kommentar

Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr. 1

Die deutschen Bistümer wie die evangelische Kirche klagen über zurückgehende Mitgliederzahlen, weniger Finanzen und Personalmangel. Zugleich nimmt in der Bevölkerung das Interesse an Religion meßbar zu. Das schlägt sich in den Medien nieder. 2005 waren das Requiem für den verstorbenen Papst, der Weltjugendtag, aber auch der Fernsehalltag mit einer Nonnenserie oder den Gottesdienstübertragungen im ZDF mediale Erfolggeschichten für Religion und Kirche. Die Reisen von Bendeikt XVI. ziehen die Aufmerksamket der Medien auf sich. Was ist die Konsequenz: Entvölkert sich die Kirche vor Ort und löst der in den Medien präsente Papst, die Zelebranten der im Fernsehen übertragenen Gottesdienste und Schauspieler in der Rolle von Ordensleuten und Pfarrern als Protagonisten in Serien den lokalen Pfarrer als Bezugspunkt für die Kirche als religiöse Institution ab? Es scheint sich mehr zu ändern, als daß wegen Personalmangel und zurückgehenden Finanzen Pfarreien in Seelsorgsbezirken zusammengefaßt oder Pfarrerstellen nicht mehr neu besetzt werden.

Nun ist die Teilnahme an Veranstaltungen, ob politischen Diskussionen oder Vorträgen und Gottesdiensten für den Bewohner der Späten Moderne nicht mehr so zwingend. Früher mußte man ins Hochamt gehen, um die wichtigen Neuigkeiten zu erfahren, man mußte beim Ortsverein dabei sein, wenn man die politische Entwicklung verfolgen wollte. Das galt noch mehr für die Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus. In einer offenen Mediengesellschaft dagegen muß man nicht mehr zu den Treffen gehen, denn man erfährt alles Wichtige über irgendeinen Kanal, ob Radio, Zeitung oder Internet. Es ist unbestreitbar, die Nutzugn religiöser Angebote hat sich deutlich in die Medien verlagert. Die Konsequenzen müssen bedacht werden, wollen die Kirchen nicht ihre Gemeindestrukturen weiter ausdünnen. die Kirchen müssen aufdie Medienorientierung vor allem der jüngeren Bevölkerungsgruppen eine Antwort finden.

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