Kampf der Religionen in den Medien
Der Papst hat in einer Vorlesung in der Universität Regensburg eine Diskussion aus dem 14. Jahrhundert zitiert. Die ganze Welt ist mit den Wirkungen dieses Zitats konfrontiert. Hätte das Fernsehen die Ansprache nicht übertragen, wäre nicht in den Zeitungen darüber berichtet worden, hätte sich die Welt nicht verändert. Die muslimische Welt hätte dem Vortrag des Papstes auch keine Beachtung schenken müssen, wäre die Rede nicht übertragen worden. Zudem war das Thema des Vortrages nicht einmal der Islam, sondern das Verhältnis von Vernunft und Religion. Der Appell des Papstes richtet sich an den westlichen Vernunftgebrauch, nämlich die Religion aus den Gegenständen der Vernunft nicht weiter auszublenden. Nun könnten die Intellektuellen aus der Reaktion des Islam schließen, dass Religion nichts mit Vernunft zu tun hat. Das ist aber ein Fehlschluß. Die Reaktionen aus der islamischen Welt sind strategisch angelegt. Sie sind vor dem Hintergrund zu verstehen, dass der Islam sich im Krieg mit dem Westen sieht. Während der Westen und damit die Christenheit davon ausgehen, dass der Islam mit der Zerstörung des Word Trade Centers den Krieg endgültig in die westlichen Länder getragen hat, sieht der Islam sich schon vorher vom Westen angegriffen. Dieser Krieg lässt sich ohne große Verluste in den Medien austragen. Wie im Karikaturenstreit haben der Papst und damit der Westen eine Niederlage erlitten. Es ist genau das eingetreten, was das Zitat aus dem Mittelalter besagt, nämlich dass der Islam sich mit Gewalt ausgebreitet hat und vor der Anwendung von Gewalt nicht zurückschreckt. Aber im Zeitalter der Massenmedien braucht er nur mit der Anwendung von Gewalt zu drohen. Da jeder weiß, dass islamistische Gruppen eine solche Drohung auch wahrmachen können, ist die Wirkung in den Medien gelungen. Aber warum ist das kein politischer, sondern ein religiöser Kampf? Weil der Islam nicht zwischen Politik und Religion trennt. Deshalb kann der Islam sein Gefühl der Überlegenheit aus seiner religiösen Überzeugung ableiten. Da sich die Überlegenheit im Kampf erweist, ist die Auseinandersetzung um die Vorlesung des Papstes in Regensburg ein Sieg des Islam über das Christentum. Und was sagt die westliche Vernunft? In der Gestalt des säkularen Staates Israel kennen wir bisher nur die gleiche Antwort, nämlich Gewalt. Nicht anders die USA. Der Papst und viele protestantische Kirchen hatten sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen. War das auch ein Votum gegen die westliche Vernunft?