Religion für die jüngeren Sozio-kulturellen Milieus, Sinus-Milieus 1
Religion bringt in den Medien Quote. Es ist weltweit, vor allem in Asien, ein wachsendes Interesse am Religiösen zu beobachten. Ganz anders erleben das die in der Kirche Aktiven. Sie spüren ein Schwinden des kirchlichen Lebens und finden das durch zurückgehende Kollektenergebnisse, durch ein ständiges Schwinden der Gottesdienstbesucher und verschiedene Jugendkulturen bestätigt, die die Religion nicht zu ihrem Repertoire zu zählen scheinen. In Deutschland musste die katholische Kirche ernüchternd feststellen, dass die Formen und die liturgische Ästhetik, die Sie anbietet, nur für ältere Menschengruppen konsumierbar sind. Das haben Interviews gezeigt, die auf der Basis der sog. Sinusmilieus durchgeführt wurden. Eltern mit Kindern sehen in der Kirche zwar weiterhin eine Stütze für das familiäre Leben. Aber sie fühlen sich der Kirche nicht mehr so nahe wie die Elterngenerationen der achtziger und frühen neunziger Jahre. Wie soll die Kirche aber auf die Jungen Performer, die Experimentalisten oder Hedonisten zugehen? Diese werden keine Gottesloblieder singen und auch nicht einem post-materiell orientierten jüngeren Priester zuhören, der sie von den Idealen der achtziger Jahre überzeugen will. Die Lebenswelten haben sich so auseinander entwickelt, dass es über die bisherige Pfarrei nicht gelingen wird, den größeren Teil der jungen Erwachsenen zu erreichen. Hält die katholische Kirche an ihrer bisherigen Seelsorgskonzeption fest, wird sie immer mehr altern.
Utopisch ist auch die Vorstellung, mit den Menschen, die das pfarrliche Leben heute noch tragen, ließen sich Kontakte zu den jüngeren Kulturen knüpfen. Die mittlere und ältere Schicht, die in den Pfarreien bestimmend ist, hat aus sich heraus gar nicht die Kraft, die verschiedenen Kulturen junger Erwachsener zu integrieren, denn sie braucht die verbliebenen Energien, das Bisherige einigermaßen aufrecht zu erhalten. Ehe es Kirchen gibt, in denen junge Erwachsene ihre Ästhetik wiederfinden, in denen sie sich nicht auf den Standard einer Gotteslob-Einheitsmesse einstimmen müssen und wo die Predigt etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun hat, wird es noch Zeit brauchen. Über die Kirchenräume wird das nicht gelingen, sondern die Seelsorge muss Anknüpfungspunkte in den Medien suchen. Erst wenn aus dem Internet-Raum der Kirche „neue Töne“ zu hören sind, werden sich die jungen sozio-kulturellen Milieus in eine Kirche locken lassen, so wie das mit den Kirchennächten anfanghaft gelingt.