Archiv des MonatsMarch, 2007

Religion für die jüngeren Sozio-kulturellen Milieus, Sinus-Milieus 1

Religion bringt in den Medien Quote. Es ist weltweit, vor allem in Asien, ein wachsendes Interesse am Religiösen zu beobachten. Ganz anders erleben das die in der Kirche Aktiven. Sie spüren ein Schwinden des kirchlichen Lebens und finden das durch zurückgehende Kollektenergebnisse, durch ein ständiges Schwinden der Gottesdienstbesucher und  verschiedene Jugendkulturen bestätigt, die die Religion nicht zu ihrem Repertoire zu zählen scheinen. In Deutschland musste die katholische Kirche ernüchternd feststellen, dass die Formen und die liturgische Ästhetik, die Sie anbietet, nur für ältere Menschengruppen konsumierbar sind. Das haben Interviews gezeigt, die auf der Basis der sog. Sinusmilieus durchgeführt wurden. Eltern mit Kindern sehen in der Kirche zwar weiterhin eine Stütze für das familiäre Leben. Aber sie fühlen sich der Kirche nicht mehr so nahe wie die Elterngenerationen der achtziger und frühen neunziger Jahre. Wie soll die Kirche aber auf die Jungen Performer, die Experimentalisten oder Hedonisten zugehen? Diese werden keine Gottesloblieder singen und auch nicht einem post-materiell orientierten jüngeren Priester zuhören, der sie von den Idealen der achtziger Jahre überzeugen will. Die Lebenswelten haben sich so auseinander entwickelt, dass es über die bisherige Pfarrei nicht gelingen wird, den größeren Teil der jungen Erwachsenen zu erreichen. Hält die katholische Kirche an ihrer bisherigen Seelsorgskonzeption fest, wird sie immer mehr altern.

Utopisch ist auch die Vorstellung, mit den Menschen, die das pfarrliche Leben heute noch tragen, ließen sich Kontakte zu den jüngeren Kulturen knüpfen. Die mittlere und ältere Schicht, die in den Pfarreien bestimmend ist, hat aus sich heraus gar nicht die Kraft, die verschiedenen Kulturen junger Erwachsener zu integrieren, denn sie braucht die verbliebenen Energien, das Bisherige einigermaßen aufrecht zu erhalten. Ehe es Kirchen gibt, in denen junge Erwachsene ihre Ästhetik wiederfinden, in denen sie sich nicht auf den Standard einer Gotteslob-Einheitsmesse einstimmen müssen und wo die Predigt etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun hat, wird es noch Zeit brauchen. Über die Kirchenräume wird das nicht gelingen, sondern die Seelsorge muss Anknüpfungspunkte in den Medien suchen. Erst wenn aus dem Internet-Raum der Kirche „neue Töne“ zu hören sind, werden sich die jungen sozio-kulturellen Milieus in eine Kirche locken lassen, so wie das mit den Kirchennächten anfanghaft gelingt.

Zu Seelsorge und Milieus s.

Kommentar

Bischöfe sind keine Studenten

Der Besuch der deutschen Bischöfe sollte ein Zeichen der Solidarität werden. Der Nachhall klingt ganz anders. Proteste von Sprechern des Judentums zwingen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu beruhigenden Worten. Dabei hatten weder er noch andere Bischöfe eine offizielle Erklärung abgegeben, in der von einem Vergleich der Mauer, die Jerusalem von den palästinensischen Gebieten abschirmt,  mit einem Ghetto gezogen wurde. Wer hat die persönlichen Eindrücke einzelner Bischöfe in die Presse gebracht? dpa berichtet: „Und Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt lässt sich vor mitreisenden Journalisten gar zu der Äußerung hinreißen: “Morgens in der (Gedenkstätte) Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto nach Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch.“ 
Es ist einfach mangelnde Professionalität. Wer als Bischof mit Journalisten plaudert, wird dadurch nicht einfach zum Privatmann, sondern bleibt auch in solchen Gesprächen Bischof und damit Sprecher der katholischen Kirche. Man darf sich fragen, ob Bischöfe genügend auf den Rat ihrer Pressesprecher hören und ob die sich trauen, gegenüber einem Bischof deutliche Warnungen auszusprechen. Bischöfe sind zwar Menschen mit Emotionen und die können sie auch äußern, aber sie werden von Journalisten eben nicht wie Studenten behandelt, die auch mal etwas krasser formulieren können.

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