Archiv des MonatsJuly, 2007

Fernsehen und Internet 1: Sat1 verabschiedet sich schon

Sat1 wird von seinen neuen Eigentümern auf Rendite getrimmt. Deshalb wurden die Redaktionen für das Aktuelle entlassen. Die Nachrichten werden von N24 zugeliefert. Das Boulevard-Magazin „Sat1 am Abend“, wie auch „Sat1am Mittag“, werden gestrichen. Das wurde am 20. Juli umgesetzt. Was steht neben einem höheren Renditeziel hinter diesen Veränderungen? Der Sender wird zu einer Abspielplattform umgebaut. Serien und bereits produzierte Dokumentationen werden recycelt. Wahrscheinlich wird Sat1 auch nicht so wie bisher in Fernsehspiele und Serien investieren. Das bedeutet den Verzicht, Fernsehen als publizistische Größe zu betreiben, in dem Inhalte als Informationen, Diskussionsbeiträge zu gesellschaftlichen und politischen Fragen, als Spiegelung von Lebensentwürfen und Lebensschicksalen selbst produziert werden. Logisch wäre es, dieses nicht mehr als Fernsehsender zu verstehen, sondern Sat1 gleich ins Internet zu verlegen. Dann müsste der Zuschauer sich nicht mehr an vorgegebenen Zeiten orientieren, um ein bestimmtes Programm sehen zu können. Stattdessen könnte er aus dem Katalog, den Sat1 zur Verfügung stellt, auswählen. Mit den schnellen Übertragungswegen des Internets ist das möglich. Eine große Unbekannte ist jedoch die Werbung. Deshalb wird Sat1 sein Programm weiter als Fernsehen nach einem Sendeschema ausstrahlen, an dem sich der Zuschauer zeitlich orientieren kann und muss. Denn im Internet kann man abrufbare Programme nicht mehr durch Werbepausen unterbrechen. Das heißt aber, dass dem Fernsehen, vor allem den werbefinanzierten Sendern, ein ähnlicher Aderlass wie den Zeitungen bevorsteht.

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