Archiv des MonatsAugust, 2007

Internet und Fernsehen 4: Was wird aus der Werbung?

Wenn das ZDF Fernsehsendungen über das Internet abrufbar macht, muss der Sender sich nicht um die Finanzierung kümmern. Der Nutzer hat ja seine Gebühren bezahlt, ob er die Sendung über Satellit, Kabel oder seine DSL-Leitung empfängt. Schwieriger wird es für die werbefinanzierten Programme der Privatsender. Denn die meisten Nutzer werden die Werbung ausblenden wollen. Der Download angebotener Serien und Nachrichten macht das technisch leichter möglich. Noch von einer anderen Seite macht das Internet den Privatsendern mit Youtube Konkurrenz. Nicht nur geht die Sehzeit, die vor allem die für die Werbung interessanten jungen Zielgruppen auf Youtube verbringen, den Soaps wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ verloren. Inzwischen steigt Youtube auch in die Werbung mit dem Bewegtbild ein. Denn für die Werbung bietet das Internet eine viel sichere Basis als das Fernsehen. Das Internet kann jeden einzelnen Nutzer nachweisen und es bringt die Werbung auch sehr viel näher an die Interessen der Nutzer heran. Ein Auto- oder Fertighaus-Spot im Fernsehen regnet auf den Großteil der Zuschauer nutzlos herab, weil diese bereits ein Haus gebaut bzw. in den nächsten Monaten den Kauf eines Autos nicht eingeplant haben. Wer dagegen auf die Homepage eines Fertighausbauers oder eines Autoherstellers klickt, der beschäftigt sich mit der Entscheidung für ein Haus oder ein Auto. Die Logik der Werbe-Effizienz läuft auf das Internet zu. Der Anteil des Fernsehens an der Werbung ist in den letzten Jahren von 41,3 auf 37,7 zurückgegangen, nachdem das Fernsehen bereits in den Jahren 2001-2002 eine halbe Milliarde verloren hatte, nicht soviel wie die Zeitungen (1,4 Milliarde) aber doch erheblich. Inzwischen hat Google, das Youtube vor knapp einem Jahr für $ 1,65 Milliarden gekauft hatte, eine Werbeidee entwickelt, die das Fernsehen sogar übernehmen könnte, wenn man aus dem Fernsehfilm direkt ins Internet klicken kann: Am unteren Bildrand eines Videos läuft die Werbung mit und kann von Interessenten angeklickt werden. BMW ist bereits eingestiegen. Welche berauschenden Filme über das Autofahren werden die Automobilhersteller in Auftrag und mit Werbung auf Youtube einstellen. Touristikunternehmen brauchen keinen Sender mehr zu betreiben, Kinofilme können mit längeren Trailern angekündigt werden. Entscheidend für Produkte wie Filme oder Autos ist das Bewegtbild. Privatleute, die ihr Video online stellen, können sicher bald auch Werbung von Google einblenden und dafür Geld erhalten, so wie das für Textanzeigen über Google-Adsense bereits möglich ist.

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Fernsehen und Internet 3: Ist das Internet Grund für den Rücktritt des Chefs von Premiere?

Oder: Warum hat der Chef von Premiere seine Aktien an dem Sender verkauft?Georg Kofler, der Pro Sieben erfolgreich aufgebaut hatte und nach einigen Zwischenstationen den Bezahlsender Premiere nicht nur aus dem Minus herausholte, sondern an die Börse brachte, ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender. Er selbst begründet das mit einer neuen beruflichen Ausrichtung. Die Journalisten vermuten, dass der Aufsichtsrat von Premiere ihn zurückziehen wollte, damit die Verhandlungen mit der Bundesliga besser als vor 2 Jahren gelingen denn bei den letzten Rechteverhandlungen 2005 hatte Kofler überreizt. Er wollte alles exklusiv für Premiere, um dann selbst an das Free TV weiter verkaufen zu können. Eine Finanzgruppe schickte die Firma Arena ins Rennen, die im Verbund mit der ARD den Zuschlag erhielt, sicher auch, weil die Bundesliga sich nicht wieder einem einzigen Unternehmen wie zu Zeiten Leo Kirchs anvertrauen wollte. Aber warum verkaufte Kofler seine Aktien bei Premiere? Wegen des Internets und nicht, weil er Geld für eine nächste Etappe seiner beruflichen Tätigkeit brauchte. Das ist eine These, die jedoch vieles für sich hat. Es ist nämlich ganz aus dem Blick geraten, dass Premiere wie auch Pro Sieben bei ihrer Gründung die Aufgabe hatten, die Film- und Serienbestände im Besitz von Leo Kirch auszuwerten, denn bisher konnte der Besitzer des größten Filmarchivs in Deutschland nur Fernsehrechte für die Ausstrahlung von Spielfilmen an die öffentlich-rechtlichen Sender und SAT1 verkaufen. Da RTL zur konkurrierenden Bertelsmanngruppe gehört, waren mit dem anderen großen Privatfernsehen keine großen Geschäfte zu machen. Da die neuen Besitzer nicht nur die Pro Sieben/SAT 1 Gruppe, sondern auch den Kern des Unternehmens Leo Kirchs, das Filmarchiv übernahmen, war auch Premiere sicher, genügend Filme für seine verschiedenen Kanäle zu bekommen. Aber die neuen Besitzer haben nicht weiter in die Fernsehrechte von Kinofilmen investiert und auch kaum noch internationale Neuproduktionen finanziert, so dass die Zuflüsse für Premiere ausgetrocknet sind. Kofler hat wohl gesehen, dass allein mit Sportrechten der Betrieb von Premiere nicht aufrecht erhalten werden kann. Denn für das Abspielen von Kinofilmen gegen Gebühr ist das Internet viel geeigneter. Der Nutzer kann den Film abrufen, wenn es ihm zeitlich passt und muss sich nicht an das Programmschema von Premiere halten. Er zahlt auch nur für das, was er wirklich sieht. Nun könnte man einwenden: Die Premiereabonnenten könnten sich die Filme doch auf Video aufzeichnen. Können und tun sie sicher auch, jedoch werden Videoaufzeichnungen selten angeschaut. Da ist der direkte Zugriff auf Filmangebote verschiedener Provider einfacher. Wenn die Zuschauer noch dazu übergehen, Serien über einen Internetanbieter herunterzuladen, dann wird es für die Privatsender noch schwieriger. Denn die müssen ihr Geld damit verdienen, dass sich die Zuschauer die eingeblendete Werbung anschauen.

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Fernsehen und Internet 2: Warum verändert das Internet das Fernsehen?

Fernsehen ist eine Beschäftigung in der Freizeit. Wenn die Menschen beruflich nicht mehr eingespannt sind, kann das Fernsehen ihre Aufmerksamkeit gewinnen. Das war in den Zeiten noch einfach, als man am Nachmittag mit der Arbeit fertig war und seine Zeit dann dem Fernsehen widmen konnte. Durch die Flexibilisierung der Arbeit wie der privat organisierten Zeit gelingt es dem Fernsehen nicht mehr, Menschen regelmäßig zu bestimmten Zeiten vor dem Gerät zu versammeln. In der einen Woche ist der einzelne frei, die Serienfolge zu sehen, in der anderen Woche hat er etwas vor. Je jünger die Zielgruppe, desto weniger ist sie für das Fernsehen erreichbar – oder man verlegt das Fernsehen ins Internet. Denn dieses Medium ermöglicht es, Nachrichten, Berichte, Fernsehspiele wie auch die wöchentliche Soap dann abzurufen, wenn er Zeit hat. Damit wird ein Fernsehsender zu einer Datenbank, auf die die Nutzer dann zugreifen, wenn sie gerade am PC sitzen bzw. in ihrem Wohnzimmer. Dann muss der größere Bildschirm im Wohnzimmer nur mit dem Internet verbunden sein. Das ist nicht mehr das Fernsehen, an das die mittlere und ältere Generation gewohnt ist. Es entspricht aber dem Lebensstil, seine Zeit nicht mehr zu verplanen, sondern mehr aus dem Stand zu entscheiden, was man tun, was man lesen, sehen, hören will, wenn man treffen möchte.

Dieses ins Internet verlegte, auf Abruf funktionierende Fernsehen bietet den Kirchen ganz neue Möglichkeiten. Sie sind nicht mehr auf die meist am Rande des Programmschemas liegenden Sendeplätze angewiesen, um ihre Inhalte anzubieten. Sie können ihre Produktionen in die verschiedenen Datenbanken stellen, die bereits Fernsehen auf Abruf anbieten. Damit können sie auch viel direkter „zu ihrer Sache“ kommen. Denn bisher wird religiöses Programm im Fernsehen hauptsächlich als Berichterstattung über kirchliche Vorgänge verstanden aber nicht über die Glaubensinhalte. Im Internet können die Kirchen selbst den Glauben zur Sprache bringen. Die Zeit des religiösen Fernsehens beginnt erst, ermöglicht durch das Internet.

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