Fernsehen und Internet 3: Ist das Internet Grund für den Rücktritt des Chefs von Premiere?

Oder: Warum hat der Chef von Premiere seine Aktien an dem Sender verkauft?Georg Kofler, der Pro Sieben erfolgreich aufgebaut hatte und nach einigen Zwischenstationen den Bezahlsender Premiere nicht nur aus dem Minus herausholte, sondern an die Börse brachte, ist nicht mehr Vorstandsvorsitzender. Er selbst begründet das mit einer neuen beruflichen Ausrichtung. Die Journalisten vermuten, dass der Aufsichtsrat von Premiere ihn zurückziehen wollte, damit die Verhandlungen mit der Bundesliga besser als vor 2 Jahren gelingen denn bei den letzten Rechteverhandlungen 2005 hatte Kofler überreizt. Er wollte alles exklusiv für Premiere, um dann selbst an das Free TV weiter verkaufen zu können. Eine Finanzgruppe schickte die Firma Arena ins Rennen, die im Verbund mit der ARD den Zuschlag erhielt, sicher auch, weil die Bundesliga sich nicht wieder einem einzigen Unternehmen wie zu Zeiten Leo Kirchs anvertrauen wollte. Aber warum verkaufte Kofler seine Aktien bei Premiere? Wegen des Internets und nicht, weil er Geld für eine nächste Etappe seiner beruflichen Tätigkeit brauchte. Das ist eine These, die jedoch vieles für sich hat. Es ist nämlich ganz aus dem Blick geraten, dass Premiere wie auch Pro Sieben bei ihrer Gründung die Aufgabe hatten, die Film- und Serienbestände im Besitz von Leo Kirch auszuwerten, denn bisher konnte der Besitzer des größten Filmarchivs in Deutschland nur Fernsehrechte für die Ausstrahlung von Spielfilmen an die öffentlich-rechtlichen Sender und SAT1 verkaufen. Da RTL zur konkurrierenden Bertelsmanngruppe gehört, waren mit dem anderen großen Privatfernsehen keine großen Geschäfte zu machen. Da die neuen Besitzer nicht nur die Pro Sieben/SAT 1 Gruppe, sondern auch den Kern des Unternehmens Leo Kirchs, das Filmarchiv übernahmen, war auch Premiere sicher, genügend Filme für seine verschiedenen Kanäle zu bekommen. Aber die neuen Besitzer haben nicht weiter in die Fernsehrechte von Kinofilmen investiert und auch kaum noch internationale Neuproduktionen finanziert, so dass die Zuflüsse für Premiere ausgetrocknet sind. Kofler hat wohl gesehen, dass allein mit Sportrechten der Betrieb von Premiere nicht aufrecht erhalten werden kann. Denn für das Abspielen von Kinofilmen gegen Gebühr ist das Internet viel geeigneter. Der Nutzer kann den Film abrufen, wenn es ihm zeitlich passt und muss sich nicht an das Programmschema von Premiere halten. Er zahlt auch nur für das, was er wirklich sieht. Nun könnte man einwenden: Die Premiereabonnenten könnten sich die Filme doch auf Video aufzeichnen. Können und tun sie sicher auch, jedoch werden Videoaufzeichnungen selten angeschaut. Da ist der direkte Zugriff auf Filmangebote verschiedener Provider einfacher. Wenn die Zuschauer noch dazu übergehen, Serien über einen Internetanbieter herunterzuladen, dann wird es für die Privatsender noch schwieriger. Denn die müssen ihr Geld damit verdienen, dass sich die Zuschauer die eingeblendete Werbung anschauen.

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