Archiv zur KategorieKirche

Wie inszeniert man einen Skandal? Regensburger Öffentlichkeitsarbeit

Das Bistum Regensburg kommt nicht aus der Berichterstattung. Selbst nachdem die Bischofskonferenz sich in der letzten Woche mit der Frage „Sexueller Missbrauch“ beschäftigt hat, schafft es das Bistum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiter auf das Thema zu richten. Aber ist das das Thema, mit dem die katholische Kirche in Deutschland in den Medien ihre Präsenz demonstrieren will?

Wie erzielt man den Effekt, mit einem Negativthema so lange in den Medien zu bleiben? Die amerikanische Kirche hat es vor drei Jahren gezeigt: Erst abwiegeln, dann Pressekonferenzen und Besuche verschieben, den Gerichten nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen. Das Entscheidende aber, was den Motor immer wieder mit Sprit speist: Möglichst keine Fehler eingestehen.

Was alleine bei einem solchen Vorfall hilft: Alles sofort auf den Tisch legen und die Öffentlichkeit umfassend informieren. Je länger das Bistum die notwendige Transparenz verweigert, desto intensiver werden die Medien recherchieren. Und es wird natürlich „undichte“ Stellen geben, die die Journalisten mit weiteren Hinweisen und evtl. auch Schriftstücken versorgen. Das ist sicher ethisch fraglich, aber ein solches Verhalten wird nur provoziert, wenn nicht für rückhaltlose Offenheit gesorgt wird.

Die Kirche scheint sich nur mühsam an diese eingespielten Reaktionsmuster der Medien zu gewöhnen. Denn diese von der Öffentlichkeit erwartete Transparenz steht der kirchlichen Tradition entgegen, unter dem Siegel der Verschwiegenheit persönliche Probleme zu lösen. Das Beichtgeheimnis soll ja den Täter schützen und seine soziale Existenz nicht ruinieren. Die Öffentlichkeit, wie sie sich in der Moderne herausgebildet hat, kennt dagegen diesen Schutz nicht. Sie hat kein Mitleid mit dem Täter. Sie streitet für die Opfer, weil das die Sympathie der Leser garantiert. Mit dieser Reaktion der Öffentlichkeit muss die Kirche rechnen, vor allem, wenn es sich um eine Straftat handelt. Das Bistum hätte den betroffenen Pfarrer sehr viel besser geschützt, wenn es durch maximale Offenheit den Fall nicht zu einem Skandal hätte werden lassen.

Denn was der Öffentlichkeit vorgeführt wird, ist die Inszenierung eines Skandals. Dass ein Bistum mit solchen Vorkommnissen rechnen muss, zeigt die Vergangenheit und wird auch die Zukunft zeigen. Dafür kann man ein gewisses Verständnis bei den Medien erwarten. Zudem wissen die Verantwortlichen, dass die Kirche vor solchen Fällen nicht geschützt ist. Wenn ein solches Versagen bekannt wird, ist er aber erst einmal nur ein Fall. Erst wenn der Eindruck entsteht, der Öffentlichkeit würden Informationen vorenthalten und wenn die Schuldfrage weiter gereicht wird, wird aus dem „Fall“ ein Skandal.

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Bischöfe sind keine Studenten

Der Besuch der deutschen Bischöfe sollte ein Zeichen der Solidarität werden. Der Nachhall klingt ganz anders. Proteste von Sprechern des Judentums zwingen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu beruhigenden Worten. Dabei hatten weder er noch andere Bischöfe eine offizielle Erklärung abgegeben, in der von einem Vergleich der Mauer, die Jerusalem von den palästinensischen Gebieten abschirmt,  mit einem Ghetto gezogen wurde. Wer hat die persönlichen Eindrücke einzelner Bischöfe in die Presse gebracht? dpa berichtet: „Und Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt lässt sich vor mitreisenden Journalisten gar zu der Äußerung hinreißen: “Morgens in der (Gedenkstätte) Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto nach Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch.“ 
Es ist einfach mangelnde Professionalität. Wer als Bischof mit Journalisten plaudert, wird dadurch nicht einfach zum Privatmann, sondern bleibt auch in solchen Gesprächen Bischof und damit Sprecher der katholischen Kirche. Man darf sich fragen, ob Bischöfe genügend auf den Rat ihrer Pressesprecher hören und ob die sich trauen, gegenüber einem Bischof deutliche Warnungen auszusprechen. Bischöfe sind zwar Menschen mit Emotionen und die können sie auch äußern, aber sie werden von Journalisten eben nicht wie Studenten behandelt, die auch mal etwas krasser formulieren können.

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TheologInnen für die Medien gefragt

Studienprogramm in Frankfurt ebnet Weg in die Medien

Der Islam macht die Religion wieder lebenswichtig. Schien es in den letzten Jahrzehnten so, als seien Glaube und Spiritualität ein Hobby, das sich nicht jeder leisten muss, stellt der Islam neu die Frage nach Gott: Will Gott Gewalt, wenn es um seine Ehre geht? Erlaubt Gott Zwang, ob bei der Bekehrung Andersgläubiger oder bei der Heirat? Es ist aber nicht nur der Islam, der die Religion neu zum Thema macht. Seit dem Weltjugendtag und dem letzten Papstbesuch ist in den Redaktionen das Interesse am Christentum deutlich gewachsen. Theologen und Theologinnen sind gefragt, die auf der Höhe der Zeit die Leser, Zuhörer und Zuschauer kompetent informieren und Vorgänge kommentieren. Die Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt bietet eine Qualifizierung für Medien an.
Wie sieht die Vorbereitung auf einen Medienberuf aus:

3 Kursbausteine, um sich für ein Praktikum zu bewerben:
Medienberufe: 1. März 2007 , 14.00 – 21.30, 2. März,    9.00 – 15.00   
Reportagewerkstatt, schließt direkt an: 2. März 16-21.30, 3. März 9 – 12h
Hörfunkwerkstatt: November 2007 Freitagnachmittag bis Samstagmittag

weitere Informationen http://www.sankt-georgen.de/medien/index.htm

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Religion muß im Internet ankommen

98% der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren nutzt das Internet. Das war bei der Einführung dieses mit dem Computer verbundenen Mediums nicht erwartet worden. Man ging damals von einer Reichweite von 30 bis maximal 50% aus. Grund für die Annahme war, daß das Internet nur ein Medium der besser Ausgebildeten werden könnte. Eine fast hundertprozentige Verbreitung in der jüngeren Generation bedeutet, daß das Internet das Bildungsgefälle in der Bevölkerung nicht vergrößert, obwohl gerade das erwartet worden war. Wie das Handy ist das Internet zu einem die Bevölkerungsschichten verbindenden Medium geworden.

Für die Kirchen heißt das, daß sie vorrangig über das Internet und nicht mehr über Zeitungen bzw. Fernsehen die Jüngeren erreichen kann. Es ist nicht zu spät, die Medienstrategie neu auszurichten. So richtet die größte deutsche Reagionalzeitung, die Westdeutsche Allgemeine, die vor allem im Ruhrgebiet verbreitet ist, eine Internetredaktion mit lokalen Nachirchtenseiten ein. Ein weiteres Beispiel: Die Agentur Springer&Jacoby in Hamburg, die einst führend war, inzwischen aber große Etats, wie den für Mercedes, verloren hat, setzt einen Geschäftsführer ein, der bisher eine Internetagentur geleitet hat.

Wer sind die immer noch 36% Internetabstinzler? 78% dieser 23,2 Millionen Menschen sind älter als 50 Jahre. Ein zweites Merkmal ist ein niedriger Bildungsabschluß. So besagen es die Daten, die die Marktfoscher von TNS-Infratest erhoben haben, die die Umfrage mit der Initiative D21 durchgeführt haben. Rekrutiert sich aus dieser Gruppe nicht auch das Gros der Kirchgänger?

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Selbstverbrennung – damit man darüber redet

Protest gegen die Gleichgültigkeit in Sachen Religion
Ein pensionierter evangelischer Pfarrer hat sich mit Benzin übergossen und selbst in Brand gesetzt. Er ist an seinen Verletzungen gestorben und hat wohl vor seinem Tod Abstand zu seiner Tat genommen. Tag und Ort waren bewußt gewählt: Der Reformationstag und das Augustinerkloster in Erfurt, in das Luther eingetreten war, um seiner geistlichen Berufung zu folgen. Eine solche Tat beinhaltet eine bewußte Demonstration. Pfarrer Weisselberg wollte gegen die mangelnde Entschiedenheit gegenüber dem Islam ein Zeichen setzen. Er sah die Gefahr einer „Weltherrschaft des Islam“, die von seiner Kirche nicht wahrgenommen werde. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, den seine Frau in der Wohnung fand. Ähnlich hatte 1976 der Pfarrer Oskar Brüsewitz gegen die Kirchenfeindschaft des damaligen SED-Staates mit einer Selbstverbrennung demonstriert. Auf ihn berief sich Pfarrer Weisselberg, als er sich mit Öl übergoß. Und er rief den Namen Jesu an, bevor er sich in Brand setzte. Dieser inszenierte Selbstmord wurde nicht aus Überdruß am Leben begangen. Der pensionierte Pfarrer war aktiv geblieben und hatte z.B. weiterhin Gottesdienste gehalten. Er fühlte sich wohl in einer ausweglosen Situation und setzte sein Leben ein, um für seine Überzeugung einzustehen.
Medial scheint das Ereignis nicht ausgeschlachtet worden sein, es fehlten die Bilder. Aber sicher hat der Pfarrer eine öffentliche Resonanz erzeugen wollen.
Hat er um der öffentlichen Wirkung willen Strategien islamischer Selbstmordattentäter übernommen? Glaubte er, wie viele Kreise im Islam, daß nur der Tod als letztes Mittel übrig bleibt, weil die Situation ausweglos erscheint? Fühlte er sich von Gott zu diesem Zeichen beauftragt oder war die Selbstverbrennung ein Hilfeschrei, daß Gott handelt. Aber er hat wohl eher seine Kirche im Auge gehabt, als daß er an der Macht Gottes gezweifelt hätte. Offensichtlich hat er in seinen letzten Stunden im Krankenhaus erkannt, daß Gott solche Opfer nicht will und daß christliches Martyrium nicht gesucht, sondern nur von den Gegnern des Christentums auferlegt wird. Es gehört auch, anders als im Islam, nicht zur Ethik des Christentums, daß Vorgesetzte oder geistliche Führer von anderen Christen das Martyrium einfordern dürfen.
Mit der Selbstverbrennung des Pfarrers wurde die Gewaltspirale weiter gedreht. Es wird deutlich, daß die Kirchen ihren Mitgliedern mehr Orientierung geben müssen, sollen nicht einzelne die Hoffnung verlieren, daß das Christentum in Europa dem Islam noch einmal standhält.

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Verändern die Medien die Religiosität?

Die erste Antwort könnte sein: Das können die Medien nicht. Aber haben sie das nicht schon früher getan? Die orthodoxe Religiosität wäre in ihrer Grundstimmung ganz anders, wäre im 8. Jahrhundert der Bilderstreit so entschieden worden, wie es die Bilderstürmer wollten. Wir können es an evangelischen Kirchen wahrnehmen. Die Abstinenz von Bildern gibt den reformierten Kirchen eine andere Ausstrahlung als den lutherischen. Aber das alles geschieht in den Kirchen, im Zusammenhang mit dem Gottesdienst. Die Medien scheinen darauf wenig Einfluß zu haben. Ein Blick in die Medien selbst führt weiter.
Blättert man eine evangelische oder katholische Kirchenzeitung durch, dann erscheint Religiosität als etwas Nüchternes. Es wird in einfacher Sprache und mit Fotos aus dem Leben der Kirchengemeinden berichtet. Dazu werden Bibeltexte ausgewählt und geistliche Worte abgedruckt. Gleiches gilt für die Tageszeitungen, der Leser wird über das informiert, was die Kirchen tun, veranstalten, wer in ein bestimmtes Amt gewählt, eingesetzt wird. Schon anders kommt Chrismon daher, es greift Themen auf, fühlt sich spiritueller an. Wer dann noch in die Bildzeitung schaut, dem kommt eine ganz andere Religiosität entgegen. Da stehen wie in der Kirchenpresse Menschen im Mittelpunkt. Die werden aber nicht in ihrer kirchlichen Funktion und mit offiziellen Stellungnahmen vermittelt, sondern als Glaubende. Häufig finden sich in der Bildzeitung religiöse Bekenntnisse. Religion tritt dem Leser als etwas Energiegeladenes entgegen, Energie zum Leben und sozialen Einsatz.

Die Kirchensendungen der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender ähneln in ihrer Tonalität der Kirchenpresse, fleißige Berichterstattung über die Kirchen, Porträts und Länderberichte. Aber die Zuschauer ziehen die Gottesdienstübertragungen und noch mehr die Fernsehspiele und Nonnen- und Pfarrer-Serien vor. In diesen Formaten spiegelt sich das „pralle Leben“, Menschen haben große Probleme, die von dem Protagonisten, der Protagonistin mit persönlichem Einsatz und nach christlichen Wertvorstellungen gelöst werden. Das muß Wirkungen haben. Je mehr Religion Thema der populären Medien wird, desto mehr sind Personen mit einem deutlichen Bekenntnis gefragt. Die nicht-kirchlichen Medien ändern die Religiosität entscheidend. Aus etwas wohl Bedachtem, von Chorälen Besungenem wird Religiosität zum Thema der einfachen Leute. Nicht mehr die reflexive Sprache von Professoren und wortgewandten Pfarrern ist da zu hören, Religion wird im Bekenntnis verankert und gibt dem Leben Energie – genau das Konzept der charismatischen Bewegungen und Freikirchen.

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Medien und Islam 2: Was darf über den Islam in den Medien gebracht werden?

Bei dem Streit um die Karikaturen in einer dänischen Zeitung hat der Islam bewiesen, daß er auf das europäische Rechtssystem Einfluß nehmen kann. Damit ist dem Westen deutlich geworden, daß der Islam sehr wohl bestimmen kann, was gesendet bzw. gedruckt werden kann, wenn es um die Darstellung seiner Religion geht. Dieses Recht wird den christlichen Kirchen abgesprochen. Die Diskussion um die Karikaturen hat zu keinem Konsens darüber geführt, welche Inhalte und Bilder der christlichen Religion von der Satire ausgeschlossen sind. Die Sängerin Madonna kann ohne Protest das Kreuz karikieren.

Europa kann bereits nicht mehr sein Verständnis von Pressefreiheit weiter praktizieren. Dafür ist der Islam inzwischen über die neuen Medien zu gut organisiert, als daß nicht über alle muslimisch geprägten Länder hinweg genügend Druck auf Europa ausgeübt werden könnte. Europa kann sich auch nicht der Illusion hingeben, daß die Medien zu einer Säkularisierung der islamischen Gesellschaften führen. Gerade die fundamenta­listischen Strömungen nutzen die Medien. Deshalb ist eine intelligente Kommunikationsstrategie erforderlich.

Europa muß mit dem Islam in einen aktiven Dialog über das Rechtssystem kommen. Es darf sich nicht wie bei dem Streit um die Karikaturen einschüchtern lassen.

In den Medien darf es kein zweierlei Recht geben. Entweder stehen die Medien die Auseinandersetzung mit dem Islam durch oder sie einigen sich sowohl mit den christlichen Kirchen wie mit dem Islam auf einen Verhaltenskodex. Wenn die Medien auf ein staatliche Regelung warten, haben sie bereits einen Teil der Rechtsordnung aufgegeben, weil sie sich dem Druck beugen.

Anstatt ohne Diskussion vor dem Islam zurückzuweichen, müssen die Medien sich zur Plattform für den Dialog machen.

Die christlichen Kirchen müssen den religiösen Dialog anders führen. Es geht darum, ob der Islam ein anderes Bekenntnis bestehen läßt oder in Europa alles daran setzt, daß sein Gottesbekenntnis das einzig gültige ist. Das hätte zur Folge, daß die Christen zwar noch ihre Kirchen besuchen und Gottesdienste feiern dürfen, daß aber das christliche Bekenntnis aus den Medien verbannt wird.

Das ist alles noch nicht akut. Aber da die Medien schon einmal vor dem Islam eingeknickt sind und die christlichen Kirchen weiter wie bisher behandeln, ist der erste Schritt in die hier skizzierte Richtung getan.

Auch die Kirchen müssen sich entschiedener verhalten. Damit sie in den Dialog wirkungsvoller einsteigen können, braucht es eine Neuausrichtung der Theologie. Sie muß sich von der 200 Jahre Aufklärung verabschieden, die bis heute die Bibelwissenschaft wie die systematische Theologie prägen. Die Auseinandersetzung mit den anderen Religionen muß der vorrangige Horizont der Theologie werden. Dazu ein Beispiel: Der größte mittelalterliche Theologe, Thomas von Aquin hat zuerst eine Darstellung des Glaubens im Blick auf die Nichtchristen geschrieben, seine Summa gegen die Heiden, ehe er für die Christen die Summa theologica verfaßte.

Die Herausforderung durch den Islam ist kein Finanzproblem. Die Mittel, u.a. eine gut ausgebaute theologische Wissenschaft, stehen zur Verfügung. Vielleicht sollten die Finanz- und Kulturpolitiker darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, theologische Fakultäten zu schließen. So teuer sind 10 Lehrstühle nicht. Die Fakultäten brauchen allerdings ein erweitertes Aufgabenspektrum über die Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter hinaus.

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Medien und Islam 1: Es geht um die Gottesfrage

Der Islam nutzt die westliche Technik, Handys und Internet wie Autos und Fernsehen. Obwohl er sowohl bei den Konsumgütern wie in der Militärtechnik unterlegen ist, fühlt der Islam sich dem Westen trotzdem überlegen. Diese Überlegenheit gründen die Muslime nicht auf das Erdöl, von dem der Westen abhängig ist, sondern auf das Gottesbekenntnis. Das Bewußtsein der Überlegenheit, das den Islam stark macht, ist religiös begründet. Es speist sich auch daraus, daß der Islam den Westen für dekadent erklärt und damit ist der Westen in seinen Augen dem Untergang geweiht.

Auf den Westen kommt eine Auseinandersetzung über das Gottesbekenntnis zu. Es geht darum, wer in Zukunft in Europa bestimmt, wie das Gottesbekenntnis aussieht und an welchem Bekenntnis die Gesellschaft sich auszurichten hat. Von diesem Bekenntnis wird das Rechtssystem abhängen, denn wenn sich das islamische Gottesbekenntnis durchsetzt, wird es zu einem anderen Rechtsbewußtsein kommen. Vor allem das Verhältnis von Religion und Staat wird sich grundlegend ändern. Die im Investiturstreit von der Kirche durchgesetzte anfängliche Trennung von Staat und Kirche wird wieder aufgehoben. Ist das zu befürchten?

Im Moment nicht. Wenn man aber 15 Jahre vorausblickt, wird es in den Großstädten wahrscheinlich genauso viele Besucher des Freitagsgottesdienstes in den Moscheen wie Gottesdienstbesucher in den christlichen Kirchen geben. Religion in der Alltagswelt wird letztlich von den Menschen bestimmt, die sich zu ihr bekennen. Europa hat im Gefolge der Aufklärung 200 Jahre lang darüber diskutiert, ob die Existenz Gottes zwingend zu beweisen ist oder nicht. Auf eine solche Diskussion wird sich der Islam nicht einlassen, zumal die europäische und amerikanische Philosophie die Frage offensichtlich nicht klären konnte und das Interesse an Religion stark zunimmt. Werden die religiös Interessierten sich dem starken Gottesbekenntnis des Islam anschließen oder dem der christlichen Kirchen? Der Westen wird nur dann christlich bleiben, wenn er dem Islam nicht mit Waffen überlegen sein will, sondern im religiösen Dialog.

Ein weiterer Faktor ist das Vertrauen in die eigene Freiheit. Das wird nicht nur durch Behauptungen der Hirnforscher untergraben, der Mensch werde letztlich durch sein Hirn gesteuert und sei gar nicht frei. Es ist vor allem die komplexe Welt der Späten Moderne, die Freiheit zu einer schweren Last macht. Das gilt nicht nur für die Bewohner der ehemaligen DDR, sondern für viele im Westen. Freiheit, so scheint es, ist nicht mehr lohnend.

Europa kann dem Islam weder mit einer deutlichen Position in der Gottesfrage entgegentreten noch ist es ins einem Freiheitsbewußtsein so kräftig, daß es auf die Dauer sein Rechtssystem überzeugend vertreten kann. Oder Europa wacht auf und überläßt die Auseinandersetzung mit dem Islam nicht den Amerikaner, wo diese offensichtlich nicht in den besten Händen ist.

Der Kampf um das Gottesbekenntnis wird auch in den Medien stattfinden. Im Moment fehlt es dem Islam an Intellektuellen, die in den westlichen Medien auftreten können. Aber die Medienmacht des Islam ist bereits so groß, daß sie die westlichen Medien zwingen können, bestimmte Aussagen über den Koran und den Propheten zu unterlassen.

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Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr 3 Wo bleibt die persönliche Kommunikation?

Die katholische Kirche kann kein Verlag werden, aber ohne Medien funktioniert die persönliche Nahraum-Kommunikation nicht mehr.

Die Ressourcen einer Kirche sind nicht die Medien, sondern die Personen. Kirche entsteht, wenn Menschen sich treffen, Gottesdienst feiern, sich mit den Problemen der Zeit auseinandersetzen, die Spuren Gottes in ihrem Leben gemeinsam suchen. Es wäre falsch, wenn die Kirche ihren personalen Ansatz verlassen und ein Medienunternehmen würde. Aber sie muß die Medien anders einbeziehen. Denn die Medienkultur der späten Moderne hat die kommunikative Basis der Kirche erodieren lassen. Das liegt daran, daß das Gespräch, der Gottesdienst, Vortragsveranstaltungen und Treffen von Gruppen und Verbänden nicht einfach spontan entstehen, sondern auf der Basis von Kommunikationsmustern. Diese Muster hat die Mediengesellschaft grundlegend verändert. Das macht auch den Unterschied zwischen den Generationen aus, der weniger wie in den siebziger Jahren in den Wertvorstellungen besteht, sondern in der Art, wie man sich verabredet. War es früher so, daß man zu bestimmten, regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen hingehen mußte, um dazu zu gehören, ist das im Zeitalter von Handy, Email, Internet anders. Man kann sich immer noch um 19.45 verständigen, wenn man sich um 20 Uhr treffen, irgendwo hin gehen will. Deshalb ist das Handy für die jüngere Generation unentbehrlich. Während es für Menschen über 50 und Leute, die ein Sekretariat haben, eher ein Luxus ist. Für die Jüngeren würde das soziale Netz zerreißen, wenn sie nicht mobil erreichbar wären. Da sie nicht in einem Büro sitzen, sondern ständig unterwegs sind, flicht die Handy-Kommunikation jeden Tag das soziale Netz neu. Das frühere soziale Netz, auf dem die Kirche mit ihren Gottesdiensten und Gruppentreffen aufbauen konnte, wurde nicht täglich neu geknüpft, sondern war internalisiert. Man ging regelmäßig zum Gottesdienst und zum Treffen seiner Gruppe, seines Verbandes. Es war sozusagen ein innerer Wochen- und Monatsrhythmus eingebaut. Das war auch unbedingt erforderlich, denn wer hatte schon Telefon und konnte sich schnell „zusammenrufen“.

Weil die mittlere und jüngere Generation diese innere Uhr nicht mehr braucht, um im sozialen Netz zu bleiben und weil das Handy es ermöglicht, sich kurzfristig zu entscheiden, mit wem man wohin abends ausgeht, muß man sich ja nicht um 18 h schon festlegen, sondern kann das auch kurz vor 20 oder 21h. Vielleicht führen die Billigfluglinien zu einem neuen Verhalten, denn hier muß man sich frühzeitig festlegen, um einen günstigen Tarif zu bekommen.

Da die Kommunikationsnetze heute medial geknüpft werden, kann kirchliches Leben wie auch das von Verbänden und Gruppierungen nur noch medial aufgebaut werden. Internet und Email, bei Firmgruppen z.B. zwei Stunden vor Beginn eine SMS an jeden, sind notwendig, damit ein Treffen zu Stande kommt. Ohne den zielgerichteten Einsatz neuer Medien wird sich das Leben der Gemeinden wie der Verbände weiter ausdünnen.

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Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr.2 Den kirchlichen Angeboten liegt das Internet voraus

Die Mediengesellschaft hat das Verhalten der Menschen grundlegend verändert. Das gilt sowohl für die Konsumgüter wie auch für Dienstleistungen und Non-Profit-Unternehmen. Ein Beispiel: Während früher im Durchschnitt sieben Händler vor einem Autokauf aufgesucht wurden, sind es heute nicht einmal mehr zwei. Nicht nur die Werbung, sondern vor allem das Internet ermöglichen eine ausreichende Orientierung, so daß die direkten Kontakte reduziert werden. Die Kundenberatung des Einzelhandels wird ins Internet verlegt, ob bei Reisen, Computern oder sonstigen Angeboten, für deren Auswahl man mehr Informationen braucht, als wenn man ein Bier oder eine Cola kauft. Mit Wikipedia und vielen andere Seiten spart man sich nicht nur viele Gänge in die Bibliothek, sondern auch Vortragsveranstaltungen. Hinzu kommen die Beratungsseiten in den Zeitungen und Illustrierten wie auch Fernseh- und Radioprogramme, die Fragen der Hörer und Zuschauer aufgreifen und Experten für die Beantwortung zur Verfügung stellen. Die Verfügbarkeit von Orientierungswissen in den Medien hat das Verhalten vor allem der jüngeren Generationen geändert. Man fragt nicht zuerst die Institution, die für Bildung bzw. Religion zuständig ist, sondern das Internet. Damit wird das Internet der Zugang für Bildung und Religion. Das sind aber neben sozialen Dienstleistungen die Hauptangebote der Kirche.Will sie dafür Interessenten finden, muß sie diese im Internet abholen.

Das hat für die Kirche die notwendige Konsequenz, über die Medien und vor allem über das Internet den Weg zu den örtlichen Angeboten der Verbände und Gemeinden zu ebnen. Die Kirche hat bisher Medienarbeit als etwas Zusätzliches gesehen, das man machen kann, um den Erfolg zu erhöhen. Inzwischen ist es so, daß Medienarbeit die Voraussetzung für den Erfolg bei den mittleren und jüngeren Bevölkerungsgruppen ist. Wie beim Autokauf verlagert sich zudem die Beschäftigung mit den Inhalten, für die die Kirchen stehen, zu einem guten Teil ins Internet. Religion medialisiert sich tatsächlich.

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