Wie inszeniert man einen Skandal? Regensburger Öffentlichkeitsarbeit
Das Bistum Regensburg kommt nicht aus der Berichterstattung. Selbst nachdem die Bischofskonferenz sich in der letzten Woche mit der Frage „Sexueller Missbrauch“ beschäftigt hat, schafft es das Bistum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weiter auf das Thema zu richten. Aber ist das das Thema, mit dem die katholische Kirche in Deutschland in den Medien ihre Präsenz demonstrieren will?
Wie erzielt man den Effekt, mit einem Negativthema so lange in den Medien zu bleiben? Die amerikanische Kirche hat es vor drei Jahren gezeigt: Erst abwiegeln, dann Pressekonferenzen und Besuche verschieben, den Gerichten nicht alle Unterlagen zur Verfügung stellen. Das Entscheidende aber, was den Motor immer wieder mit Sprit speist: Möglichst keine Fehler eingestehen.
Was alleine bei einem solchen Vorfall hilft: Alles sofort auf den Tisch legen und die Öffentlichkeit umfassend informieren. Je länger das Bistum die notwendige Transparenz verweigert, desto intensiver werden die Medien recherchieren. Und es wird natürlich „undichte“ Stellen geben, die die Journalisten mit weiteren Hinweisen und evtl. auch Schriftstücken versorgen. Das ist sicher ethisch fraglich, aber ein solches Verhalten wird nur provoziert, wenn nicht für rückhaltlose Offenheit gesorgt wird.
Die Kirche scheint sich nur mühsam an diese eingespielten Reaktionsmuster der Medien zu gewöhnen. Denn diese von der Öffentlichkeit erwartete Transparenz steht der kirchlichen Tradition entgegen, unter dem Siegel der Verschwiegenheit persönliche Probleme zu lösen. Das Beichtgeheimnis soll ja den Täter schützen und seine soziale Existenz nicht ruinieren. Die Öffentlichkeit, wie sie sich in der Moderne herausgebildet hat, kennt dagegen diesen Schutz nicht. Sie hat kein Mitleid mit dem Täter. Sie streitet für die Opfer, weil das die Sympathie der Leser garantiert. Mit dieser Reaktion der Öffentlichkeit muss die Kirche rechnen, vor allem, wenn es sich um eine Straftat handelt. Das Bistum hätte den betroffenen Pfarrer sehr viel besser geschützt, wenn es durch maximale Offenheit den Fall nicht zu einem Skandal hätte werden lassen.
Denn was der Öffentlichkeit vorgeführt wird, ist die Inszenierung eines Skandals. Dass ein Bistum mit solchen Vorkommnissen rechnen muss, zeigt die Vergangenheit und wird auch die Zukunft zeigen. Dafür kann man ein gewisses Verständnis bei den Medien erwarten. Zudem wissen die Verantwortlichen, dass die Kirche vor solchen Fällen nicht geschützt ist. Wenn ein solches Versagen bekannt wird, ist er aber erst einmal nur ein Fall. Erst wenn der Eindruck entsteht, der Öffentlichkeit würden Informationen vorenthalten und wenn die Schuldfrage weiter gereicht wird, wird aus dem „Fall“ ein Skandal.