Mediatisiert sich die katholische Kirche? Nr. 1
Die deutschen Bistümer wie die evangelische Kirche klagen über zurückgehende Mitgliederzahlen, weniger Finanzen und Personalmangel. Zugleich nimmt in der Bevölkerung das Interesse an Religion meßbar zu. Das schlägt sich in den Medien nieder. 2005 waren das Requiem für den verstorbenen Papst, der Weltjugendtag, aber auch der Fernsehalltag mit einer Nonnenserie oder den Gottesdienstübertragungen im ZDF mediale Erfolggeschichten für Religion und Kirche. Die Reisen von Bendeikt XVI. ziehen die Aufmerksamket der Medien auf sich. Was ist die Konsequenz: Entvölkert sich die Kirche vor Ort und löst der in den Medien präsente Papst, die Zelebranten der im Fernsehen übertragenen Gottesdienste und Schauspieler in der Rolle von Ordensleuten und Pfarrern als Protagonisten in Serien den lokalen Pfarrer als Bezugspunkt für die Kirche als religiöse Institution ab? Es scheint sich mehr zu ändern, als daß wegen Personalmangel und zurückgehenden Finanzen Pfarreien in Seelsorgsbezirken zusammengefaßt oder Pfarrerstellen nicht mehr neu besetzt werden.
Nun ist die Teilnahme an Veranstaltungen, ob politischen Diskussionen oder Vorträgen und Gottesdiensten für den Bewohner der Späten Moderne nicht mehr so zwingend. Früher mußte man ins Hochamt gehen, um die wichtigen Neuigkeiten zu erfahren, man mußte beim Ortsverein dabei sein, wenn man die politische Entwicklung verfolgen wollte. Das galt noch mehr für die Zeit des Nationalsozialismus und des Kommunismus. In einer offenen Mediengesellschaft dagegen muß man nicht mehr zu den Treffen gehen, denn man erfährt alles Wichtige über irgendeinen Kanal, ob Radio, Zeitung oder Internet. Es ist unbestreitbar, die Nutzugn religiöser Angebote hat sich deutlich in die Medien verlagert. Die Konsequenzen müssen bedacht werden, wollen die Kirchen nicht ihre Gemeindestrukturen weiter ausdünnen. die Kirchen müssen aufdie Medienorientierung vor allem der jüngeren Bevölkerungsgruppen eine Antwort finden.