Web2.0 für Gemeindebildung

Das Internet im Zeitalter der Homepages war eine Anschlagtafel. Die Nutzer konnten vorbei schauen, aber selbst wenig gestalten. Das hat sich mit dem Web2.0 geändert. Die Nutzer gestalten selbst die Inhalte, stellen Videos auf YouTube ein, verfassen Lexikonartikel für Wikipedia und treffen sich bei studiVz. Das bedeutet, dass sich Menschen nicht mehr nur im Internet informieren, sondern in Kommunikation treten. Eine ideale Chance für den Aufbau von Gruppen, für Verbände und kirchliche Gemeinden. Für Seelsorge und Bildungsarbeit wird das Internet eine zentrale Rolle spielen. Die Phil.-theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt bietet daher für diese neuen Chancen des Internets eine Qualifizierung http://www.sankt-georgen.de/medien/index.htm an.

Kommentar

Religion für die jüngeren Sozio-kulturellen Milieus, Sinus-Milieus 1

Religion bringt in den Medien Quote. Es ist weltweit, vor allem in Asien, ein wachsendes Interesse am Religiösen zu beobachten. Ganz anders erleben das die in der Kirche Aktiven. Sie spüren ein Schwinden des kirchlichen Lebens und finden das durch zurückgehende Kollektenergebnisse, durch ein ständiges Schwinden der Gottesdienstbesucher und  verschiedene Jugendkulturen bestätigt, die die Religion nicht zu ihrem Repertoire zu zählen scheinen. In Deutschland musste die katholische Kirche ernüchternd feststellen, dass die Formen und die liturgische Ästhetik, die Sie anbietet, nur für ältere Menschengruppen konsumierbar sind. Das haben Interviews gezeigt, die auf der Basis der sog. Sinusmilieus durchgeführt wurden. Eltern mit Kindern sehen in der Kirche zwar weiterhin eine Stütze für das familiäre Leben. Aber sie fühlen sich der Kirche nicht mehr so nahe wie die Elterngenerationen der achtziger und frühen neunziger Jahre. Wie soll die Kirche aber auf die Jungen Performer, die Experimentalisten oder Hedonisten zugehen? Diese werden keine Gottesloblieder singen und auch nicht einem post-materiell orientierten jüngeren Priester zuhören, der sie von den Idealen der achtziger Jahre überzeugen will. Die Lebenswelten haben sich so auseinander entwickelt, dass es über die bisherige Pfarrei nicht gelingen wird, den größeren Teil der jungen Erwachsenen zu erreichen. Hält die katholische Kirche an ihrer bisherigen Seelsorgskonzeption fest, wird sie immer mehr altern.

Utopisch ist auch die Vorstellung, mit den Menschen, die das pfarrliche Leben heute noch tragen, ließen sich Kontakte zu den jüngeren Kulturen knüpfen. Die mittlere und ältere Schicht, die in den Pfarreien bestimmend ist, hat aus sich heraus gar nicht die Kraft, die verschiedenen Kulturen junger Erwachsener zu integrieren, denn sie braucht die verbliebenen Energien, das Bisherige einigermaßen aufrecht zu erhalten. Ehe es Kirchen gibt, in denen junge Erwachsene ihre Ästhetik wiederfinden, in denen sie sich nicht auf den Standard einer Gotteslob-Einheitsmesse einstimmen müssen und wo die Predigt etwas mit ihrer Lebenswelt zu tun hat, wird es noch Zeit brauchen. Über die Kirchenräume wird das nicht gelingen, sondern die Seelsorge muss Anknüpfungspunkte in den Medien suchen. Erst wenn aus dem Internet-Raum der Kirche „neue Töne“ zu hören sind, werden sich die jungen sozio-kulturellen Milieus in eine Kirche locken lassen, so wie das mit den Kirchennächten anfanghaft gelingt.

Zu Seelsorge und Milieus s.

Kommentar

Bischöfe sind keine Studenten

Der Besuch der deutschen Bischöfe sollte ein Zeichen der Solidarität werden. Der Nachhall klingt ganz anders. Proteste von Sprechern des Judentums zwingen den Vorsitzenden der Bischofskonferenz zu beruhigenden Worten. Dabei hatten weder er noch andere Bischöfe eine offizielle Erklärung abgegeben, in der von einem Vergleich der Mauer, die Jerusalem von den palästinensischen Gebieten abschirmt,  mit einem Ghetto gezogen wurde. Wer hat die persönlichen Eindrücke einzelner Bischöfe in die Presse gebracht? dpa berichtet: „Und Bischof Gregor Maria Hanke aus Eichstätt lässt sich vor mitreisenden Journalisten gar zu der Äußerung hinreißen: “Morgens in der (Gedenkstätte) Jad Vaschem die Fotos vom unmenschlichen Warschauer Ghetto, abends fahren wir ins Ghetto nach Ramallah. Da geht einem doch der Deckel hoch.“ 
Es ist einfach mangelnde Professionalität. Wer als Bischof mit Journalisten plaudert, wird dadurch nicht einfach zum Privatmann, sondern bleibt auch in solchen Gesprächen Bischof und damit Sprecher der katholischen Kirche. Man darf sich fragen, ob Bischöfe genügend auf den Rat ihrer Pressesprecher hören und ob die sich trauen, gegenüber einem Bischof deutliche Warnungen auszusprechen. Bischöfe sind zwar Menschen mit Emotionen und die können sie auch äußern, aber sie werden von Journalisten eben nicht wie Studenten behandelt, die auch mal etwas krasser formulieren können.

Kommentar

TheologInnen für die Medien gefragt

Studienprogramm in Frankfurt ebnet Weg in die Medien

Der Islam macht die Religion wieder lebenswichtig. Schien es in den letzten Jahrzehnten so, als seien Glaube und Spiritualität ein Hobby, das sich nicht jeder leisten muss, stellt der Islam neu die Frage nach Gott: Will Gott Gewalt, wenn es um seine Ehre geht? Erlaubt Gott Zwang, ob bei der Bekehrung Andersgläubiger oder bei der Heirat? Es ist aber nicht nur der Islam, der die Religion neu zum Thema macht. Seit dem Weltjugendtag und dem letzten Papstbesuch ist in den Redaktionen das Interesse am Christentum deutlich gewachsen. Theologen und Theologinnen sind gefragt, die auf der Höhe der Zeit die Leser, Zuhörer und Zuschauer kompetent informieren und Vorgänge kommentieren. Die Phil.-Theol. Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt bietet eine Qualifizierung für Medien an.
Wie sieht die Vorbereitung auf einen Medienberuf aus:

3 Kursbausteine, um sich für ein Praktikum zu bewerben:
Medienberufe: 1. März 2007 , 14.00 – 21.30, 2. März,    9.00 – 15.00   
Reportagewerkstatt, schließt direkt an: 2. März 16-21.30, 3. März 9 – 12h
Hörfunkwerkstatt: November 2007 Freitagnachmittag bis Samstagmittag

weitere Informationen http://www.sankt-georgen.de/medien/index.htm

Kommentar

Religion muß im Internet ankommen

98% der Altersgruppe zwischen 14 und 29 Jahren nutzt das Internet. Das war bei der Einführung dieses mit dem Computer verbundenen Mediums nicht erwartet worden. Man ging damals von einer Reichweite von 30 bis maximal 50% aus. Grund für die Annahme war, daß das Internet nur ein Medium der besser Ausgebildeten werden könnte. Eine fast hundertprozentige Verbreitung in der jüngeren Generation bedeutet, daß das Internet das Bildungsgefälle in der Bevölkerung nicht vergrößert, obwohl gerade das erwartet worden war. Wie das Handy ist das Internet zu einem die Bevölkerungsschichten verbindenden Medium geworden.

Für die Kirchen heißt das, daß sie vorrangig über das Internet und nicht mehr über Zeitungen bzw. Fernsehen die Jüngeren erreichen kann. Es ist nicht zu spät, die Medienstrategie neu auszurichten. So richtet die größte deutsche Reagionalzeitung, die Westdeutsche Allgemeine, die vor allem im Ruhrgebiet verbreitet ist, eine Internetredaktion mit lokalen Nachirchtenseiten ein. Ein weiteres Beispiel: Die Agentur Springer&Jacoby in Hamburg, die einst führend war, inzwischen aber große Etats, wie den für Mercedes, verloren hat, setzt einen Geschäftsführer ein, der bisher eine Internetagentur geleitet hat.

Wer sind die immer noch 36% Internetabstinzler? 78% dieser 23,2 Millionen Menschen sind älter als 50 Jahre. Ein zweites Merkmal ist ein niedriger Bildungsabschluß. So besagen es die Daten, die die Marktfoscher von TNS-Infratest erhoben haben, die die Umfrage mit der Initiative D21 durchgeführt haben. Rekrutiert sich aus dieser Gruppe nicht auch das Gros der Kirchgänger?

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Selbstverbrennung – damit man darüber redet

Protest gegen die Gleichgültigkeit in Sachen Religion
Ein pensionierter evangelischer Pfarrer hat sich mit Benzin übergossen und selbst in Brand gesetzt. Er ist an seinen Verletzungen gestorben und hat wohl vor seinem Tod Abstand zu seiner Tat genommen. Tag und Ort waren bewußt gewählt: Der Reformationstag und das Augustinerkloster in Erfurt, in das Luther eingetreten war, um seiner geistlichen Berufung zu folgen. Eine solche Tat beinhaltet eine bewußte Demonstration. Pfarrer Weisselberg wollte gegen die mangelnde Entschiedenheit gegenüber dem Islam ein Zeichen setzen. Er sah die Gefahr einer „Weltherrschaft des Islam“, die von seiner Kirche nicht wahrgenommen werde. Er hinterließ einen Abschiedsbrief, den seine Frau in der Wohnung fand. Ähnlich hatte 1976 der Pfarrer Oskar Brüsewitz gegen die Kirchenfeindschaft des damaligen SED-Staates mit einer Selbstverbrennung demonstriert. Auf ihn berief sich Pfarrer Weisselberg, als er sich mit Öl übergoß. Und er rief den Namen Jesu an, bevor er sich in Brand setzte. Dieser inszenierte Selbstmord wurde nicht aus Überdruß am Leben begangen. Der pensionierte Pfarrer war aktiv geblieben und hatte z.B. weiterhin Gottesdienste gehalten. Er fühlte sich wohl in einer ausweglosen Situation und setzte sein Leben ein, um für seine Überzeugung einzustehen.
Medial scheint das Ereignis nicht ausgeschlachtet worden sein, es fehlten die Bilder. Aber sicher hat der Pfarrer eine öffentliche Resonanz erzeugen wollen.
Hat er um der öffentlichen Wirkung willen Strategien islamischer Selbstmordattentäter übernommen? Glaubte er, wie viele Kreise im Islam, daß nur der Tod als letztes Mittel übrig bleibt, weil die Situation ausweglos erscheint? Fühlte er sich von Gott zu diesem Zeichen beauftragt oder war die Selbstverbrennung ein Hilfeschrei, daß Gott handelt. Aber er hat wohl eher seine Kirche im Auge gehabt, als daß er an der Macht Gottes gezweifelt hätte. Offensichtlich hat er in seinen letzten Stunden im Krankenhaus erkannt, daß Gott solche Opfer nicht will und daß christliches Martyrium nicht gesucht, sondern nur von den Gegnern des Christentums auferlegt wird. Es gehört auch, anders als im Islam, nicht zur Ethik des Christentums, daß Vorgesetzte oder geistliche Führer von anderen Christen das Martyrium einfordern dürfen.
Mit der Selbstverbrennung des Pfarrers wurde die Gewaltspirale weiter gedreht. Es wird deutlich, daß die Kirchen ihren Mitgliedern mehr Orientierung geben müssen, sollen nicht einzelne die Hoffnung verlieren, daß das Christentum in Europa dem Islam noch einmal standhält.

Kommentar

Rituale im Internet

Die Religionswissenschaft der Heidelberger Universität untersucht, inwiefern sich religiöse Rituale im Internet spiegeln. “Konstellationen für Ritualtransfer im Internet” wird das Projekt benannt, in dem private Homepages im Zusammenhang mit religiösen Ritualen beobachtet werden. Die Forschungen gehen davon aus, daß Rituale einer Dymanik unterliegen und sich neuen Bedingungen anpassen. Das Internet selbst wird als dynamischer Faktor bei der Entwicklung der Rituale gesehen. So wird auch untersucht, welche Rituale im Internet entstehen.
http://www.rituals-online.uni-hd.de/projekt/

Kommentar

Kampf der Religionen in den Medien

Der Papst hat in einer Vorlesung in der Universität Regensburg eine Diskussion aus dem 14. Jahrhundert zitiert. Die ganze Welt ist mit den Wirkungen dieses Zitats konfrontiert. Hätte das Fernsehen die Ansprache nicht übertragen, wäre nicht in den Zeitungen darüber berichtet worden, hätte sich die Welt nicht verändert. Die muslimische Welt hätte dem Vortrag des Papstes auch keine Beachtung schenken müssen, wäre die Rede nicht übertragen worden. Zudem war das Thema des Vortrages nicht einmal der Islam, sondern das Verhältnis von Vernunft und Religion. Der Appell des Papstes richtet sich an den westlichen Vernunftgebrauch, nämlich die Religion aus den Gegenständen der Vernunft nicht weiter auszublenden. Nun könnten die Intellektuellen aus der Reaktion des Islam schließen, dass Religion nichts mit Vernunft zu tun hat. Das ist aber ein Fehlschluß. Die Reaktionen aus der islamischen Welt sind strategisch angelegt. Sie sind vor dem Hintergrund zu verstehen, dass der Islam sich im Krieg mit dem Westen sieht. Während der Westen und damit die Christenheit davon ausgehen, dass der Islam mit der Zerstörung des Word Trade Centers den Krieg endgültig in die westlichen Länder getragen hat, sieht der Islam sich schon vorher vom Westen angegriffen. Dieser Krieg lässt sich ohne große Verluste in den Medien austragen. Wie im Karikaturenstreit haben der Papst und damit der Westen eine Niederlage erlitten. Es ist genau das eingetreten, was das Zitat aus dem Mittelalter besagt, nämlich dass der Islam sich mit Gewalt ausgebreitet hat und vor der Anwendung von Gewalt nicht zurückschreckt. Aber im Zeitalter der Massenmedien braucht er nur mit der Anwendung von Gewalt zu drohen. Da jeder weiß, dass islamistische Gruppen eine solche Drohung auch wahrmachen können, ist die Wirkung in den Medien gelungen. Aber warum ist das kein politischer, sondern ein religiöser Kampf? Weil der Islam nicht zwischen Politik und Religion trennt. Deshalb kann der Islam sein Gefühl der Überlegenheit aus seiner religiösen Überzeugung ableiten. Da sich die Überlegenheit im Kampf erweist, ist die Auseinandersetzung um die Vorlesung des Papstes in Regensburg ein Sieg des Islam über das Christentum. Und was sagt die westliche Vernunft? In der Gestalt des säkularen Staates Israel kennen wir bisher nur die gleiche Antwort, nämlich Gewalt. Nicht anders die USA. Der Papst und viele protestantische Kirchen hatten sich gegen den Irakkrieg ausgesprochen. War das auch ein Votum gegen die westliche Vernunft?

Kommentar

Verändern die Medien die Religiosität?

Die erste Antwort könnte sein: Das können die Medien nicht. Aber haben sie das nicht schon früher getan? Die orthodoxe Religiosität wäre in ihrer Grundstimmung ganz anders, wäre im 8. Jahrhundert der Bilderstreit so entschieden worden, wie es die Bilderstürmer wollten. Wir können es an evangelischen Kirchen wahrnehmen. Die Abstinenz von Bildern gibt den reformierten Kirchen eine andere Ausstrahlung als den lutherischen. Aber das alles geschieht in den Kirchen, im Zusammenhang mit dem Gottesdienst. Die Medien scheinen darauf wenig Einfluß zu haben. Ein Blick in die Medien selbst führt weiter.
Blättert man eine evangelische oder katholische Kirchenzeitung durch, dann erscheint Religiosität als etwas Nüchternes. Es wird in einfacher Sprache und mit Fotos aus dem Leben der Kirchengemeinden berichtet. Dazu werden Bibeltexte ausgewählt und geistliche Worte abgedruckt. Gleiches gilt für die Tageszeitungen, der Leser wird über das informiert, was die Kirchen tun, veranstalten, wer in ein bestimmtes Amt gewählt, eingesetzt wird. Schon anders kommt Chrismon daher, es greift Themen auf, fühlt sich spiritueller an. Wer dann noch in die Bildzeitung schaut, dem kommt eine ganz andere Religiosität entgegen. Da stehen wie in der Kirchenpresse Menschen im Mittelpunkt. Die werden aber nicht in ihrer kirchlichen Funktion und mit offiziellen Stellungnahmen vermittelt, sondern als Glaubende. Häufig finden sich in der Bildzeitung religiöse Bekenntnisse. Religion tritt dem Leser als etwas Energiegeladenes entgegen, Energie zum Leben und sozialen Einsatz.

Die Kirchensendungen der öffentlich-rechtlichen Radio- und Fernsehsender ähneln in ihrer Tonalität der Kirchenpresse, fleißige Berichterstattung über die Kirchen, Porträts und Länderberichte. Aber die Zuschauer ziehen die Gottesdienstübertragungen und noch mehr die Fernsehspiele und Nonnen- und Pfarrer-Serien vor. In diesen Formaten spiegelt sich das „pralle Leben“, Menschen haben große Probleme, die von dem Protagonisten, der Protagonistin mit persönlichem Einsatz und nach christlichen Wertvorstellungen gelöst werden. Das muß Wirkungen haben. Je mehr Religion Thema der populären Medien wird, desto mehr sind Personen mit einem deutlichen Bekenntnis gefragt. Die nicht-kirchlichen Medien ändern die Religiosität entscheidend. Aus etwas wohl Bedachtem, von Chorälen Besungenem wird Religiosität zum Thema der einfachen Leute. Nicht mehr die reflexive Sprache von Professoren und wortgewandten Pfarrern ist da zu hören, Religion wird im Bekenntnis verankert und gibt dem Leben Energie – genau das Konzept der charismatischen Bewegungen und Freikirchen.

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Medien und Islam 2: Was darf über den Islam in den Medien gebracht werden?

Bei dem Streit um die Karikaturen in einer dänischen Zeitung hat der Islam bewiesen, daß er auf das europäische Rechtssystem Einfluß nehmen kann. Damit ist dem Westen deutlich geworden, daß der Islam sehr wohl bestimmen kann, was gesendet bzw. gedruckt werden kann, wenn es um die Darstellung seiner Religion geht. Dieses Recht wird den christlichen Kirchen abgesprochen. Die Diskussion um die Karikaturen hat zu keinem Konsens darüber geführt, welche Inhalte und Bilder der christlichen Religion von der Satire ausgeschlossen sind. Die Sängerin Madonna kann ohne Protest das Kreuz karikieren.

Europa kann bereits nicht mehr sein Verständnis von Pressefreiheit weiter praktizieren. Dafür ist der Islam inzwischen über die neuen Medien zu gut organisiert, als daß nicht über alle muslimisch geprägten Länder hinweg genügend Druck auf Europa ausgeübt werden könnte. Europa kann sich auch nicht der Illusion hingeben, daß die Medien zu einer Säkularisierung der islamischen Gesellschaften führen. Gerade die fundamenta­listischen Strömungen nutzen die Medien. Deshalb ist eine intelligente Kommunikationsstrategie erforderlich.

Europa muß mit dem Islam in einen aktiven Dialog über das Rechtssystem kommen. Es darf sich nicht wie bei dem Streit um die Karikaturen einschüchtern lassen.

In den Medien darf es kein zweierlei Recht geben. Entweder stehen die Medien die Auseinandersetzung mit dem Islam durch oder sie einigen sich sowohl mit den christlichen Kirchen wie mit dem Islam auf einen Verhaltenskodex. Wenn die Medien auf ein staatliche Regelung warten, haben sie bereits einen Teil der Rechtsordnung aufgegeben, weil sie sich dem Druck beugen.

Anstatt ohne Diskussion vor dem Islam zurückzuweichen, müssen die Medien sich zur Plattform für den Dialog machen.

Die christlichen Kirchen müssen den religiösen Dialog anders führen. Es geht darum, ob der Islam ein anderes Bekenntnis bestehen läßt oder in Europa alles daran setzt, daß sein Gottesbekenntnis das einzig gültige ist. Das hätte zur Folge, daß die Christen zwar noch ihre Kirchen besuchen und Gottesdienste feiern dürfen, daß aber das christliche Bekenntnis aus den Medien verbannt wird.

Das ist alles noch nicht akut. Aber da die Medien schon einmal vor dem Islam eingeknickt sind und die christlichen Kirchen weiter wie bisher behandeln, ist der erste Schritt in die hier skizzierte Richtung getan.

Auch die Kirchen müssen sich entschiedener verhalten. Damit sie in den Dialog wirkungsvoller einsteigen können, braucht es eine Neuausrichtung der Theologie. Sie muß sich von der 200 Jahre Aufklärung verabschieden, die bis heute die Bibelwissenschaft wie die systematische Theologie prägen. Die Auseinandersetzung mit den anderen Religionen muß der vorrangige Horizont der Theologie werden. Dazu ein Beispiel: Der größte mittelalterliche Theologe, Thomas von Aquin hat zuerst eine Darstellung des Glaubens im Blick auf die Nichtchristen geschrieben, seine Summa gegen die Heiden, ehe er für die Christen die Summa theologica verfaßte.

Die Herausforderung durch den Islam ist kein Finanzproblem. Die Mittel, u.a. eine gut ausgebaute theologische Wissenschaft, stehen zur Verfügung. Vielleicht sollten die Finanz- und Kulturpolitiker darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, theologische Fakultäten zu schließen. So teuer sind 10 Lehrstühle nicht. Die Fakultäten brauchen allerdings ein erweitertes Aufgabenspektrum über die Ausbildung kirchlicher Mitarbeiter hinaus.

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