Eröffnung eines Apple-Stores in Hamburg

„Können Sie mir sagen, was hier los ist?!“

Der ältere Herr, der mich das fragte schaute etwas irritiert. Es war kurz nach zehn und wir waren im Hamburgs Renommier-Einkaufsmeile, dem Alstertaler- Einkaufszentrum, ganz im Norden der Stadt. Normalerweise geht es hier etwas gediegener und beschaulicher zu. Szenen wie heute, hatte es hier selbst bei der Eröffnung des Centers nicht gegeben. Ich antwortete dem Fragesteller, hier würde ein Computergeschäft eröffnen. Darauf schüttelte der nur den Kopf und verschwand etwas ratlos in der Menge.

Ich hatte ihm nicht die ganze Wahrheit gesagt, denn heute eröffnete kein normaler Computerhändler, sondern ein Apple-Store und Apple verkauft keine Computer sondern ein Lebensgefühl. Anders ist es nicht zu erklären, dass ungefähr 1500 Menschen sehr früh aufgestanden sind und einige davon seit Stunden geduldig vor dem Apple-Store warteten, bis dieser endlich um zehn Uhr seine Pforten öffnen würde. Nicht wenige hatten eine weite Anreise, sie kamen aus Flensburg, Bremen oder sogar aus Dänemark, um hier dabei zu sein. Apple ist Kult, das begreift spätestens jeder, als kurz vor der Eröffnung Applemitarbeiter unter dem begeistertem Applaus der Menge durch die Gänge liefen und abgeklatscht wurden wie Bundesligaprofis. Und tatsächlich wähnte man sich eher in einem Fußballstadion beim Einlauf der Heimmannschaft als in einem Einkaufszentrum. Dann war es endlich so weit, die Menge zählte von 10 herunter und quittierte die Eröffnung mit frenetischen Jubel. Durch ein Spalier applaudierender Mitarbeiter betraten dann die ersten Kunden mit leuchtenden Augen den Store. Apple hat keine Kunden, sondern Fans.

Warum ist das so? Zum einen hat es Apples CEO, Steve Jobs stets verstanden ein aussergewöhnliches Design mit hoher Produktqualität zu verbinden. Zum anderen hat er eine Gabe extrem anwenderfreundliche Hard- und Software zu kreieren. Alle wichtigen Produkte, wie zuletzt das iPhone, werden von Anfang an unter seiner Mitwirkung entworfen und später auch produziert. Das hat zur Folge, dass Produkte einfach zu bedienen sind und perfekt miteinander harmonieren. Nahezu aus dem Stand ist Apples iPhone so die Nummer zwei auf dem Smartphonemarkt geworden, vor Nokia.

Doch der eigentliche Clou ist Jobs gelungen, als er Apple vom reinen IT-Konzern um einen Medienzweig erweiterte. Heute stellt Apple immer noch Computer her, aber neben dem iPhone auch iPods, die mobil Musik und Videos abspielen. Auch die Computer erfüllen neben den Businessanwendungen auch alle Anforderungen für fortgeschrittenes Homeentertainment. Schließlich verfügt Apple mit iTunes über die weltweit erfolgreichste Downloadplattform für Medieninhalte. In den USA ist iTunes der größte Musikhändler des Landes. Rund 70% aller Musikeinkäufe – physische CDs mitgerechnet – werden dort über iTunes getätigt. Seit einem Jahr kann man auch Fernsehsendungen und Videos über iTunes kaufen oder ausleihen. Apples Vorsprung im Entertainmentbereich ist enorm. Microsoft hat es bis heute nicht verstanden dem etwas entgegen zu setzten. Ihr MP3-Player Zune ist in den USA kläglich geflopt und hat es nie nach Europa geschafft. Es wird sehr schwer für die Konkurrenz werden, Apple auf diesem Gebiet einzuholen. Denn viele Kunden kommen über das iPhone oder den iPod zu Apple und kaufen dann fast selbstverständlich den nächsten Computer auch dort. Wenn Microsoft dem nicht bald etwas entgegenzusetzen hat, werden sie dramatische Markteinbußen zu verzeichnen haben. Auf dem amerikanischen Markt sind schon heute 91% aller verkauften Premiumcomputer aus dem Hause Apple. Noch dominiert Microsoft die Firmenwelt, aber der Apple-Anteil wächst auch hier stetig. In der endlosen Schlange vor dem Store habe ich auch einen IT-Administrator einer größeren Firma gesprochen. Seit Jahren arbeitet er beruflich mit Apple-Computern und spricht genauso positiv über die Anwenderfreundlichkeit der Produkte wie die unzähligen Privatanwender.

Am Schluss muss ich Ihnen ein Geständnis machen, ich schreibe diesen Blog an meinem MacBook Pro mit Unibody Aluminiumgehäuse, es hat ein umwerfendes Design, ist zuverlässig und sehr gut verarbeitet und auch meine Augen leuchteten als ich durch das Spalier der applaudierenden Mitarbeiter den Store betrat…

Stefan Drägert

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